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Eurobike 2016
Technik, Stil und Sicherheit - Trends der Radbranche

Eurobike 2016 - das sind die Trends der Fahrradmesse
Eurobike 2016 - das sind die Trends der Fahrradmesse FOTO: dpa, kjh gfh frk
Friedrichshafen . Die Eurobike am Bodensee ist so etwas wie die Leitmesse für Radfahrer. Und man kann dort ganz klar beobachten: Fahrradfahren boomt - nicht zuletzt wegen der starken Pedelec-Verkaufszahlen. Was es neben E-Bikes noch an Trends rund ums Fahrradfahren gibt, zeigt unser Messerundgang.

E-Bikes sind nach wie vor der große Trend in der Fahrradbranche. Selbst Mountainbikes bekommen inzwischen einen elektronischen Antrieb.

Welche Trends es in der kommenden Saison außerdem gibt, zeigt die Fahrradmesse Eurobike (Publikumstage: 3. und 4. September) in Friedrichshafen am Bodensee. Denn auch in den Bereichen Sicherheit, Nachhaltigkeit und Stil gibt es einiges zu sehen.

Vor allem mit technischen Neuerungen wollen Unternehmen Fans auf die Räder locken. Die amerikanische Marke Sram zeigt beispielsweise ein neues Schaltsystem für Mountainbikes.

Eurobike 2016 - E-Bikes & Pedelecs - das sind die neuen Modelle 2017 FOTO: Hersteller

Die Räder haben nur noch ein Kettenblatt vorne, dafür aber ein sehr großes Ritzelpaket hinten mit bis zu 50 Zähnen. Dadurch reduziere sich insgesamt die Zahl der Gänge am Rad, sagt der Sprecher Elmar Keineke. "Man kann dadurch intuitiver schalten und sich eher aufs Fahren selbst konzentrieren."

Der schwäbische Hersteller Pinion verspricht dagegen eine Getriebeschaltung, die auch bei Schnee, Sand oder Schlamm einwandfrei funktionieren soll. Zudem sei das Getriebe verschleißfrei und brauche nur alle 10 000 Kilometer einen Ölwechsel.

Vernetzte Bike-Computer

Eurobike 2016 - mit diesen Neuheiten wird Fahrradfahren sicherer FOTO: Hersteller

Gut vernetzt ist man mit neuen Bike-Computern: Die zeigen nämlich nicht mehr nur die zurückgelegte Strecke oder die Geschwindigkeit an. Viele neue Modelle - beispielsweise der Rox GPS 11.0 von Sigma - verbinden sich auch mit sozialen Netzen wie Strava oder mit speziellen Fahrrad-Apps. Der Fahrer könne sich dadurch nicht mehr nur mit sich selbst messen, sondern auch mit anderen Radlern, sagt Sigma-Sprecher Nasrin Shakkeh.

Das französische Unternehmen Cycles Lapierre wiederum treibt Mountainbikes elektronisch an: Der Akku werde direkt auf den Motor am untersten Punkt des Rahmens angesetzt - dadurch verlagere sich der Schwerpunkt in die Mitte, und das Rad sei auf allen Terrains sehr wendig. Da das Fahrwerk aus Carbon hergestellt wird, verringere sich zudem das Gewicht um 600 Gramm.

Mountainbikes mit Elektromotor sind generell im Trend: Kaum ein anderes Segment im Fahrradmarkt sei gegenwärtig so dynamisch, sagen Branchenexperten. Auch sportliche Radfahrer suchten zunehmend die Unterstützung durch einen Motor, heißt es beispielsweise beim Handelsverband Zweirad (VDZ).

Eurobike 2016 - Trends bei Fahrrädern - von Packesel bis E-Mobil FOTO: dpa, kaz sir

Aber auch beim Thema Sicherheit gibt es Neuheiten: Vor allem die Sichtbarkeit wollen viele Hersteller erhöhen. So hat beispielsweise Lumen Labs einen Helm entwickelt, an dem LEDs installiert sind. Sie sollen die Funktion von Brems- und Abbiegelichtern übernehmen. Der Vorteil sei, dass die Lichter in einer Höhe leuchten, die von Autofahrern gut erkennbar sei, heißt es bei dem Hersteller.

Viele Fahrradleuchten in Deutschland nicht erlaubt

Das Unternehmen Playbike hat dagegen ein System entwickelt, das zeigen soll, wie breit das Fahrrad ist. Die Leuchten werden außen am Lenker montiert und sollen unter anderem rote Linien auf den Boden projizieren, die die Breite angeben.

Eurobike 2016 - Transport-Innovationen fürs Fahrrad FOTO: Hersteller

Experte Gunnar Fehlau vom Branchendienst Pressedienst Fahrrad (pd-f) ist allerdings skeptisch, ob solche neuen Systeme auch in Deutschland zum Einsatz kommen können. "Der deutsche Gesetzgeber hat eine sehr strikte Regelung für die Beleuchtung."

Mitunter gebe es Lösungen von Unternehmen, die sehr spannend seien - aber in Deutschland schlicht nicht erlaubt. "Ich darf zum Beispiel nichts Blinkendes fest montieren", sagt Fehlau. "Ich kann das am Helm oder Rucksack haben, aber am Rad brauche ich konstantes Licht."

Ohne ein Thema geht es auch auf der Eurobike nicht: Nachhaltigkeit. Das Pedal der taiwanesischen Firma Chien King Industriel wird beispielsweise aus einem Abfallprodukt der Reisindustrie hergestellt - den sogenannten Spelzen.

Eurobike 2016 - neue Kinder- und Jugendräder FOTO: Hersteller

Das Material sei widerstandsfähig und ersetze das Plastik als Hauptkomponente, heißt es bei dem Unternehmen. Andere Firmen setzen auf das Radfahren generell als nachhaltiges Modell. So will beispielsweise das Unternehmen JobRad mehr Menschen vom Dienstwagen zum Dienstfahrrad bringen - per Leasing.

Die Idee dahinter: Der Arbeitgeber schließt einen Rahmenvertrag mit der Firma ab, und die monatliche Leasingrate wird dem Mitarbeiter vom Gehalt einbehalten. Der Arbeitgeber könne zudem durch einen Zuschuss noch weitere Anreize schaffen, sagt Geschäftsführer Ulrich Prediger.

"Der Radweg ist der neue Laufsteg"

Und nicht zuletzt ist auch beim Radfahren das Äußere wichtig: Der Hersteller Garneau wirbt beispielsweise mit einem Sport-Outfit, mit dem man nicht nur radeln, sondern auch Tennis spielen, joggen oder einen Stadtbummel machen kann. Das mische sich alles, sagt Fehlau.

"Selbst der Alltagsradler sagt: Vom Rennrad- oder Mountainbike-Fahren kenne ich funktionelle Kleidung, die will ich im Alltag auch haben. Aber sie soll nicht nach Fahrrad aussehen, sondern schick sein." Zugespitzt würde er sagen: "Der Radweg ist der neue Laufsteg."

(csr/dpa)
 
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