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Bußgeld, Punkte und Co.
Blitzertag: Die wichtigsten Antworten zum Blitzmarathon
Die wichtigsten Auszüge aus dem Bußgeldkatalog
Die wichtigsten Auszüge aus dem Bußgeldkatalog FOTO: dpa, Roland Weihrauch
Düsseldorf. Der Blitzmarathon hat begonnen - in 24 Stunden kontrollieren bundesweit fast 15.000 Polizisten an 8600 Stellen die Geschwindigkeit der Autofahrer. Wir klären die wichtigsten Fragen zum Blitzertag. Von Simon Gossen

Wo wird geblitzt?

Am Donnerstag, 10. Oktober, ab 6 Uhr findet zum ersten Mal einbundesweiter statt. An 8600 Kontrollstellen wird für 24 Stunden die Geschwindigkeit der Autofahrer kontrolliert. In Bayern dauert die Aktion sogar eine Woche. In Nordrhein-Westfallen werden 3100 der Kontrollstellen eingerichtet. In erster Linie wird an den Strecken im jeweiligen Kreisgebiet kontrolliert, die als besonders gefährlich bekannt sind. Außerdem müssen Raser damit rechnen, in so genannten "Schutzzonen", also in der Nähe von Schulen und Kindergärten, geblitzt zu werden. Eine Übersicht der Blitzer-Standorte in der Region, finden Sie im Info-Kasten.

Ich bin beim Blitzmarathon mit 10, 20 oder 30 km/h zu viel geblitzt worden. Was kommt jetzt auf mich zu?

Das hängt zunächst davon ab, ob Sie innerhalb oder außerhalb einer geschlossenen Ortschaft geblitzt wurden. Wer zum Beispiel innerhalb einer geschlossenen Ortschaft die Geschwindigkeit um 11 bis 15 km/h überschritten hat, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 25 Euro rechnen. Bei gleichem Vergehen außerhalb einer geschlossenen Ortschaft sind 20 Euro fällig. Beim Blitzmarathon besteht zudem die Möglichkeit das Bußgeld direkt vor Ort zu bezahlen. "Wer im Verwarnungsgeldbereich liegt, kann direkt zahlen und damit hat sich die Angelegenheit erledigt", sagt Jochen Schütt, Sprecher der Polizei in Düsseldorf. Wer über dem Verwarnungsgeldbereich liegt, also innerstädtisch über 21 km/h zu schnell war, bekommt einen Zahlträger ausgestellt. Eine detaillierte Kostenübersicht finden Sie hier: Bußgelder bei Geschwindigkeitsübertretungen.

Welche Schritte unternimmt die Polizei?

Zunächst muss der Fahrzeughalter mit Post der zuständigen Bußgeldstelle rechnen. Dabei ist zu unterscheiden, ob der Halter gleichzeitig auch Fahrer des Fahrzeuges ist. Wer hinter dem Steuer seines eigenen Autos geblitzt wurde, bekommt einen schriftlichen Anhörungsbogen zugestellt, der den Tatvorwurf sowie das Beweisfoto beinhaltet. Stimmen Halter und Fahrer auf dem Blitzer-Foto, zum Beispiel auf Grund des Geschlechts, nicht überein, bekommt der Halter einen Zeugen-Fragebogen zugestellt. Dieser sollte vom Fahrzeughalter wahrheitsgemäß beantwortet werden. "Macht ein Halter keine Angaben, könnte die Polizei persönlich bei ihm vorbeikommen und ihn überprüfen", sagt Schütt. "Oder der Halter erhält eine schriftliche Vorladung, sich zum Fall zu äußern", so der Sprecher der Polizei. Weiter kann die Polizei das Blitzer-Foto auch mit Passbildern von Verwanden auf dem Einwohner-Meldeamt abgleichen. Wichtig ist, dass die Person auf dem Blitzer-Foto eindeutig identifiziert werden kann. Das Oberlandesgericht Bamberg hob zum Beispiel ein Urteil aus erster Instanz auf, da die Person auf dem Blitzer-Foto nur schwer zu erkennen war. Sie trug eine Sonnenbrille und die Kinnpartie wurde durch das Lenkrad verdeckt.

Darf ich Blitzerwarner nutzen?

Nein. Software, die den Autofahrer vor Messstellen warnt, sind verboten. Egal ob als eigenständiges Gerät, als App auf dem Smartphone oder als Programm in einem Navigationsgerät. Erst im vergangenem April stimmten die Verkehrsminister bei einer Konferenz in Flensburg mehrheitlich gegen Radarwarner. Begründet wurde das Verbot damit, dass eine Freigabe von Radarwarngeräten die "Undiszipliniertheit" der Verkehrsteilnehmer fördern würde. Wer dennoch mit einem Blitzerwarner erwischt wird, muss mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 75 Euro und vier Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg rechnen - völlig unabhängig davon, ob er zu schnell gefahren ist oder sich an die Tempovorschriften gehalten hat. Weiter ist die Polizei dazu berechtigt, spezielle Radarwarngeräte einzuziehen und zu vernichten.

Wie kann ich mich sonst über Messstellen informieren?

Wer sich vor Fahrtantritt über Mess- und Kontrollstellen informieren möchte, kann dies zum Beispiel im Internet mit Hilfe einer "Blitzer-Karte" tun. Wer schon im Auto sitzt, bekommt über das Radio die aktuellsten Hinweise. Denn viele Sender rufen ihre Hörer auch dazu auf, mobile Messstellen zu melden.

Wie kann ich Punkte in Flensburg abbauen?

Zum 1. Mai 2014 soll die neue Regelung zum Punktsystem der Flensburger Verkehrssünderdatei in Kraft treten. Dann werden Verkehrsverstöße nach einem Drei-Punkte-System differenziert. Grobe Ordnungswidrigkeiten wie beispielsweise zu schnelles Fahren in Ortschaften werden demnach mit einem Punkt im Zentralregister bestraft, schwerwiegende Vergehen wie das Fahren über eine rote Ampel mit zwei Punkten. Für besonders schwere Verstöße wie Fahren unter Vollrausch, unterlassene Hilfeleistung, schwere Nötigung durch zu dichtes Auffahren oder unerlaubtes Entfernen vom Unfallort werden künftig drei Punkte vergeben. Wer seine Punkte abbauen möchte, kann dies mit Hilfe eines Aufbauseminars an einer Fahrschule machen. Da nach der Neuregelung in solchen Seminaren allerdings nur noch ein Punkt abgebaut werden kann, empfiehlt der ADAC, noch vor Neuregelung  ein solches Seminar zu absolvieren - bislang können noch bis zu vier Punkte abgebaut werden.

Warum findet der Blitzmarathon statt?

Weil es nach Ansicht des NRW-Innenministeriums ein Erfolgsmodell ist. Die bisher durchgeführten Blitzmarathons hätten das Fahrverhalten bereits maßgeblich beeinflusst. In Köln sei der Anteil der hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen von 57 Prozent auf 30 Prozent zurückgegangen, in Dortmund habe sich die durchschnittliche Geschwindigkeitsüberschreitung seit November 2011 von 14 auf zehn Stundenkilometer verringert. "Diese Werte sind deutliche Anzeigen für den nachhaltigen Erfolg unserer Strategie", sagte Innenminister Ralf Jäger. Das Motto der Aktion "Brems Dich - rette Leben!" soll jeden Verkehrsteilnehmer daran erinnern, dass er durch zu schnelles Fahren die Gefahr für Leib und Leben dramatisch erhöht.

Was sagen Verkehrsexperten zum Blitzmarathon?

Nach Ansicht des ADAC ist der Blitzmarathon eine sinnvolle Maßnahme, um die Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren durch zu schnelles Fahren aufmerksam zu machen. "Solche Aktionen tragen dazu bei, das Bewusstsein von Auto- und Motorradfahrern für die Gefahren durch zu schnelles Fahren zu schärfen", sagt Peter Meyer. "Wichtig ist, dass die Polizei unmittelbar nach dem Verstoß aufklärt und informiert. Wenn den Verkehrssünder erst Wochen später ein anonymer Bußgeldbescheid erreicht, hat dies erfahrungsgemäß kaum nachhaltige Wirkung", so der ADAC-Präsident.

Quelle: sgo
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