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Verkehrssünderdatei in Flensburg
Sammeln Sie Punkte?

Hintergrund: 15 Fragen aus dem "Idiotentest"
Hintergrund: 15 Fragen aus dem "Idiotentest" FOTO: shutterstock/ gwolters
Flensburg. Vor 60 Jahren wurde die Verkehrssünderdatei in Flensburg auf den Weg gebracht. Das System ist bei Autofahrern unbeliebt – was in der Natur der Sache liegt. Aber: Es funktioniert bis heute. Von Birgitta von Gyldenfeldt und Jörg Isringhaus

Punkte sind eigentlich zum Sammeln da, nach dem Prinzip: Wer die meisten auf dem Konto hat, gewinnt. In der Formel 1 zum Beispiel. Oder beim Doppelkopf. Nur in Flensburg werden die eifrigsten Punktesammler mit dem Verlust des Führerscheins bestraft.

Rund 8,6 Millionen Autofahrer haben derzeit einen Eintrag im Verkehrszentralregister (VZR), das 2014 offiziell in Fahreignungsregister umgetauft wurde. Heißt: Etwa jeder zehnte Einwohner Deutschlands ist derzeit wegen eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung aktenkundig.

Vor 60 Jahren, als das VZR gegründet wurde, waren es noch rund 800.000. Gemessen an der Zahl der Autos ist der prozentuale Anteil der Verkehrssünder allerdings fast gleichgeblieben - waren 1957 knapp sieben Millionen Fahrzeuge registriert, sind es heute 55 Millionen.

Verkehrsdelikte: Das sind die Hauptgründe für eine MPU

Bundestag und Bundesrat brachten das VZR am 25. Juli 1957 auf den Weg, weil die Zahl der schweren Unfälle stark zugenommen hatte. Vorläufer war die Sammelstelle für Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen (SNFK), die 1910 beim Polizeipräsidium in Berlin eingerichtet worden war. Die SNFK wurde 1951 dem neu gegründeten Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg zugeordnet.

Pädagogischer Ansatz

Die Stadt in Schleswig-Holstein bekam den Zuschlag des Verkehrsministers aus strukturpolitischen Gründen und setzte sich gegen Konkurrenten wie München, Kassel, Schleswig, Kiel und Wiesbaden durch. Erst 1974 wurde das (2014 reformierte) Punktesystem eingeführt - aus einem traurigen Grund: Anfang der 70er Jahre waren laut Statistischem Bundesamt Rekordwerte von mehr als 21.000 Verkehrstoten zu beklagen. Bei einem Fahrzeugbestand von 20,8 Millionen Fahrzeugen bedeutete dies statistisch gesehen 102 Tote pro 100.000 Fahrzeuge jährlich.

Idee war es, mit der Angst vor dem Führerscheinentzug präventiv die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Verkehrstoten "nur" bei rund 3200. "Das Verkehrszentralregister hat dazu einen erheblichen Beitrag geleistet", ist KBA-Sprecher Stephan Immen überzeugt.

Überblick: Die wichtigsten Änderungen des neuen Punktesystems

Auch aus Sicht des ADAC ist das VZR ein wichtiges Instrument, weil es einen pädagogischen Ansatz habe. "Es dient dem Zweck, riskantes Verhalten zu reflektieren und insbesondere Mehrfachtäter entsprechenden Maßnahmen zuzuführen", so ein Sprecher.

Das sieht auch Verkehrspsychologe Rüdiger Born so. Der Autofahrer lerne dazu und halte sich eher an die Regeln, weil er weitere Punkte vermeiden wolle. Um so viele Punkte zu sammeln, bis der Führerschein entzogen wird, brauche es eine "große Beharrlichkeit", sagt Born.

Die Gnade der Löschung - oder die MPU

Denn regelkonformes Fahren wird mit der Gnade der Löschung belohnt. So verfallen Punkte für Ordnungswidrigkeiten (Fahren mit Handy am Steuer) nach zweieinhalb Jahren, Punkte für Straftaten (mehr als 31 km/h zu schnell) nach fünf Jahren.

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Wer weniger als fünf Punkte hat, darf zudem einen Punkt über ein Fahreignungsseminar abbauen. Bei acht Punkten ist der "Lappen" für mindestens sechs Monate weg - und kann nur durch das Bestehen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung, die sogenannte MPU, zurückerlangt werden.

Von den 8,6 Millionen Punkte-Inhabern sind etwa 6,7 Millionen Männer, also mehr als 80 Prozent. Die meisten Einträge gab es wegen Geschwindigkeitsverstößen: bei Männern waren es 3,8 Millionen, bei Frauen 1,1 Millionen. Frauen fahren meist innerorts zu schnell, Männer häufiger auf der Autobahn. So weit die Klischees. Interessant ist die Punkteverteilung innerhalb Deutschlands.

Das Vergleichsportal Check24 hat dazu die Angaben von einer Million Menschen ausgewertet. Ganz vorne auf der Liste der emsigsten Punkte-Sammler stehen demnach die Städte Rostock, Leipzig und Erfurt, auf dem vierten Platz folgt als erste Stadt in NRW Wuppertal. Die wenigsten Punktesünder gibt es in Duisburg, Oberhausen, Berlin und Gelsenkirchen.

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Wer sich unsicher ist, wie es um sein Konto in Flensburg bestellt ist, kann dort kostenlos anfragen, per Internet, per Post oder persönlich. Dafür gibt es dann ein garantiert folgenloses Fleißpünktchen.

Quelle: RP
 
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