| 08.32 Uhr
SUV-Ausblick auf dem Pariser Salon
Audi präsentiert das Crosslane Coupe
Pariser Salon 2012: Das ist Audis Crosslane Coupe
Pariser Salon 2012: Das ist Audis Crosslane Coupe FOTO: Hersteller
Paris. Auf der Pariser Automesse präsentieren die Ingolstädter ein Concept-Car, das seiner Bezeichnung gerecht wird: Das Crosslane Coupe ist die Blaupause für Antriebs-, Leichtbau- und vor allem Designkonzepte, die zumindest alle Modelle der Q-Reihe in den nächsten Jahren prägen werden. Von Peter Weissenberg

Die Zukunft ist offensichtlich: Wer auf dem Pariser Autosalon erstmals vor dem Concept-Car Crosslane Coupe steht, dem fallen sofort zwei schmale Öffnungen in der Motorhaube auf. Und wer dort hineinblickt, der sieht den oberen Aluminiumträger im tragenden Rahmen des kompletten Fahrzeugs. Dieser Einblick erfüllt damit gleich zwei Zwecke: Die Öffnung ist ein starker Akzent, der einen Ausblick darauf gibt, wie sich das Audi-Design weiterentwickeln soll – und der Blick auf den Hightech-Leichtbaurahmen demonstriert dem Betrachter den Anspruch der Ingolstädter: Vorsprung durch Technik nämlich.

Kritiker haben Audi in der letzten Zeit zuweilen vorgeworfen, die Marke sei inzwischen optisch ein bisschen zu sehr in sich ruhend. A4, A6, A8, Q3 oder Q5 würden oftmals wie Mehrlinge aussehen und nicht wie größere oder kleinere Brüder. Auch die Design-Unterschiede zwischen den Modellgenerationen seien zu klein. Den Kunden allerdings gefällt es, wie die Verkaufszahlen belegen.

Teil des technischen Fortschritts

Das Crosslane Coupe zeigt aber, dass die Designer um ihren Chef Wolfgang Egger durchaus Handlungsbedarf sehen – und den auch auf in ihrem Ausblick auf ein so genanntes Sports-Activity-Vehicle eingearbeitet haben. Kompakte 4,21 Meter lang, mit 2,58 Meter Radstand, 1,51 Meter hoch und 1,88 Meter breit: Ein Q2 hätte wohl solche Ausmaße. Auf diesem Raum haben die Designer der Gestaltung aber gleich auch eine neue Bedeutung gegeben: Sie soll den technischen Vorsprung nicht nur dokumentieren – sondern ein Teil davon sein.

Besonders spektakulär gelingt das beim Kühlergrill, im Audi-Sprech Singleframe-Grill genannt. Der ist nämlich nicht mehr allein Lufteinlass für den Kühler und Wappenzeichen mit Überholprestige. Der Grill, ganz aus Aluminium gefertigt, ist vielmehr als mittragendes Teil direkt in die Fahrzeugstruktur des Crosslane integriert, den Space-Frame also.

Ähnliche Einblicke auf diese Leichtbau-Struktur gibt es übrigens am Türeinstieg – und auch da ist er kein Mätzchen. Denn der ultrakompakte Space-Frame, der übrigens aus einem Mix von Alu, Kohle- und Glasfaserverstärkten Kunststoffen besteht, ermöglicht einen wesentlich tieferen und bequemeren Einstieg in den Fahrgastraum, als das üblicherweise bei SUV der Fall ist.

Wobei: Der Crosslane Coupe will ja sowieso mehr als nur ein SUV sein. Crossoverall sozusagen für ein großstädtisches und freizeitorientiertes Publikum, das Sportlichkeit mit robustem Auftritt sowie Praktikabilität und das alles wiederum mit der Luftigkeit eines Cabrios verbinden will. Darum hat das Concept-Car ein herausnehmbares Targa-Dach – aus zwei zusammen nur zehn Kilo leichten CFK-Schalen. Die lassen sich per Tastendruck entriegeln und über dem Kofferraum einklinken.

Futuristischer Gepäckraum

Ebenso praktisch wie futuristisch ist auch der Gepäckraum: eine separate Wanne in der Karosseriestruktur, der die Lehnen der Frontsitze integriert – aber nicht die Sitzkissen davor. Auf Knopfdruck fährt die ganze Einheit 40 Zentimeter elektrisch nach vorn; das eingerastete Dach bekommt dadurch zugleich seine Endposition, in der das Gepäck geschützt wird. Und darunter wird eine weitere Ebene zugänglich, die flache, aber schmutzige Gegenstände schützt.

Überhaupt dominiert im 2+2-Sitzer das Bestreben, die optische Grenze zwischen Außen- und Innendesign verschwimmen zu lassen. Auch das Interieur wird darum vom Leichtbau-Kunststoff CFK beherrscht, die Geometrie folgt den äußeren Formen und Linien und setzt sie mit der Audi-typischen Besessenheit zu superexakten Spaltmaßen in der Verarbeitung um.

Die Leichtbau-Optimierung hat einen beeindruckenden Effekt: Der ganze Wagen wiegt nicht einmal 1.400 Kilo – und das inklusive der Lithium-Ionen-Batterieeinheit. Denn natürlich repräsentiert der Crosslane auch beim Antrieb Audis Bestreben, wieder in der Spitzengruppe mitzuspielen. Dazu müssen wir Autofahrer eine neue Abkürzung lernen: DHEV  steht für Dual-Mode Electric Vehicle – und das bedeutet ein Verbrennungsmotor, zwei Elektromotoren, ein einstufiges Geriebe. 177 PS leistet der Plug-in-Hybride.

Der neue Antrieb funktioniert so: Der Dreizylinder-Benziner mit 122 PS ist mit der dem ersten E-Motor verbunden, der nur bescheidene 68 PS leistet. Das ist aber Kraft genug, um als Starter und Generator zu fungieren. Elektromotor Nummer zwei übernimmt die Traktionsaufgabe - mit 116 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment in der Spitze. Das Einganggetriebe koppelt nun diese Motoren je nach Bedarf optimal zusammen. In der Stadt und bis 55 km/h arbeitet meist nur Elektromotor Zwei emissionsfrei – die beiden anderen Motoren springen nur darüber hinaus bei, der Verbrenner speist dabei lediglich die Batterie.

Die Kraft der drei Herzen

Bei höheren Geschwindigkeiten und bis circa 130 km/h teilen sich in der Regel E-und Benzinmotor die Arbeit. Wenn es noch schneller gehen soll, werkelt vor allem der 1,5-Liter-Dreizylinder. In allen Modi soll es dabei durchaus sportlich zugehen. Selbst rein elektrisch ist der Sprint auf 100 km/h in 9,8 Sekunden erreicht – mit Benziner-Hilfe soll es noch mal 1,2 Sekunden schneller gehen. Und auch im wichtigen Überholbereich von 80 bis 120 garantiert die Kraft der drei Herzen 4,3 Sekunden schnelle Beschleunigungen.

Der Vorsprung, den die Audi-Techniker dem Crosslane-Fahrer versprechen, soll aber vor allem an der Zapfsäule messbar sein: 1,1 Liter im Drittelmix, mehr schluckt der Wagen laut Hersteller nicht – und 26 Gramm CO2 auf den Kilometer sind ebenfalls ein Bestwert.

Ganz viel Zukunfts-Konzept also soll der Crosslane für Audi leisten – und einen "Ausblick auf unsere Q-Modelle", so Konzernchef Rupert Stadler. Aber ein bisschen Show darf auf der Messe denn doch sein: Das Auto steht auf 20-Zoll-Rädern mit Felgen im Turbinendesign. 235er mit niedrigstem 45er-Querschnitt. Es muss ja auch nicht alles in die Serie kommen.

Quelle: sp-x/sgo/rm
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