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Konferenz zur Elektromobilität
E-Autos – eine Frage der Förderung

2013/14: Diese Elektroautos gibt es
2013/14: Diese Elektroautos gibt es FOTO: BMW
Berlin/Oslo. Der Ausbau der Elektromobilität in Deutschland stockt. Experten sind sich einig, dass nur neue Fördermöglichkeiten helfen, mehr E-Autos auf die Straßen zu bringen. Dass das durchaus Erfolge bringen kann, zeigt das Beispiel Norwegen. Das Land gilt als das europäische Vorbild in Sachen Elektromobilität. Von Dana Schülbe

Eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen – dieses Ziel hatte sich die Bundesregierung gesteckt. Doch die Zweifel, dieses noch zu erreichen, wachsen. Das zeigt etwa ein Blick auf die aktuellen Zahlen. Eigentlich sollten bis Ende 2014 schon 100.000 E-Autos hierzulande fahren. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) zählte aber zu Beginn des Jahres gerade einmal 25.300 steckdosentaugliche Autos, die Nationale Plattform Elektromobilität rund 24.000 im Dezember 2014.

Das Problem: Zwar sind E-Autos in den ersten Jahren von der Kfz-Steuer befreit, doch in der Anschaffung sind die Wagen im Vergleich immer noch wesentlich teurer als Benziner oder Diesel. Außerdem können die Batterien noch lange nicht so viel Energie speichern wie ein gefüllter Tank - je nach Modell kommt man 100 bis 200 Kilometer weit. Zudem fehlt es auch noch an einem lückenlosen Netz von Schnellladesäulen.

Eine Probefahrt: Langstreckenfahrt mit dem E-Auto FOTO: Hersteller

Experten sind sich daher einig, dass nur neue Fördermöglichkeiten helfen, das Ziel noch zu erreichen. Und das hat auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor. Welche Möglichkeiten es gibt, will die Bundesregierung auf einer am heutigen Montag in Berlin beginnenden Konferenz zur Elektromobilität ausloten. Einen Blick dürfte die deutsche Politik dabei sicherlich auch auf Norwegen geworfen haben, denn das Land mit knapp fünf Millionen Einwohnern gilt als Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Fast ein Viertel aller Neuzulassungen in Norwegen sind mittlerweile Elektroautos; seit April sind dort mehr als 50.000 davon unterwegs.

Dort werden – so wie es die Grünen hierzulande auch fordern – private Käufer bei der Förderung nicht außen vor gelassen. Bis derzeit 2017 gilt dort: Wer ein E-Auto kauft, muss weder die Mehrwertsteuer von 25 Prozent zahlen noch die Sondersteuer für Autokäufer. Die Zulassungskosten und die Kfz-Steuer entfallen ebenfalls. Entsprechend ist die Anschaffung solcher Autos für die Norweger auch günstiger, als ein Kauf eines Benziners oder Diesels.

So werden E-Autos auf Langeoog eingesetzt FOTO: SP-X

Es winken aber noch mehr Vorteile: So zahlen Besitzer von Elektroautos etwa keine Maut, können an speziell für sie reservierten Stromtankstellen kostenlos ihr Gefährt aufladen und auch kostenlos parken. Überhaupt gibt es ein weitaus größeres Netz an Aufladestationen als hierzulande.

Auch Bus- und Taxispuren dürfen die Besitzer solcher Autos befahren. Das allerdings hatte zuletzt für Kritik gesorgt, weil die Busspuren in der Rush Hour nun von E-Autos verstopft sind und die Busse nicht mehr vorankommen. In Deutschland haben Kommunen übrigens seit Kurzem ebenfalls die Möglichkeit, kostenloses Parken oder das Fahren auf Busspuren zu erlauben. 

Mercedes B-Klasse Electric Drive - unauffälliger Stromer FOTO: Hersteller

Wegen des Erfolgs wird die Regierung in Norwegen aber ihre Fördermaßnahmen zurückschrauben. Ab Januar 2018 sollen sie wieder 50 Prozent KfZ-Steuer zahlen, ab 2020 dann wieder den gleichen Satz wie alle. Auch die Befreiung von der Mehrwertsteuer beim Kauf eines E-Autos soll laut Beschluss der Regierung wegfallen – allerdings soll hier eine Prämie als Ersatz gezahlt werden. Und über Privilegien wie die freie Benutzung der Busspuren, Befreiung von der Maut und kostenloses Parken auf öffentlichen Parkplätzen sollen künftig die einzelnen Kommunen entscheiden. Damit dürften diese Annehmlichkeiten vor allem in der Hauptstadt Oslo und der Umgebung vor dem Aus stehen. 

In Bezug auf die frage nach der Umweltfreundlichkeit – weshalb die Ausbreitung von E-Autos auch in Deutschland vorangetrieben werden soll – gibt es aber einen wichtigen Fakt, der die Bundesrepublik und Norwegen derzeit unterscheidet. Denn in Norwegen wird fast der gesamte Strom mit Wasserstoff erzeugt. Hierzulande wäre also der CO2-Ausstoß doch noch wesentlich höher, weil unser Strommix auch auf Kohlekraftwerke setzt.

mit Agenturmaterial

 

 

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