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Alfa Romeo
Das Comeback der Giulia

Alfa Romeo Giulia: Das Comeback der Giulia
Die neue Alfa Giulia. FOTO: dpa, ah
Arese/Solms . Wenn Alfa jetzt die neue Giulia bringt, sind die Erwartungen aber nicht nur in Italien groß. Schon weil die Giulia seit einer gefühlten Ewigkeit Alfas erste bedeutende Neuheit ist.

Die Mutter der kompakten Sportlimousinen kommt aus Mailand. Genau genommen aus dem Vorort Arese. Dort baut die Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili, kurz Alfa und fürs Marketing Alfa Romeo, seit 1962 die Giulia und bringt damit nicht nur das Blut der Italiener in Wallung. Der ebenso kurze wie kantige Viertürer wird zum Inbegriff der agilen, schnellen und trotzdem bezahlbaren Limousine, die in Deutschland zur Markteinführung schon für deutlich unter 10.000 Mark zu haben ist.

Damit eroberte die Giulia so nachhaltig die Herzen aller Familienväter, die Lust und Leidenschaft noch nicht ganz vergessen haben, dass die Marke Alfa Romeo bis heute davon zehrt. Obwohl der Mutterkonzern Fiat die schöne Tochter zuletzt beinahe kaputtgespart und bis auf das Kleinserienmodell 4C nichts Neues auf den Weg gebracht hat, halten ihr die Fans noch immer die Treue. "Zwar wurde der Marke in den letzten 30 Jahren so ziemlich alles angetan, was man einer würdigen Marke nicht antun sollte", sagt der italienische Design- und Markenwissenschaftler Paolo Tumminelli.

Aber dabei ist kaum etwas von ihrem Glanz verloren gegangen. Stattdessen habe bei Alfa die italienische Schule überlebt: "poveri ma belli - arm, aber schön." Umso neugieriger hat die Fangemeinde die Premiere der neuen Giulia verfolgt. Auf das Format einer Mittelklasse-Limousine gewachsen, wurde sie am 24. Juni pünktlich zum 105. Geburtstag der Marke im Stammwerk Arese enthüllt, feiert ihr Publikumsdebüt Mitte September auf der IAA in Frankfurt und kommt nach Angaben von Alfa-Sprecher Sascha Wolfinger Anfang nächsten Jahres in den Handel.

Am Tag der Enthüllung war "Giulia" unter den zehn wichtigsten Suchbegriffen bei Google, in den italienischen Tageszeitungen hat sie es bis auf die Titelseiten geschafft, und selbst die "New York Times" hat über die Premiere berichtet. Für Michele di Leonardo ist das kein Wunder: "Die Giulia war, ist und bleibt das wichtigste Modell der Marke", sagt der Italiener aus Solms in Hessen und vergleicht mit der kleinen Limousine allenfalls noch den Alfa Spider. Zwar kann er die Markteinführung der neuen Giulia kaum erwarten, schon weil er auch Alfa-Romeo-Händler ist, der sich nach Geschäftsimpulsen sehnt. Und weil er als Italiener gar nicht anders kann, als an die Traditionsmarke zu glauben. Doch bis es endlich so weit ist, hat er einen schönen Trost im Showroom stehen: eine Giulia Nuova 1600 aus dem vorletzten Produktionsjahr 1977.

Auch wenn die Giulia mittlerweile ein bisschen reifer ist, hat sie nach wie vor ihre Reize. Im ersten Moment erlebt man sie vor allem als Limousine, die bei nicht einmal 4,20 Metern Länge überraschend viel Platz bietet. Man sinkt in die weichen Sessel, lässt die Finger über die filigranen Kippschalter gleiten, und in Gedanken sitzt man plötzlich wieder als kleiner Steppke auf dem Rücksitz und rollt über die Autostrada Richtung Rimini.

Aber kaum ist der 1,6 Liter große Vierzylinder warmgefahren, bittet die Giulia zum Tanz: Wenn 85 kW/116 PS auf gerade einmal 1010 Kilo treffen, wenn der kurze Schaltknüppel mit dem hölzernen Knauf nur so durch das Getriebe flutscht, und wenn mit dem Drehzahlmesser auch der Tacho in ungeahnte Höhen schnellt, dann greift man besser fest ins dünne Lenkrad.

Di Leonardos Giulia schafft 168 km/h, die schnellsten Modelle haben sogar 190 km/h erreicht. Vor über 50 Jahren konnte einem dabei in einer Familienkutsche ganz schön heiß werden. Nicht umsonst war die Giulia mit ihrem Doppelnockenwellen-Motor aus Aluminium, vier Scheibenbremsen und einem Fünfgang-Getriebe bei ihrer Premiere ziemlich konkurrenzlos. Nachdem zunächst als Giulia und ab 1974 als modellgepflegte Giulia Nuova knapp 600 000 Autos vom Band gelaufen sind, gibt es auch für spätberufene Alfisti nach wie vor genügend Fahrzeuge: "Für 15 000 bis 20 000 Euro findet man schon ein sehr ordentliches Auto", sagt di Leonardo.

Es muss ja nicht gleich der Dienstwagen des berühmten TV-Detektivs Matula aus der ZDF-Serie "Ein Fall für Zwei" sein, der ihm kürzlich für ein Vielfaches dieser Summe angeboten wurde. Glaubt man den Journalisten des Fachmagazins "AutoBild Klassik", macht man dabei keinen Fehler: "Die Giulia zählt zu jener Sorte Oldtimer, die im Rückblick niemand verklären muss - sie war tatsächlich ein großer Wurf", urteilte Autor Martin Puthz zum 50. Geburtstag der Limousine.
"Der Mix aus Sportlichkeit und Alltagsnutzen inspirierte viele Nachahmer, aber nur wenigen gelang er ähnlich gut."

Kenner wie di Leonardo pflichten dem bei. Nicht umsonst holt er die Giulia bei gutem Wetter fast jedes Wochenende aus dem Laden und geht mit ihr regelmäßig auf Tour. Den Oldtimer-Grand Prix am Nürburgring zum Beispiel hat er noch kein Jahr ausgelassen. Und jeden Sommer darf die Giulia mindestens einmal heim nach Italien. "Für eine Tour an den Gardasee oder an die Ligurische Küste gibt es einfach kein besseres Auto", schwärmt di Leonardo und findet dort auch die Bestätigung dafür, dass man sich um Alfa Romeo keine ernsthaften Sorgen machen muss: "Egal ob alt oder jung: Wer die Giulia sieht, hat ein Lächeln auf den Lippen. Dieses Auto ist einfach unvergessen."

(dpa)
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