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Neuer Motor bricht mit Tradition

Mit seinen Touring-Modellen 2017 wie der Electra Glide geht Harley-Davidson einen ganz neuen Weg. Der neue Milwaukee-Eight-Motor ist auch flüssigkeitsgekühlt. Das gab es in der 100-jährigen Geschichte der Marke bisher nicht. Von Peter Ilg

Den Kunden von Harley-Davidson ist es am liebsten, wenn alles bleibt, wie es ist. Bloß keine Veränderungen und schon gar nichts Modernes. So kam es zum großen Aufschrei in der Harley-Szene, als das Unternehmen einen, wenn auch nur teilweise, flüssigkeitsgekühlten Motor ankündigte - den Milwaukee-Eight.

In Milwaukee, im amerikanischen Bundesstaat Wisconsion, hat das Unternehmen seinen Sitz, und die Acht steht für vier Ventile pro Zylinder. Es ist der neunte Motor in der 114-jährigen Firmenhistorie. Schon daran sieht man die langen Modellzyklen der Marke. Der Neue setzt die Reihe der großvolumigen Big-Twins wie Knucklehead, Panhead und dem aktuellen Twin Cam fort. Bei allen Motoren handelt es sich um einen V2 mit untenliegender Nockenwelle, dessen Zylinder in einem Winkel von 45 Grad zueinander stehen. Das ist das Prinzip der Big-Twins von Harley seit 1909. Mit der bislang reinen Luftkühlung wurde nun gebrochen. Das war abzusehen, weil der alte Motor die neue Euro-4-Norm nicht geschafft hätte.

Der Milwaukee-Eight ist für Harley-Davidson ein gewaltiger Technologie-Sprung. Es gibt ihn in zwei Hubraumkategorien mit 1745 und 1868 Kubikzentimetern. Das Kühlsystem des Motors nennt Harley-Davidson explizit "Twin Cooled" - um prinzipiell an der Luftkühlung festzuhalten. Doch das stimmt nicht mehr so ganz. Denn im neuen Motor ist der Auslassbereich im Zylinderkopf, eine thermisch hochbelastete Zone, flüssigkeitsgekühlt. Premiere hatte der Milwaukee-Eight in diesem Jahr in den Touring-Modellen. Dazu gehört die Electra Glide Ultra Limited. Sie ist das schwerste und zugleich teuerste Serienmotorrad auf dem Markt. 414 Kilogramm wiegt der Elefant auf zwei Rädern und kostet in der Basisversion 29.795 Euro. Das Bike liebt man oder man hasst es. Ein bisschen von beidem geht nicht, denn viel zu präsent ist der Auftritt dieses Motorrads. Übersehen? Unmöglich!

Reisemaschinen haben das Image der Marke geprägt. Harley steht für Abenteuer und Freiheit - auf der Straße und im Kopf. Die Electra Glide wurde als Tourer entwickelt, um ihre Passagiere auf den amerikanischen Interstate Highways lässig und entspannt durch die Weiten Amerikas zu kutschieren - das allein ist ihre Bestimmung. Die Electra Glide ist ein komfortables Reisemotorrad. In diesem Segment ist sie ein Fünf-Sterne-Cruiser. Wer sich also darüber beklagt, dass die Maschine auf schmalen, kurvigen Nebensträßchen keinen Spaß macht, hat Recht, sich aber aufs falsche Motorrad gesetzt. Denn dafür wird sie nicht gebaut.

Die Batwing-Verkleidung schützt den Oberkörper vor Wind und Wetter. In den Beinschildern wird das Kühlwasser gekühlt. Das Infotainment-System ist üppig ausgestattet: ein Farb-Touchscreen, der sich zuverlässig mit Handschuhen bedienen lässt, ein Navigationssystem und eine Musikanlage mit rundum Lautsprechern. Der Sattel ist ein abgestuftes Ledersofa für zwei mit Sitzheizung als Sonderausstattung. Der Fahrer sitzt tiefer, der Sozius thront über ihm, rechts und links gestützt von Seitenwangen, hinten von einer hohen Rückenlehne. Bequemer geht das Mitfahren kaum.

Die Lenkergriffe sind beheizbar, das Koffersystem auf dem Gepäckträger und an den Seiten Serienausstattung. Die Koffer haben ein Volumen von 132 Liter - das reicht für zwei bis vier Wochen. Und die 23 Liter Tankfüllung für etwa 350 Kilometer am Stück. Die Beine stehen auf Trittbrettern, geschaltet wird über eine Wippe. Die Geschwindigkeit kann elektronisch geregelt werden.

In der Ultra-Limited-Version hat der Motor einen Hubraum von 1745 Kubikzentimetern, er leistet 91 PS. Der Motor hat die Kraft eines Diesels. Mit dem schweren Gewicht der Maschine kommt der Motor leicht klar. Das Triebwerk passt perfekt zu diesem Reisemotorrad. Der hohe Kaufpreis relativiert sich rasch, wenn man den Wiederverkaufswert mit berücksichtigt: Denn der ist bei einer Harley mitunter höher als der Neupreis. Mit dem Motorrad hat Harley-Davidson alles richtig gemacht. Es erfüllt seine Aufgabe perfekt: nämlich ein komfortables Reisemotorrad sein.

Quelle: RP
 
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