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Mehr Falschfahrer im Winter
Die Typologie der Geisterfahrer

Geisterfahrer-Typologie: Diese drei Gruppen gibt es
Autowracks liegen auf der A4 bei Eschweiler: Bei dem Frontalzusammenstoß mit einem Falschfahrer starben drei Menschen. FOTO: dpa, mg vfd
Düsseldorf. Auf der A4 bei Eschweiler hat ein Geisterfahrer einen Unfall mit zwei Todesopfern verursacht. Ein Verkehrsforscher erklärt, wie Verkehrsteilnehmer zu Falschfahrern werden. Von Sebastian Fuhrmann

Zwei Tote und ein erst wenige Monate altes Kind, das lebensgefährlich verletzt wurde – so liest sich die Schreckensbilanz des Unfalls, der in der Nacht zu Donnerstag durch einen Falschfahrer auf der Autobahn 4 bei Eschweiler verursacht wurde. Bis zu 80 Unfälle werden nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen deutschlandweit jedes Jahr durch fehlgeleitete Verkehrsteilnehmer verschuldet – ein Großteil davon im Winter.

Tödliche Geisterfahrer-Unfälle in Deutschland

Das ist kein Zufall. "Wir registrieren in der dunklen Jahreszeit einen signifikanten Anstieg der Fallzahlen", sagt Professor Michael Schreckenberg, Verkehrsforscher an der Universität Duisburg Essen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Schreckenberg nennt schlechte Sichtverhältnisse als häufigste Ursache dafür, dass Verkehrsteilnehmer zu Falschfahrern werden. Im Groben aber lassen sich nach Angaben des Forschers drei Gruppen unterscheiden.

Typologie der Falschfahrer

Häufig führt nichts anderes als ein Versehen dazu, dass ein Autofahrer zum Geisterfahrer wird. Eben zum Beispiel dann, wenn die Sicht – so wie im Winter – schlecht ist. "Manche Anschlussstellen sind nicht gerade glücklich markiert", sagt der Verkehrsforscher. Unzureichende Beschilderung werde besonders oft Senioren zum Verhängnis, die die richtige Auffahrt verpassen und auf der falschen Spur landen. "Auch am Wochenende registrieren wir viele Fälle. Da sind Leute auf den Straßen unterwegs, die vielleicht sonst nicht so häufig fahren", sagt Schreckenberg.

Andere Geisterfahrer fahren ganz bewusst auf die falsche Bahn. "Etwa als Mutprobe", sagt Schreckenberg. "Da bringt auch eine bessere Beschilderung nichts." Eine dritte Gruppe seien die Verkehrsteilnehmer, die absichtlich auf die falsche Bahn fahren, um sich selbst oder andere zu gefährden.

So sollten sich Autofahrer verhalten

Verkehrsteilnehmern, denen ein Fahrzeug auf der falschen Bahn entgegenkommt, rät der Verkehrsforscher: Geschwindigkeit drosseln und sich in Sicherheit bringen. "Man sollte Hinweise geben, etwa mithilfe der Warnblinkanlage." Hintergrund ist folgender: In manchen Fällen merken Falschfahrer nicht, dass sie auf der entgegengesetzten Spur unterwegs sind. "Man muss die Menschen in so einem Fall unbedingt darauf aufmerksam machen."

Falschfahrer: Das sind die gefährlichsten Autobahnen FOTO: dpa, Armin Weigel

Damit es zu derartigen Szenarien auf deutschen Autobahnen in Zukunft nicht mehr kommt, fordern Experten bessere Markierungen von Auf- und Abfahrten an Autobahnen. "Meiner Meinung nach muss man Markierungen direkt auf der Bahn anbringen, zum Beispiel einen roten Pfeil, der in Fahrtrichtung zeigt", sagt Schreckenberg.

Die Polizei nimmt Meldungen über Falschfahrer ernst, hat jedoch Schwierigkeiten, die versehentlichen oder absichtlichen "Täter" zur Rechenschaft zu ziehen. "Im größten Teil der gemeldeten Fälle, werden keine Leute ermittelt", sagt Andre Hartwich von der Polizei Düsseldorf.

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