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MPU
Neue Regeln für den "Idiotentest"

Hintergrund: 15 Fragen aus dem "Idiotentest"
Hintergrund: 15 Fragen aus dem "Idiotentest" FOTO: shutterstock/ gwolters
Berlin. Verkehrsminister Alexander Dobrindt will die Medizinisch-Psychologische Untersuchung transparenter machen. Damit reagiert er auf Vorwürfe gegen den sogenannten "Idiotentest".  Von Jan Drebes und Eva Quadbeck

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will noch in dieser Wahlperiode die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) für Autofahrer reformieren. Für die Betroffenen sollen die Regeln transparenter und fairer werden. Im Volksmund spricht man auch vom "Idiotentest", den Autofahrer absolvieren müssen, die mit 1,6 Promille am Steuer erwischt wurden oder die notorisch zu schnell fahren.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Vorwürfe gegen die MPU: Diese sei für die Betroffenen nicht durchsichtig genug, es gebe keine Einspruchsmöglichkeiten gegen negative Entscheidungen, und auch das Geschäft rund um die MPU und ihre Vorbereitungskurse sei in Teilen nicht seriös. An diesen Kritikpunkten will die große Koalition nun ansetzen.

"Die Ziele der MPU-Reform lauten: mehr Qualität, Transparenz und Akzeptanz", sagte Dobrindt unserer Redaktion. Dobrindt verwies auf die Empfehlungen seiner Projektgruppe. "Standardisierte Tests, nachprüfbare Ergebnisse und bessere Informationen für die Betroffenen gehören dazu", betonte der Minister.

Er kündigte an: "Bis zum Ende dieser Legislaturperiode soll die Reform umgesetzt werden." Konkret will der Verkehrsminister ein klareres Regelwerk für die MPU schaffen, die Qualität der Vorbereitungskurse verbessern und für den MPU-Test einen einheitlichen Fragenkatalog entwerfen.

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Auch die Fachpolitiker der großen Koalition sehen Handlungsbedarf. "Wir brauchen für die MPU Klarheit, Transparenz und Einheitlichkeit", forderte Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU). "Die MPU sollte durch ausgewiesene Experten durchgeführt werden.

Eine Ombudsstelle könnte den Teilnehmern helfen, ihr MPU-Gutachten noch einmal zu überprüfen", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. Der Sozialdemokrat sprach sich auch dafür aus, mehr Klarheit durch Videoaufzeichnungen bei den entscheidenden Gesprächen zwischen dem Psychologen und dem Autofahrer zu schaffen. "Dann kann es die Möglichkeit zum Einspruch geben, und eine weitere Person entscheidet, ob das Gespräch nach den Grundsätzen abgelaufen ist, die wir aufstellen werden", sagte SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann.

ADAC fordert schon länger Reformen

Die Autofahrer-Lobby ADAC fordert schon seit Jahren Reformen. "In Deutschland muss es endlich ein Siegel für MPU-spezialisierte Verkehrspsychologen geben, damit sich Betroffene an geeignete Adressen wenden können", sagte ADAC-Verkehrsjurist Markus Schäpe.

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Jährlich müssen zwischen 90.000 und 100.000 Fahrer zur MPU. Der Grund ist in fast jedem zweiten Fall auffälliges Verhalten unter Alkoholeinfluss, bei 23 Prozent der Betroffenen führen Drogen- oder Medikamentenkonsum zum psychologischen Gespräch. Und in 16 Prozent der Fälle müssen Menschen zur MPU, die ohne Einfluss von Alkohol und Drogen verkehrsauffällig geworden sind.

Die Durchfallquoten bei der MPU sind mit rund 40 Prozent hoch. Zwar kann der Test wiederholt werden, aber für die Betroffenen ist er sehr teuer. Mit Vorbereitung, Urin- und Haarproben sowie dem eigentlichen Test belaufen sich die Kosten auf 1600 bis 2000 Euro.

Ein zentraler Kritikpunkt an der MPU sind auch die Geschäfte rund um den "Idiotentest". "Wir müssen den schwarzen Schafen der Branche das Handwerk legen", sagte Lühmann. Es gehe nicht, dass die Vorbereitung auf die MPU und die eigentliche MPU von verschiedenen Firmen für teures Geld durchgeführt würden, im Endeffekt aber in einer Hand lägen. Lühmann sprach sich auch für eine längere Vorbereitungszeit auf die MPU aus.

Hier erzählt eine ehemalige Prüferin, was beim "Idiotentest" wirklich passiert.

Quelle: RP
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