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Test
Audi TT RS - das obere Ende der Baureihe

Audi TT RS - Sportcoupé echtem Rundstreckentalent
Audi TT RS - Sportcoupé echtem Rundstreckentalent FOTO: Audi
Düsseldorf. In seiner stärksten Variante als RS ist der Audi TT ein fast perfektes Sportcoupé. Aber lässt er auch unser Herz so höher schlagen, wie es die Lautsprecher beim Ausstieg simulieren? Von Peter Eck

Ein Porsche 911 – der deutsche Inbegriff eines Sportwagens – hat in der Normalausführung als Carrera 370 Pferdchen unter der Haube. Dies nur mal vorweg und zur Orientierung. Denn beim Audi TT RS reden wir immerhin von 400 PS.

Das reicht also beim Autoquartett bei der Abfrage "Leistung" zum Sieg, auch wenn beim Thema "Höchstgeschwindigkeit" der Elfer (295 km/h) gegenüber dem RS (280 km/h nach der 1500 Euro teuren Aufhebung der 250-km/h-Begrenzung) dann doch die Motorhaube vorn hat.

Sie merken schon: Wir reden hier über ernsthafte Sportcoupés mit übrigens auch echtem Rundstreckentalent. Beim Porsche wird das ja sowieso vorausgesetzt und besagter 911er stellt mit seiner Motorisierung ja auch nur den Einstieg in die ikonische Welt dieses Fahrzeugs dar. Der Audi TT markiert als RS dagegen das oberste Ende der Baureihe, immerhin gibt es das Fahrzeug auch mit bescheidenen 180 Benziner-Pferden und sogar als Diesel mit kompaktwagenhaften 184 PS.

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Der Audi TT hat ein Herz

Dem TT wird - wie so manch anderem Audi-Modell derzeit – nachgesagt, in seiner Perfektion ein wenig kalt und synthetisch geworden, jedenfalls nicht so aufregend, wie andere Sportwagen zu sein. Wir dachten uns: Wenn das bekannte doppelte Herzklopfen aus der Audi-Werbung irgendwo auch real zu spüren sein muss, dann doch wohl am ehesten in der RS-Version.

Und siehe da, es klopft tatsächlich, das Herz. Allerdings nicht das des Fahrers oder Mitreisenden, sondern es wird künstlich erzeugt, wenn der Motor zum Stillstand gekommen ist und die Türe geöffnet wird. Ein netter Gag, der sich allerdings schnell abnutzt.

Kommen wir zu den wahren Talenten des TT. Im Vergleich zu den normalen Modellen - den 310 PS starken TTS mal ausgenommen – wirkt der 2+2-Sitzer, als hätte man ihm (verzeihen Sie den Kalauer) ein gehörigen Schuss Rum in den T(ee) gegeben.

Der unter der Haube arbeitende, neu entwickelte Fünfzylinder ist auf jeden Fall ein Prachtstück, sorgt für tollen Sound und gierigen Durchzug. Dazu nur eine Angabe: 480 Newtonmeter Drehmoment. Das verspricht schon an sich genügend Rum(ms), in diesem Fall und mit Turbounterstützung heißt das zudem, dass der Maximalwert zwischen 1.700 und 5.850 U/min permanent anliegt und somit praktisch immer.

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Damit die Kraft  des 2,5-Liter-Vollalu-Aggregats stets ohne Verlust auf die Straße gebracht wird, ist der Quattro-Allradantrieb natürlich Serie. Außerdem wird auch immer das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic eingebaut, das für schnelle, aggressive, in einigen Fällen aber auch hektische Gangwechsel sorgt.

Der ganz große Fahrspaß will nicht aufkommen

Der lange, etwas ungelenk aus dem Fahrzeugboden ragende Wählhebel passt für uns allerdings überhaupt nicht zum ansonsten stilsicher-sportlichen Innenraum. Die Verarbeitung ist dagegen wie immer bei dieser Marke äußerst penibel.

Auf der Straße zeigt sich der mit 1,5 Tonnen nicht zu schwere TT RS erwartungsgemäß spurtstark und sauschnell, selbst in anspruchsvollen und sehr schnell gefahrenen Kurven einsamer Landstraßenabschnitte ist er nur durch provozierte Fahrfehler aus der Ruhe zu bringen. Tatsächlich kann man allerdings auch die Kritik an diesem Auto nachvollziehen. Der ganz große Fahrspaß will nicht aufkommen, weil das Fahrzeug jedwede Aufgabe mit fast schon distanzierter Coolness bewältigt.

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Während das vielleicht noch eine ziemlich subjektive Einschätzung ist, gibt über den Komfort nichts zu diskutieren – den gibt es nämlich so gut wie nicht. Und dies, obwohl man im Alltag stets die sogenannte "Comfort"-Einstellung wählt.

Aber selbst da ist ein jugendlich-gesunder Rücken eigentlich unabdingbar. Stellt man auf "Dynamic", sollte die Qualität des Asphalts dann schon deutlich über bundesdeutschem Durchschnittsniveau liegen, sonst benimmt sich der RS einfach zu rüpelig. Denn schon die Grundabstimmung ist mindestens straff und der kurze Radstand sorgt für eine gewisse Nervosität. Andererseits ist dies natürlich gerade der Grund, warum der RS als echter Kurvenkünstler durchgeht.

Exakt 67.000 Euro ruft Audi derzeit für das Coupé auf, wer den RS lieber als Cabrio fahren will, muss 2.800 Euro drauflegen. Unser Testwagen kam übrigens auf rund 87.000 Euro, weil sich Audi auch beim TT nicht alles aber doch sehr viel extra bezahlen lässt – und die Kunden damit offenbar einverstanden sind.

Letztlich ist das dann auch wieder eine Frage der Sichtweise: Im Vergleich zu einem Porsche 911 Carrera ist der stärker motorisierte TT RS ein echtes Schnäppchen. Wer von einem Sportwagen aber auch herausgefordert werden will, für den wäre dieses nahezu perfekte Sportcoupé letztlich die falsche Investition.

Audi TT RS – technische Daten

2+2-sitziges Sportcoupé, Länge: 4,19 Meter, Breite: 1,83 Meter (mit Außenspiegeln: 1,97 Metern), Höhe: 1,34 Meter, Radstand: 2,51 Meter, Kofferraumvolumen: 305 Liter
2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbobenziner, 294 kW/400 PS, maximales Drehmoment: 480 Nm bei 1.700 – 5.850 U/min, permanenter Allradantrieb, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, 0-100 km/h: 3,7 s, Vmax: 250 km/h (280 km/h), Normverbrauch: 8,2 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 258 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: F, Testverbrauch: 11,1 Liter

Preis: ab 67.000 Euro

Preis des Testwagens: 87.135 Euro

(csr/SP-X)
 
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