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Lautlose Revolution

Wer sich mit Elektroautos beschäftigt, kommt an Tesla nicht vorbei. Der US-Hersteller ist nicht nur bei der Reichweite Maß aller Dinge. Gründer Elon Musk will auch beim automatisierten Fahren Vorreiter sein - ohne die Werbetrommel zu rühren. Von Markus Wasch

TV-Spots: gibt es nicht. Kampagnen in Zeitschriften: Fehlanzeige. Riesige Werbetafeln: nicht mit Tesla. Das US-Unternehmen um Gründer Elon Musk schaltet keine Werbung. Punkt. Still und leise revolutioniert der Hersteller von Elektroautos die Branche. Zwischen Januar und Oktober 2015 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 1212 Exemplare des Model S verkauft. Alle Elektrofahrzeuge zusammen brachten es gerade mal auf 9071 Verkäufe. Seit Anfang des Monats ist Tesla mit einem Showroom im Kö-Bogen auf der Düsseldorfer Königsallee vertreten.

Was Tesla von anderen Herstellern unterscheidet, ist die wesentlich größere Reichweite. 400 Kilometer schafft das Model S mit einer Ladung. Zum Vergleich: Der BMW i3 kommt auf bis zu 160, der VW E-Golf auf etwa 150 Kilometer. Mit dem neuen Model S P90D geht Tesla jetzt noch einen Schritt weiter in die automobile Zukunft. Im Fahrzeugboden ist jetzt eine 90-kWh-Batterie mit sechs Prozent mehr Reichweite verbaut. Die 800 Kilogramm Gewicht der Lithium-Ionen-Akkus pressen die 2,2 Tonnen schwere Limousine auf die Straße. Umkippen: unmöglich. Und das ist auch gut bei 539 PS verteilt auf Vorder- und Hinterachse, 967 Newtonmeter Drehmoment und einem Sprint von null auf 100 km/h in glatten drei Sekunden. Wahnsinn! So nennt der Hersteller passenderweise auch den Fahrmodus, der sogar einen Porsche 911 Turbo S (3,1 Sekunden) stehen lässt. Doch der Spaß hat seinen Preis: das Model S P90D startet bei 115.000 Euro.

Tesla will künftig auch Taktgeber für das automatisierte Fahren sein. Ein neues Update, das für alle Exemplare des Model S gilt, die seit Oktober 2014 gebaut wurden, lässt erahnen, wie die Zukunft aussehen könnte. Denn neben Spurhalteassistent, Tempomat und Abstandhalter kann das Model S selbstständig die Fahrspur wechseln. Blinker setzen, Lenkrad antippen, und der Wagen fädelt sich - sofern die Fahrbahn frei ist - automatisch ein. Möglich macht das laut Tesla das "einzige voll integrierte System mit vier verschiedenen Rückmeldungs-Modulen: Kamera, Radar, Ultraschall und GPS". Die neue Software wird per WLAN heruntergeladen. Der Fahrer kann dabei zuhören, während sich einzelne Teile im Inneren des Wagens bewegen. Durch das Update wird das Model S zum einzigen Auto, das nach dem Kauf noch besser wird.

Optisch hebt sich das Model S ebenfalls von der Konkurrenz ab. Die geschwungene Coupéform erinnert noch am ehesten an Jaguar. Die Designer haben aber etwas ganz Eigenes geschaffen: edel, minimalistisch, sportlich. Dieser Eindruck setzt sich im Innenraum fort. Auf Bedienelemente wie Knöpfe oder Regler wird so weit es geht verzichtet, damit die geschwungene Linienführung voll zur Geltung kommt. Lüftung, Sonnendach, Radio und Co. werden über das 17 Zoll große Display bedient. Auch die Luftfederung, die den Wagen per GPS auf Wunsch immer an der gleichen Stelle absenkt oder anhebt.

Doch wie alle Elektrofahrzeuge hat auch das Model S mit einer großen Schwierigkeit zu kämpfen: dem Ladevorgang. Rund 50 sogenannte Supercharger gibt es deutschlandweit, an denen die Modelle von Tesla ein Fahrzeugleben lang kostenfrei aufgeladen werden können. In der Region befinden sich die nächstgelegenen in Moers und am Kamener Kreuz. Rund 45 Minuten dauert ein kompletter Ladevorgang am Supercharger. An einer Ladesäule mit 32 Ampere sind es dagegen rund vier Stunden, bei 16 Ampere acht Stunden. Bei einem Preis von 28 Cent pro Kilowattstunde kostet eine volle Ladung (rund 100 kWh) somit rund 28 Euro. Wer längere Touren plant, muss seine Route an den Tesla-Ladesäulen orientieren. Und nicht zu oft dem "Wahnsinn" verfallen. Sonst muss die Elektro-Limousine noch schneller zurück an die Steckdose.

Quelle: RP
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