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Neue Vorwürfe
ADAC-Präsident nutzte Rettungshubschrauber für Reisen

ADAC-Präsident Peter Meyer nutzte Rettungshubschrauber für Reisen
Mit dem Rettungshubschrauber zu Terminen: Peter Meyer. FOTO: dpa, Oliver Krato
Hamburg. Mitglieder des ADAC-Präsidiums haben die gelben Rettungshubschrauber des Autoclubs für Dienstreisen genutzt.

Eine Sprecherin des ADAC bestätigte am Freitag einen Bericht des Magazins "Stern" und sagte, solche Flüge seien in den vergangenen zehn Jahren "weniger als 30 Mal" vorgekommen. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft der "Welt" zufolge eine mögliche strafrechtliche Relevanz dieses Vorgehens.

Die Präsidiumsmitglieder hätten für dienstliche Angelegenheiten auf die Rettungshubschrauber zurückgegriffen, sagte die ADAC-Sprecherin. Dies sei aber "nur in Ausnahmefällen" der Fall gewesen.

"Keiner muss Angst haben, dass ein Rettungshubschrauber nicht zeitnah da sein konnte", betonte die Sprecherin. Von den insgesamt 51 Rettungshelikoptern des ADAC seien immer 15 Maschinen entweder in der Wartung oder stünden als Reserve zur Verfügung. "Es ist immer noch genug da, falls eine Maschine defekt ist und ausfällt."

Der "Stern" berichtete am Freitag in seiner Online-Ausgabe, ADAC-Vereinspräsident Peter Meyer habe einen Rettungshubschrauber genutzt, um schneller von einer Veranstaltung zur nächsten zu kommen. Unter Berufung auf einen Zeugen heißt es in dem Magazin, Meyer habe sich im Juni 2003 zunächst zum "Tag der Verkehrssicherheit" fliegen und direkt am Tagungsort am Hamburger Hafen absetzen lassen. Wenige Stunden später habe er sich von dem auf ihn wartenden Hubschrauber zu einer weiteren Veranstaltung ins rund 240 Kilometer entfernte Wolfsburg fliegen lassen.

Hubschrauberflüge zur Senkung der Fixkosten

Der Autoclub erklärte dazu, die Mitglieder seines Präsidiums seien "als offizielle Organe dazu berechtigt, für dienstliche Anlässe bei Verfügbarkeit ausschließlich auf Reservemaschinen der Luftrettung zurückzugreifen". Wenn die Hubschrauber anders als für den Rettungsdienst verwendet würden, "tun wir dies im Rahmen unserer unternehmerischen Verantwortung zur Senkung unserer Fixkosten".

Die Rettungshubschrauber gehören zur gemeinnützigen ADAC-Luftrettung. Angeschafft werden sie nach Angaben der Sprecherin von der ADAC Luftrettung gGmbH. Die Rettungseinsätze werden mit den Krankenkassen abgerechnet, genauso wie Krankenwageneinsätze. Nutze das ADAC-Präsidium die Hubschrauber für Dienstreisen, werde dies dem Verein in Rechnung gestellt. Ob der Hubschrauber bei den genannten Fällen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln die günstigste Variante war, konnte die ADAC-Sprecherin nicht sagen. Eher werde der Hubschrauber genommen, wenn es "zeitlich anders nicht machbar" sei.

Da die ADAC-Luftrettung nicht kostendeckend arbeite, werde sie auch über Spenden und zu einem kleinen Teil durch Mitgliederbeiträge finanziert, sagte die Sprecherin. 2013 seien durch Spenden von Firmen, ADAC-Tochtergesellschaften und Privatleuten rund 3,5 Millionen Euro für die Luftrettung zusammengekommen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I sagte der "Welt", sie beziehe den neuen Sachverhalt "in die laufende Vorprüfung mit ein". Die Staatsanwälte prüfen bereits, ob wegen der Manipulation bei der Wahl des Autopreises "Gelber Engel" eine Straftat vorliegen könnte. Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte gestanden, bei der Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen die Teilnehmerzahlen verzehnfacht zu haben. Seine Posten legte er nach Bekanntwerden des Skandals nieder.

Lisa Paus von den Grünen kritisierte, eine "Zweckentfremdung von Ressourcen darf es nicht geben". Der ADAC setze den Vorteil der Steuerbefreiung aufs Spiel, der gemeinnützigen Vereinen gewährt werde.

(ots)
 
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