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Mobilität
Autobauer setzen auf Taxi-Apps

Autobauer setzen auf Taxi-Apps
FOTO: Ferl
Düsseldorf. Toyota steigt beim umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber ein, Volkswagen investiert Millionen in dessen Konkurrenten. Die Auto-Hersteller treibt auch die Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit. Von Florian Rinke

Im vergangenen Jahr hat der VW-Konzern an jedem Tag eine Kleinstadt mit Fahrzeugen ausgestattet. 27.423 VW, Audi, Porsche oder Skoda lieferten die Wolfsburger täglich aus, insgesamt waren es weltweit mehr als zehn Millionen Fahrzeuge. Das Problem ist: Was ist, wenn diese Fahrzeuge irgendwann niemand mehr kauft? Und zwar nicht, weil die Menschen VW wegen des Skandals um manipulierte Abgas-Werte nicht mehr trauen, sondern weil sie schlicht und einfach keine Lust mehr haben, ihr Geld in etwas zu investieren, was einen Großteil des Tages nur herumsteht?

Die Sorge treibt auch die Auto-Konzerne um. Denn ihr bisheriges Geschäftsmodell, Jahr für Jahr Autos zu verkaufen, wird gerade von neuen digitalen Herausforderern angegriffen. Die Idee: Mit Hilfe von Software werden Fahrzeuge und Fahrgäste miteinander vernetzt. Der Service soll schneller, günstiger und komfortabler sein. Und weil der Markt bislang nicht mal ansatzweise erschlossen ist, entsteht momentan ein Start-up nach dem anderen in diesem Bereich. Sie nennen sich Uber, Lyft oder Gett. Gewinn machen sie zwar nicht, trotzdem machen sie die Autobauer nervös. Also investieren die Konzerne, bevor das Geschäft an ihnen vorbeigeht. Für 300 Millionen Dollar hat sich VW bei Gett eingekauft, Toyota ist für eine nicht näher bezifferte Summe bei Uber eingestiegen.

Das Unternehmen aus Kalifornien ist der Platzhirsch der Branche - und gleichzeitig extrem umstritten. In vielen Ländern mussten sich Gerichte bereits mit Uber und der Frage beschäftigen, ob das Unternehmen einfach Privatpersonen als Taxifahrer herumfahren lassen darf. Die Euphorie bremst das jeweils nur kurz. Das Unternehmen wird bereits mit 60 Milliarden Euro bewertet. Das ist so viel, wie Daimler an der Börse wert ist und 20 Milliarden Euro mehr als BMW.

Doch Uber ist eines dieser Versprechen auf den Durchbruch in dem Geschäft, das es im Grunde so oder so ähnlich seit Jahrzehnten gibt. Schon in der Vergangenheit haben sich Menschen gefragt, warum sie ein Auto kaufen sollten, wenn man die Fahrzeuge auch besser auslasten könnte. So entstanden Taxi-Unternehmen, Mitfahrzentralen und Car-Sharing-Anbieter. Ersetzt haben sie das Auto bislang nicht - unter anderem weil die Angebote vergleichsweise teuer oder eher umständlich sind.

Mit Hilfe von Software wollen Start-ups nun jedoch dafür sorgen, dass das Trampen 2.0 so einfach wie nie zuvor wird. Denn dank der Analyse großer Datenmengen können sie so genau wie nie zuvor Fahrer und Fahrgäste zusammenführen. Und wie bei so vielen digitalen Geschäftsmodellen steigt mit jedem weiteren Teilnehmer auf einer dieser Plattformen deren Attraktivität für alle anderen. Der Netzwerkeffekt wird auch bei Uber und Co. einen Gewinner hervorbringen - und für die Auto-Konzerne geht es momentan darum, diesen zu identifizieren und nach vorne zu bringen. Es geht um das Geschäft der Zukunft.

Denn die Fahrdienste könnten nicht nur in ferner Zukunft für sprudelnde Gewinne sorgen, sondern auch zu Abnehmern der eigenen Produkte werden. Das könnte wichtig werden: Statistiken zeigen, dass der durchschnittliche Auto-Käufer immer älter wird, unter anderem weil in den Großstädten wie Berlin immer weniger junge Menschen ein eigenes Fahrzeug besitzen.

Darauf bereiten sich die Auto-Hersteller vor. Toyota will beispielsweise im Rahmen des Uber-Deals den Fahrern Fahrzeuge per Leasing anbieten oder verkaufen. Auch Daimler profitierte jahrelang von der Zusammenarbeit mit der Taxi-Branche. Die Fahrer waren so etwas wie Markenbotschafter des Konzerns - immerhin würde jemand, der so viele Kilometer im Jahr unterwegs ist, wohl kaum ein Auto fahren, das nichts taugt. Inzwischen hat die Beziehung jedoch Risse bekommen, unter anderem weil Daimler den Taxi-Dienst MyTaxi gekauft hat, der die Branche mit Rabatt-Aktionen provoziert. Genau wie BMW mit DriveNow sammelt Daimler außerdem bereits seit längerer Zeit mit seinem Angebot Car2Go im Car-Sharing Erfahrungen.

VW hat in diesem Bereich noch viel Nachholbedarf. Zu lange hatte sich das Unternehmen unter Ex-Chef Martin Winterkorn auf die Produktion von Autos konzentriert. Unter Nachfolger Matthias Müller will das Unternehmen nun aufholen. Man verspreche sich besonders viel von innovativen Mobilitätsdienstleistungen, hatte Müller zuletzt gesagt: "Hier wird sich in den kommenden Jahren ein großes Ergebnispotenzial für unsere Industrie auftun." Bis es so weit ist, dürften zunächst jedoch noch einmal Milliarden nötig sein, um Uber, Lyft und Co. groß genug zu machen.

Quelle: RP
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