| 08.06 Uhr
"Was ist das für ein Gefährt?"
Can-Am Spyder – Dreirad mit Spaßfaktor
Spaßmobil: Can-Am Spyder ST-S Roadster
Spaßmobil: Can-Am Spyder ST-S Roadster FOTO: Hersteller
Köln. Die Freiheit auf Rädern gibt es nicht nur beim motorisierten Zweirad inklusive. Auch mit drei Rädern kann das Cruisen Laune machen – nicht zuletzt, weil man keinen Extra-Führerschein benötigt. Dafür ist eine andere Eigenschaft des Fahrers Voraussetzung. Von Hanne Lübbehüsen

Die Blicke muss man mögen: Steht man mit einem Can-Am Spyder Roadster an der Ampel, und dann auch noch mit einem in kanarienvogelgelb, gucken die Passaten. Und die Wartenden an der Straßenbahnhaltestelle. Und die Kinder.

Ein kleiner Knirps kräht, was alle denken: "Mami, guck mal!". Zwei Räder vorn, eins hinten, Lenker und Sitzposition wie beim Motorrad und jede Menge zerklüftete Beplankung drum herum werfen die Frage auf: Was ist das für ein Gefährt?

Was der Motorschlitten für den Schnee, das Quad fürs Gelände und der Jetski fürs Wasser ist der Can-Am Spyder Roadster für die Straße: ein Spaßmobil.

Hersteller BRP mit Stammsitz in Kanada, der all diese fahrbaren Untersätze im Produktportfolio hat, erfand 1937 das erste Kettenfahrzeug für den Transport auf Schnee, im neuen Jahrtausend dann den dreirädrigen Roadster, den es seit 2008 auch in Deutschland gibt. Und der sich ähnlich spaßig fährt wie die oben genannten Freizeitfahrzeuge, wie wir bei einem Test zum Ende der Freiluft-Saison feststellen konnten.

Pkw-Führerschein reicht

Bevor es aber cruisend über Landstraßen geht oder man zum Blickfang an der Ampel wird, steht die Einführung auf dem Firmenparkplatz des Kölner Händlers. Denn fahren darf man den Roadster mit einem normalen Pkw-Führerschein Klasse B.

Und das geht auch dann erstaunlich gut, wenn die einzige Motorrad-Erfahrung ist, mal mitgefahren zu sein. Das Drehgas wird über den rechten Griff bedient, durch die fünf Gänge schaltet man halbautomatisch mit Wippen auf der linken Seite des Lenkers und gebremst wird wie beim Auto über ein Pedal, das der rechte Fuß tritt.

Genug geübt, Helm auf und ab auf die Straße. Die ersten Kurven fahren sich noch etwas wackelig – gleichzeitig beidhändig lenken und mit der rechten Hand zusätzlich Gas geben ist doch recht ungewohnt. Im ersten Kreisverkehr ist die nächste Schwierigkeitsstufe erreicht: Gas geben mit rechts, blinken mit links, lenken mit beiden Händen.

Kurz berührt der linke Daumen versehentlich die Hupe – nicht das letzte Mal auf dieser Fahrt. Nach zwei Kilometern hat man es raus, nach fünf Kilometern löst sich die verkrampfte Sitzhaltung, nach zwanzig ist es, als hätte man nie etwas anderes gemacht.

In einem Affenzahn

Satt liegt der Roadster auf der Straße, auch bei höheren Geschwindigkeiten hat der Fahrer dank zwei Reifen auf der Vorderachse ein sicheres Lenkgefühl. Fahrbahnunebenheiten gibt das Dreirad zwar fast ungefiltert durch, bleibt aber trotzdem beherrschbar.

Durch Kurven drückt sich der Roadster wie ein Quad. Die Stabilitätskontrolle verhindert ein Umkippen des Fahrzeugs in engen Kehren. Auch weitere Sicherheitstechnik steckt unter der zerklüfteten Kunststoff-Verkleidung: ABS verhindert ein Blockieren der Reifen beim Bremsen und eine Traktionskontrolle das Durchdrehen.

Richtig Spaß macht aber der 1,0-Liter-V2-Rotax-Motor, der im Spyder seinen Dienst tut. Die 74 kW/100 PS tragen die 392 Kilo Trockengewicht plus den Fahrer in einem Affenzahn nach vorn – und das nicht nur beim Ampelstart, auch aus höheren Geschwindigkeiten entwickelt der V2 ordentlich Kraft. Bei 165 km/h ist Schluss, allerdings wird es zu dieser Jahreszeit schon jenseits der 70 km/h zugig auf dem Bock, auch wenn der Motor dem Fahrer die Schenkel und die Griffheizung die Hände wärmt.

Denn auch wenn der Spyder Roadster die Vorteile eines Autos (mehr Sicherheit) mit denen eines Motorrads (Frischluftvergnügen) kombiniert, bleiben die Nachteile der Wetterabhängigkeit (Motorrad) und der Parkplatzsuche (Auto).

Spitzenpreis bei 31.400 Euro

Die meisten Käufer werden sich daran kaum stören – für sie dürfte das Dreirad Zweit- oder Dritt-Fahrzeug sein, für das es vermutlich auch einen Unterstellplatz gibt. Denn mindestens 17.500 Euro muss man investieren, unser Modell war die etwas besser ausgestattete Variante ST-S für 22.400 Euro, für das luxuriöseste Touring-Modell, auf dem man sehr aufrecht Platz nimmt, werden 31.400 Euro fällig.

Doch wer sind nun typischer Weise die Menschen, auf die der Knirps an der Ampel aufgeregt mit dem Finger zeigt? Nicht nur Motorrad-Umsteiger, wie man vielleicht meinen mag. Sondern auch diejenigen Fahrer, die auf das Frischluft-Fahren Lust bekommen haben, aber umgekehrt keine Lust mehr haben, einen Motorrad-Führerschein zu machen.

Die, denen es so sicherer erscheint oder die einfach Spaß daran haben. Denn genau wie Quad oder Jetski kann man sich den Spaßmacher auch ausleihen, ein Tag kostet beim Kölner Händler WT Funsports beispielsweise 199 Euro.

Quelle: SP-X
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar