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Radserie 2017
Mit dem Lastenfahrrad das Rad neu erfunden

Radserie 2017: Mit dem Lastenfahrrad das Rad neu erfunden
Das Lastenrad "Schicke Minna" kann in dem Düsseldorfer Fahrradgeschäft "Schicke Mütze" kostenlos ausgeliehen werden. Kerstin Kortekamp ist Mintinhaberin des Ladens und hatte die Idee zu dem Projekt. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Ob Paketzusteller, Handwerker oder Eltern, die ihre Kleinen in die Kita bringen - wer mit einem Lastenrad unterwegs ist, reduziert den Stadtverkehr und schont die Umwelt. Lediglich an vernünftigen Radwegen mangelt es vielerorts noch. Von Saskia Nothofer

Städte mit nur 150 Pkw pro 1000 Einwohner: Diese Vision des Umweltbundesamts könnte mit Hilfe von Lastenrädern vielleicht irgendwann zur Wirklichkeit werden. Denn immer mehr Familien, Lieferdienste und auch Handwerksbetriebe steigen vom Auto auf das Lastenfahrrad um.

Fast ausschließlich in Dänemark hergestellt, erobern die praktischen Räder europaweit die Metropolen. In Düsseldorf etwa flitzt die "Schicke Minna" durch die Straßen. Finanziert von der Verkehrswacht Düsseldorf, bietet der Fahrradladen "Schicke Mütze" das Lastenrad seit rund einem Jahr kostenlos zur Ausleihe an.

"Die Leute sind begeistert", sagt Carsten Wien, Mitinhaber des Ladens in der Talstraße. "Es wird ganz unterschiedlich genutzt: für Umzüge, Einkäufe, Kindergeburtstage oder auch als Hochzeitskutsche." Rund jeden dritten Tag sei die "Minna" unterwegs, im Sommer tendenziell mehr als im Winter.

Eurobike 2016 - Transport-Innovationen fürs Fahrrad FOTO: Hersteller

Lastenräder sind teuer in der Anschaffung

Wer das Lastenrad nicht nur mieten, sondern kaufen möchte, muss für ein herkömmliches Modell rund 2500 Euro zahlen, für die Elektroversion rund 6500 Euro. "Am Preis scheitert die Anschaffung meist noch", sagt Daniel Wegerich, Geschäftsführer des ADFC NRW.

Langfristig werde aber angestrebt, dass Familien auf ein zweites Auto verzichten und stattdessen auf ein Lastenrad setzen. "Denn das verringert den Verkehr und schont die Umwelt", so der Geschäftsführer.

Bei vielen Unternehmen gehören Lastenräder schon zum Alltag. Der Paketzusteller GLS etwa liefert in Düsseldorf, Dortmund, Darmstadt, Nürnberg und Hamburg seit wenigen Monaten mit Elektrolastenrädern aus.

Eurobike 2017 - Fahrräder, E-Bikes & Pedelecs - die neuen Modelle 2018 FOTO: dpa, lix fgj mau wie

Die Pakete werden dafür zu einem zentralen Paketshop gebracht und von dort aus in die Haushalte transportiert. "Mit jedem weiteren Lastenfahrrad kommen wir unserem Ziel, die Paketlogistik noch ressourcenschonender zu betreiben, einen kleinen Schritt näher", sagt Martin Seidenberg, Vorsitzender der GLS-Geschäftsführung. Auch die Zustellerdienste DHL, DPD und TNT testen die Lieferung mit dem Lastenrad anstelle des Sprinters.

Dieselfahrverbote machen die Räder für Handwerker interessant

"Mit dem drohenden Dieselfahrverbot in Innenstädten suchen auch immer mehr Handwerksbetriebe nach alternativen Mobilitätskonzepten", erklärt Peter Scharfenberg, Fachreferent für Klimaschutz und Energiemanagement bei der Düsseldorfer Handwerkskammer.

Zwar befinde sich die Nutzung von Lastenrädern noch in der Entwicklung, das Interesse der Betriebe wachse aber. Tischler Dirk Schmidt, Inhaber des Ateliers für Holzbearbeitung in Flingern, nutzt die Räder schon seit einigen Jahren.

"Die Lastenräder eignen sich wunderbar für kleinere Reparaturen, bei denen nicht viel Material benötigt wird", so der Tischler. Durch seine Lastenräder spare er viel Zeit und Geld. "Ein entscheidender Vorteil ist zudem, dass ich problemlos vor der Haustür der Kunden parken kann."

Fahrräder - das sind die beliebtesten Typen in Deutschland FOTO: dpa, rj pzi max wst

Infrastruktur für Lastenräder muss noch angepasst werden

Um mehr Lastenräder auf die Straßen zu bringen und so die Emissionsbelastung in den Innenstädten zu senken, muss die Infrastruktur für Fahrräder allerdings noch erheblich verbessert werden. "Da ist noch viel Luft nach oben", sagt eine Sprecherin vom Verbund Service und Fahrrad (VSF).

Denn die Lastenräder passen zwar auf herkömmliche Fahrradwege, überholen ist dann aber nicht mehr möglich. Wünschenswert seien laut der Sprecherin daher mehrspurige Fahrradwege. Und auch bei den Abstellmöglichkeiten gebe es Aufholbedarf: Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen etwa böten Witterungsschutz und schützten vor Diebstahl.

Stimme die Infrastruktur, gelte auch die Ausrede, das Rad sei zu schwer und die zu fahrende Strecke zu steil und zu anstrengend, nicht mehr. "Dafür gibt es ja die Modelle mit Elektromotor", so die VSF-Sprecherin. Und auch die Sicherheit käme bei den Lastenrädern nicht zu kurz. Das Tragen eines Helms sei natürlich generell ratsam, die Lastenräder seien zudem aber auch mit Anschnallgurten für Kinder ausgestattet.

Neben der "Schicken Minna" wird bald auch die "Schicke Ulla" durch Düsseldorf fahren. Auch sie kann kostenlos ausgeliehen werden. "Es wäre toll, wenn es bald noch mehr gibt", hofft Carsten Wien.

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Quelle: RP
 
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