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Hooligan-Bike

Vor über 20 Jahren war die Speed Triple eines der ersten Streetfighter-Modelle. Jetzt gibt es eine neue Variante des Hooligan-Bikes: radikaler, stärker, souveräner als zuvor. Von Peter Ilg

Die Speed Triple von Triumph unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von anderen Naked-Bikes. Ihr Design ähnelt einem vollverkleideten Super-Bike, bei dem die Verkleidung weggesprengt wurde. Übrig blieb ein Motorrad mit markanten Doppelscheinwerfern, dem Erkennungsmerkmal. Und freiem Blick auf den Dreizylinder-Motor mit 1050 Kubikzentimetern. Der Drilling ist ein technisch idealer Kompromiss zwischen Zwei- und Vierzylinder: Er liefert bei niedrigen Drehzahlen ein sattes Drehmoment ähnlich einem Zweizylinder und schafft vergleichbar hohe Drehzahlen wie ein Vierzylinder.

1994 stellte die englische Traditionsmarke Triumph die Speed Triple vor. Sie gehörte zu den ersten serienmäßig produzierten Streetfighter-Modellen. Deren Kennzeichen ist eine aggressive, unverkleidete Optik. Im Laufe der Jahre folgten mehrere Updates, zuletzt 2010. Fünf Jahre lief die Speed Triple der Konkurrenz hinterher. Die trumpfte mit PS-protzenden und elektronikbepackten Naked-Bikes auf. Die Verkaufszahlen der altbacken und lahm daherkommenden Triumph sackten ab. Sie war optisch, technisch und leistungsmäßig nicht mehr wettbewerbsfähig. Fans der "Speedy", wie die Triple in Szene-Kreisen genannt wird, befürchtete schon den Niedergang der Modellreihe. Dabei haben sie die distanziert zurückhaltende Art der Engländer nicht berücksichtigt. Die handeln eher wohlüberlegt, anstatt plötzlich loszurennen.

Das Warten hat sich gelohnt, wenngleich die Neue völlig unbritisch ist. Mit der neuen Speed Triple hat Triumph ein verdammt cooles Bike auf die Räder gestellt. Technisch ist es nun State of the Art, optisch radikal, der Motor bärenstark.

Die Speed Triple ist kompakt und hochbeinig gebaut. Sie wirkt athletisch, die Sitzposition ist sportlich. Weil die Fußrasten hinten liegen, fällt der Oberkörper nach vorne. Das Motorrad gibt es in den Versionen S und R. Den wesentlichen Unterschied machen an der R hochwertige Komponenten aus wie ein verstellbares Fahrwerk von Öhlins und optische Elemente wie Karbon-Anbauteile. Den Motor regelt eine elektronische Drosselklappensteuerung (Ride-by-Wire) und es gibt fünf veränderbare Fahrmodi: Regen, Straße, Sport, Rennen und einen individuell programmierbaren Modus.

Wir sind die R gefahren: Der Drilling klingt klangvoll und volltönend tief aus den beiden hochgezogenen Auspuffrohren am Ende der Sitzbank. Bullig geht es aus dem Keller bis zu 10.000 Umdrehungen, ohne dass sich der Motor eine Verschnaufpause gönnt. Das ist beeindruckend und berauschend.

Der Fahrtmodus lässt sich während der Fahrt ändern und dadurch Straßenverhältnissen, Wetter und Fahrstil anpassen. Ein Drücker auf den Schalter am linken Lenker genügt, Kupplung ziehen und die Fahreigenschaften verändern sich spürbar. Mit der Motorsteuerung ändert sich beim Wechsel des Fahrmodus automatisch das Ansprechverhalten von ABS und Traktionskontrolle. Was fehlt ist eine elektronische Abschaltung des Blinkers. Das ist heute Standard, weil das Dauerblinken gefährlich ist. Außerdem sollte ein Schaltautomat in einer R-Variante zur Serienausstattung gehören. Knapp 500 Euro verlangt Triumph für das Nachrüsten.

Die Speed Triple ist kein Motorrad für die lange und zügige Tour auf Autobahnen. Dafür fehlt ihr der Windschutz. Ab 180 Sachen wird es ungemütlich. Da zerrt der Wind am Helm und an den Nackenmuskeln. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist daher ein rein theoretischer Wert. Aber bis 180 macht die "Speedy" Laune auf kurvigen Landstraße. Das ist ihr Terrain, dafür wurde sie erschaffen.

Das Fahrwerk ist die Krönung an dem Bike, was sicher an den Edelkomponenten von Öhlins liegt. Die Dämpfung in der Vorderradgabel und im Zentralfederbein arbeitet zuverlässig und souverän. Das Fahrwerk vermittelt Sicherheit in jeder Situation.

Quelle: RP
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