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Interview zur Fahrtüchtigkeit von Senioren
"Bei Fahranfängern gibt es mitunter weit größere Probleme"

Fahrtüchtigkeit von Senioren: "Mitunter größere Probleme bei Fahranfängern"
Eine Seniorin am Steuer. Wenn Ältere ihre Fahrtüchtigkeit testen lassen wollen, ist dies auf freiwilliger Basis. FOTO: dpa
Kaarst. Um die Fahrtüchtigkeit von Senioren zu prüfen, gibt es bislang nur freiwillige Tests. Wer daran teilnimmt und was er selbst von Pflichtkursen hält, darüber haben wir mit dem Kaarster Fahrlehrer René Bohne gesprochen. Von Dana Schülbe

Gleich zwei Unfälle mit Senioren am Wochenende haben die Debatte um die Fahrtüchtigkeit Älterer und verpflichtende Tests für diese wieder angeheizt. Bislang gibt es nur freiwillige Überprüfungen. Fahr-Fitness-Checks heißen sie. Fahrschulen bieten sie in Zusammenarbeit mit dem ADAC an. Auch René Bohne aus Kaarst bietet in seiner Fahrschule diese Tests an. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Wie läuft ein Fahr-Fitness-Check für Senioren ab?

Bohne Die Senioren erklären sich bereit, eine ganze Stunde mit mir ihre Fahrtüchtigkeit zu testen. Zunächst klären wir in einem Gespräch ab, auf welchem Gebiet sie hauptäschlich ihre Sicherheit testen wollen. Das kann bei dem einen die Autobahnfahrt sein, bei dem anderen das Fahren in der Innenstadt. Aber ich versuche, alle Bereiche einzubinden. Zum Abschluss gibt es erneut ein Gespräch. Wenn es nötig ist, empfehle ich einen Arztbesuch oder ein Fahrtraining. Der Check und auch die Empfehlungen sind aber freiwillig.

Was kostet solch ein Check?

Bohne 49 Euro für ADAC-Mitglieder, 69 Euro für alle anderen. Eine Stunde dauert der Check.

Was halten Sie von verpflichtenden Tests für Senioren?

Bohne Gar nichts, weil das nichts bringt. Da geraten die Senioren noch mehr unter Druck. Wenn man etwas machen möchte, dann sollte man ab einem bestimmten Alter ärztliche Tests machen. Aber das machen die meisten ja ohnehin schon.

Wer nimmt an solchen Checks teil?

Bohne Das geht durch alle Schichten und Altersklassen. Ich habe etwa einen 85-jährigen Arzt, der schon seit Jahren zu mir kommt. Im vergangenen Jahr hatte ich einen 93-Jährigen, der mit seinem 64-jährigen Sohn kam. Oft werden die Senioren auch von ihrer Familie zu mir geschickt. Was allerdings auffällt, ist, dass kaum Frauen dabei sind. In diesem Jahr habe ich bei zehn Teilnehmern gerade mal eine Frau dabei.

Nimmt das Interesse zu?

Bohne Ja, aber erst seit vergangenem Jahr, seit die Senioren vermehrt ins Blickfeld der Berichterstattung gerückt sind. Aber wenn man sich die Relationen mal anschaut: Bei Fahranfängern gibt es mitunter weit größere Probleme.

Was ändert sich mit dem Alter beim Fahren?

Bohne Ältere hören schlechter, sehen schlechter, reagieren anders – also ganz normale Alterserscheinungen. Aber viele machen diese Nachteile durch ihre Erfahrungen, durch Routine weg. Das ist etwas, was beispielsweise Fahranfängern fehlt.

Haben Sie schon mal erlebt, dass ein Teilnehmer seinen Führerschein abgeben wollte?

Bohne Ja, einmal. Derjenige hat gesagt, der Stress sei ihm einfach zu groß und er habe ein günstiges Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich glaube, wenn die Städte mehr tun würden für Senioren, würden diese auch mehr ihren Führerschein abgeben. Sie wollen ja auch nichts anderes als mobil bleiben.

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