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Fahrradklimatest des ADFC
Kann das Rad den Verkehrsinfarkt verhindern?

ADFC-Fahrradklimatest: Kann das Rad den Verkehrsinfarkt verhindern?
Ein Radfahrer fährt in Wuppertal auf der Nordbahntrasse an Hinweisschildern für Radfahrer vorbei. FOTO: dpa, obe sab
Düsseldorf. Das Fahrrad ist nicht nur Fitness-Gerät, für Verkehrsplaner ist es Teil der Lösung gegen den täglichen Verkehrsinfarkt. In NRW werden dafür unter anderem Radschnellwege gebaut. Der Fahrradklimatest des ADFC gibt einen Überblick über die Lage in den Städten.
  • Welchen Anteil hat der Radverkehr eigentlich?

Das ist ganz verschieden: In der Universitätsstadt Münster gibt es seit Jahrzehnten Radwege in der ganzen Stadt. Dort fährt der Oberbürgermeister genauso mit dem Rad wie Studenten. Mit dem Fahrrad werden mehr als ein Drittel der Wege erledigt. In Aachen kamen Radfahrer 2011 auf elf Prozent, in Röttgen in der Eifel 2011 nur auf drei Prozent.

  • Warum gibt es einen solchen Hype ums Rad?

Umstieg auf E-Bike - das ist zu beachten FOTO: dpa, loe

Weil dieses Fortbewegungsmittel mehr bietet als Freizeitspaß. Und Abhilfe sein könnte gegen das tägliche Versinken im Autostau. Der Radschnellweg RS 1 im Ruhrgebiet wird nicht ohne Grund "A 40 für Fahrradfahrer" genannt.

Das Angebot richtet sich vor allem an Pendler. Vermutlich werden aber nur wenige über lange Distanzen unterwegs sein: "Bei etwa 15 Kilometern ist die Grenze der meisten erreicht", meint der Verkehrsforscher Prof. Jürgen Gerlach.

  • Kann man das Auto durch das Rad ersetzen?

Oft. Denn über die Hälfte aller Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Da ist das Fahrrad eine geräuschlose und abgasfreie Alternative. Wenn im Stauland NRW zumindest bei schönem Wetter einige Fahrten mehr auf den Radweg verlagert werden, sei schon einiges gewonnen, meinen Experten.

Die zehn beliebtesten Radwege Deutschlands 2017 FOTO: Monkey Business Images/ Shutterstock.com
  • Drückt sich die neue Wertschätzung in Geld aus?

Nicht wirklich. Gemessen am Verkehrsanteil von zwölf Prozent ist der Anteil für Fahrräder am Verkehrsbudget des Bundes sehr gering. Das Land NRW finanziert etwa Radschnellwege. Der Landesbetrieb Straßen.NRW, eigentlich zuständig für Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, plant nun Radschnellwege. Dafür wurde Ende 2016 das Gesetz geändert.

  • Was ist ein Radschnellweg?

Eine Art Autobahn für das Rad: Jede Richtungsbahn ist zwei Meter breit. Fußgängerwege verlaufen getrennt. Es gibt möglichst wenig Kreuzungen, wenig Steigungen sowie Hinweisschilder für Nah- und Fernziele. Im Winter werden Schnee und Eis beseitigt. Ein Kilometer Radschnellweg kostet zwischen 0,5 und zwei Millionen Euro.

Auf dem Rad die Donau entlang FOTO: dpa, nau
  • Welche Schnellwege soll es geben?

In NRW sind derzeit sieben in Planung. Auf dem RS1, dem Radschnellweg Ruhr, sind die Arbeiten schon weit. Elf Kilometer von der Universität in Essen bis zum Bahnhof in Mülheim sind befahrbar. Wenn der RS1 fertig ist, soll er 101 Kilometer lang sein und quer durch das Ruhrgebiet führen. Alle Kriterien erfüllt schon die "Nordbahntrasse" in Wuppertal, auch wenn sie offiziell kein Radschnellweg ist.

  • Was tun die Städte?

In Düsseldorf ist ein grüner Pfeil fürs freie Abbiegen im Gespräch. Nach der Verlagerung einer Straßenbahnstrecke unter die Erde wurde die freie Spur für Räder umgestaltet. Im Umweltministerium gibt es Duschen für Fahrrad-Pendler.

Köln und Frankfurt, sagt Verkehrs-Experte Gerlach, hätten den Parkraum an der Straße deutlich teurer gemacht als den in den oft leerstehenden Parkhäusern: gut gegen zugeparkte Straßenräume.

- Geplante Radschnellwege NRW

- Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte

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(csr/lnw)
 
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