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Test
Citroen C4 Picasso - französischer Familienfreund

Citroen C4 Picasso - ein angenehmer Van
Citroen C4 Picasso - ein angenehmer Van FOTO: Citroen
Düsseldorf. Praktisch, variabel, schick – eine Menge positiver Attribute für einen modernen Van. Der kompakte Franzose weiß im Test zu überzeugen, kann aber auch nicht alles. Von Mario Hommen

Man fragt die Kinder eigentlich nicht, doch wenn man es täte, dann dürfte ihr Urteil über einen Citroen C4 Picasso sehr positiv ausfallen. Doch auch Erwachsenen kann der Kompakt-Van durchaus Freude bereiten, wie ein Test mit dem 165 PS starken Beniner in der Topausstattung Shine zeigt.

Ist diese besonders reichhaltig ausgestattete Version zudem noch mit dem 500 Euro teuren Panoramaglasdach gesegnet, dürfte vielen Kindern ein Wow über die Lippen kommen, wenn sie erstmals den Fond des Vans entern.

Dort gewährt die Rückbank mit ihren drei Einzelsitzen nicht nur ungewöhnliche Ausblicke, sondern auch in alle Richtungen viel Entfaltungsspielraum, zumal kein Kardantunnel im Fußraum stört. Kinder wissen nicht nur wohin mit den Beinen, sondern auch mit Kleinkram, denn im Boden befinden sich Staufächer und aus den Rückseiten der Vordersitzlehnen lassen sich kleine Tischchen herausklappen.

Kia Carens - ausgreifter Familien-Van FOTO: Renault

Sollte die liebe Sonne nerven, kann sich der Nachwuchs mit dem ausziehbaren Sonnenschutz der Seitenfenster und dem elektrischen Rollo fürs Glasdach vor den Strahlen schützen.

Jede Menge Staufächer

Auch für die vorderen Gäste hat Citroen einige nützliche Nettigkeiten an Bord. Unter anderem gibt es 16 Staufächer, die bis zu 40 Liter Platz für Kleinkram aufnehmen können. Eine 230-Volt-Steckdose, eine herausnehmbare Taschenlampe im Kofferraum, ein Kinderspiegel oder der Parfumspender sind Kleinigkeiten, die man nicht dringend braucht, die aber den Aufenthalt an Bord versüßen.

Beim Nutzwert sind es dann auch handfeste Talente, mit denen der 4,43 Meter lange C4-Van Überzeugungsarbeit leistet. 537 bis 630 Liter passen bereits in den Standardkofferraum, über 1700 Liter werden es, wenn man die Rückbanklehnen der Einzelsitze nach vorne klappt.

VW Touran - praktisch ein gutes Auto FOTO: VW

Letzteres gestaltet sich allerdings etwas fummelig, denn dazu muss mit Hilfe von Hebel, Schlaufe und etwas Muskelkraft jeden Sitz in die gewünschte Position zwingen. Dafür ist jeder Stuhl einzeln verschieb- und klappbar, was viele flexible Transportszenarien erlaubt. Der Platz für Gepäck ist zwar üppig, allerdings bietet Citroen keine Cleverlösungen, um Gepäckstücke sicher zu arretieren. Hilfreich beim Beladen ist dafür eine elektrische Heckklappe, die sich sogar per Fußgeste aktivieren lässt.

Analoginstrumente haben ausgedient

Weiter vorne beindruckt der C4 Picasso mit einem eigenwillig schönen, aufgeräumten und progressiv gestalteten Arbeitsplatz. Analoginstrumente haben ausgedient. Auch Bedienknöpfe sind Mangelware.

Dafür befinden sich - zumindest in den höheren Ausstattungsniveaus Selection und Shine - mittig im Armaturenbrett zwei riesige Farbdisplays. Das obere im 12-Zoll-Format dient ausschließlich als Anzeige, während der untere 7-Zoll-Touchscreen auch als Bedieneinheit unter anderem für die Klimaanlage dient. Auch Audio-, Navisystem, Telefon oder Fahrhilfen werden hierüber gesteuert. Nicht alles ist intuitiv, doch wer etwas Experimentierfreudigkeit mitbringt, wird sich hier schon bald zurechtfinden.

VW Golf Sportsvan - frisch gemacht und neu motorisiert FOTO: VW

Der von uns getestete 1,6-Liter-Turbobenziner mit satten 121 kW/165 PS verrichtet weitgehend unauffällig seine Arbeit, außer man fordert viel Leistung. Dann schiebt der C4 untermalt von beherztem Knurren recht flott voran. Nur etwas über neun Sekunden dauert der 100-km/h-Sprint des 1,6-Tonners, recht locker geht es auf über 200 km/h. Die 240 Newtonmeter Drehmoment sorgen zudem bei Zwischensprints für ordentlichen Durchzug.

Positiv überraschen konnte das EAT6-Getriebe, denn Lastwechselreaktionen wie bei vorherigen Versionen sind diesem automatisierten Schaltgetriebe mittlerweile nahezu fremd. Zudem werden die Gänge schnell gewechselt. Damit handelt es sich um eine preiswerte Alternative zu den bei anderen Herstellern üblichen Wandlerautomaten, CVTs oder Doppelkupplungsgetrieben. Lediglich der Gangwahlhebel hinterm Lenkrad wirkt ein wenig zu filigran und fummelig.

Einstiegspreis kann leicht verdoppelt werden

Und beim Verbrauch entfernt sich diese Antriebskombination in der Praxis deutlich vom moderaten Effizienzversprechen der 5,8 Liter Normverbrauch. Real wird man bei moderat bis flotter Fahrweise eher um acht Liter verfeuern.

Probefahrt im Ford C-Max FOTO: Hersteller

Vor allem als angenehmer Gleiter auf längerer Strecke ist der C4 Picasso ein angenehmes Mobil. Die Windgeräusche bleiben moderat, das Fahrwerk federt lange Bodenwellen in klassisch französischer Art entspannt aus. Zugleich lässt sich der Van auch flott und mit moderater Wankneigung durch Kurven scheuchen.

Ein Links-Rechts-Akrobat ist der Van aber nicht. Als eher unbefriedigend erlebten wir die Unterstützung von Abstandstempomat und Spurverlassens-Assistent. Ersterer steigt zu häufig bei Autobahnfahrten aus der automatischen Abstandsregelung aus, während letzterer in gelegentlich etwas zu beherzter Weise den Wagen wieder zurück in die Spur dirigieren will.

Familien schauen eher aufs Geld und könnten insofern leichthin auf einige dieser Helferlein, die im 1000 Euro teuren Sicherheitspaket 1 versammelt sind, verzichten. Der Markt der Möglichkeiten ist beim C4 Picasso nicht gerade klein, weshalb sich die attraktiven 19.000 Euro der Basisversion in der von uns getesteten Ausstattungsvariante verdoppeln.

Eine gute Alternative ist der 130-PS-Benziner mit Handschaltgetriebe in der Ausstattung Feel für rund 23.000 Euro, den man noch mit ein paar Ausstattungspaketen aufwerten kann, was den Preis auf rund 25.000 Euro treibt. Wer einen Benziner mit dem EAT6-Getriebe will, muss sich übrigens für das gehobene Ausstattungsniveau Selection entscheiden. Dann kann man den THP 165 für rund 28.000 Euro bekommen.

Citroen C4 Picasso - technische Daten

Fünfsitziger Kompakt-Van, Länge: 4,43 Meter, Breite: 1,83 Meter (2,12 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,61 Meter, Radstand: 2,79 Meter, Kofferraumvolumen: 537/630 bis 1.709 Liter.

1,6-Liter-Turbobenziner mit 121 kW/165 PS, maximales Drehmoment: 240 Nm bei 1.400 U/min, Vmax: 210 km/h, 0-100 km/h: 9,3 s, Durchschnittsverbrauch: 5,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 129 g/km Effizienzklasse: B, Testverbrauch 7,9 Liter;

Preis: ab 23.990 Euro.

(csr/SP-X)
 
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