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Fahrbericht: Opel Karl
Ziemlich groß für seine Kürze

Der Opel Karl im Test
Der Opel Karl im Test FOTO: Opel
Amsterdam. Karl mit K: Den Trend nach alten Vornamen greift auch Opel auf und nennt seinen jüngsten Spross ganz einfach und unprätentiös Karl. Ohne Schnickschnack und Chichi will der Kleine überzeugen. Das gelingt meistens gut.

Ziemlich kurz und ziemlich geräumig: Dem neuen, 3,68 Meter langen Opel Karl gelingt der Spagat, auf knapper Grundfläche ordentliche Platzverhältnisse für seine Passagiere zu realisieren. Opels Kleinster, der wie der neue Chevrolet Spark in Korea vom Band läuft, steht ab dem 20. Juni bei den Händlern und will im stetig wachsenden Segment der Kleinstwagen mit Übersichtlichkeit und Funktionalität punkten. Mindestens 9.500 Euro werden für den jüngsten Spross im Opel-Portfolio fällig.

Es ist ja nicht so, dass Opel nicht schon den Kleinwagen Corsa sowie den modisch-pfiffigen Kleinstwagen Adam im Programm hätte. Der Karl soll jedoch die preisbewusste Klientel ansprechen, die vor allen Dingen den Fokus auf die praktischen Seiten eines Autos legt und weniger auf schicke Individualisierungsoptionen oder leistungsstarke Motoren. Ganz konsequent offeriert Opel daher für den neuen Kurzen nur eine Motorisierung und auch die Anzahl der Ausstattungsversionen sowie der Optionen sind begrenzt.

Für den Vortrieb sorgt ein neuer Einliter-Dreizylinder mit 55 kW/75 PS. Das Aggregat, eine Ableitung des bekannten Dreizylinder-Turbos, ist aber leichter und kommt im Karl ohne Turbounterstützung, Direkteinspritzung und Ausgleichwelle aus. Der Sauger hat wenig Mühe den nur 939 Kilogramm (Leergewicht) leichten Stadtfloh auf Trapp zu bringen – man sollte aber das serienmäßige Fünfgang-Getriebe eifrig nutzen, um die 96 Nm wachzukitzeln und munter zu halten. Die 75 PS reichen dann nicht nur für innerstädtische Fahrten, man kann sich auch auf die Autobahn trauen ohne als Schleicher enden zu müssen. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 170 km/h angegeben, der Standardspurt gelingt in geduldigen 15,5 Sekunden. Auffällig leise agiert der Dreizylinder bis ca. Tempo 100. Bei höheren Geschwindigkeiten meldet sich das typische Surren der drei Töpfe-Konstruktion. Straßenunebenheiten werden im Rahmen des knappen Radstands (2,39 Meter) weggebügelt.

Bleibt man fahrerisch im anspruchsreduzierten Bereich ist es nicht nur ruhig, auch der Verbrauch bewegt sich nahe des Normwerts. Diesen gibt Opel mit 4,5 Litern an (CO2-Ausstoß: 104 g/km), bei ersten Testfahrten zeigte der Bordcomputer 5,2 Liter an. Eine Start-Stopp-Automatik sowie ein automatisiertes Fünfgang-Getriebe werden ab Herbst erhältlich sein.

Der Karl ist wie seine Wettbewerber ein richtiges Stadtkind. Mit seinem Wendekreis von 9,5 Metern gelingen Rangiermanöver schnell. Und natürlich hat das Fahrzeug bei der Jagd nach Parkplätzen die Stoßstange vorn. Praktisch sind außerdem die serienmäßigen fünf Türen. Das heißt, der Einstieg auf die hinteren Plätze gelingt leicht. Insgesamt ist das Platzangebot recht ordentlich. Vorne ist das Raumgefühl großzügig, die Fondpassagiere sind jedoch auf das Wohlwollen der Vorderleute angewiesen. Auch wenn drei Personen nicht wirklich ein bequemes Plätzchen auf der Rückbank finden, ist die Investition in die Dreierbank sinnvoll. Diese kann anders als die zweisitzige Standardbank im Verhältnis 1/3 zu 2/3 umgeklappt werden, man ist folglich bei der Verteilung Gepäck und Mensch flexibler.

Apropos Kofferraum: Das Gepäckteil fasst in Normalstellung 195 Liter. Sollen Getränkekisten oder anderes sperriges Gut transportiert werden, lassen sich die Rücksitzlehnen umklappen. Dazu muss man allerdings etwas umständlich die Sitzkissen herausziehen und hochkant stellen, die eigentlichen Rückenlehnen können dann – nachdem man die Kopfstützen herausgezogen hat – umgelegt werden. Der Lohn der Mühe sind immerhin 1.013 Liter Ladevolumen.

Viel Mühe haben sich die Opel-Designer mit dem Außenauftritt des Karl gegeben. Mit seinem typischen Marken-Gesicht, der flott gezeichneten Seitenlinie und dem durchaus knackigen Heck kann sich der Neuzugang durchaus sehen lassen. Man muss nicht riskieren, mitleidig auf das Gefährt angesprochen zu werden. Im Inneren merkt man an den Kunststoffmaterialien, dass bei einem Kleinstwagen mit sehr spitzer Feder gerechnet wird. Hier muss man im Vergleich zum Adam oder Corsa Abstriche in der Haptik machen. Aber: Der Karl hat ein Handschuhfach mit Klappe, die hinteren Seitenfensterscheiben lassen sich – je nach Ausstattung - manuell oder elektrisch ganz nach unten fahren und auch das vordere Beifahrerfenster kann der Fahrer elektrisch (ab Edition) von seiner Seite aus bedienen.

Da die Basisversion (ab 9.500 Euro) nur für radikale Komfortverächter gedacht ist, werden sich die meisten Käufer wohl für die mittlere Ausstattungsvariante Edition (ab 10.650 Euro) entscheiden. Hier gehören unter anderem elektrisch verstellbare vordere Fensterheber sowie Außenspiegeln, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, ein höhenverstellbarer Fahrersitz sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage zum Serienumfang. Das Lenkrad ist aber nur in der Höhe verstellbar – übrigens auch in der Topversion (ab 12.900 Euro).

Natürlich gibt es bei dem zweiten Komfortniveau bei aller Abgrenzung zu Adam und Corsa wie bei den Wettbewerbern noch Luft nach oben. Eine Klimaanlage in Verbindung mit einem Infotainmentsystem kostet 850 Euro. Sitzheizung, Lenkradheizung, Lederlenkrad sowie hinteren Parksensoren stehen mit 495 Euro in der Liste. Und wer Wert auf schicke 15-Zoll-Leichtmetallfelgen statt schnöder 14-Zoll-Stahlräder legt, ordert das Funktionspaket für 325 Euro. Das beinhaltet zudem die geteilt umklappbare Rücksitzlehne, Nebelscheinwerfer und einen Spurassistenten. Für Frischluftfans gibt es zudem ein elektrisches Schiebedach (850 Euro). Das verbesserte IntelliLink-System kommt im Herbst, dann lassen sich auch Android-Smartphones einbinden.

(SP-X)
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