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Praxistest
Griechische Stadt testet fahrerlose Busse auf offener Straße

Griechische Stadt testet fahrerlose Busse auf offener Straße
So sieht der Bus aus, der ohne Fahrer auskommt. FOTO: ap
Trikala. Ein Hauch von Zukunft weht in diesen Tagen durch die griechische Stadt Trikala – besser gesagt: fährt. Im Rahmen eines EU-Projekts kommen hier erstmals fahrerlose Busse auf offener Straße zum Einsatz. Verkehrsexperten sehen großes Potenzial für mehr Effizienz.

Für große Diskussionen mit dem Fahrer gibt es in den neuen Bussen in der griechischen Stadt Trikala keinen Grund. Zum einen ist die Fahrt ohnehin kostenlos, und zum anderen sitzt gar keiner hinter dem Steuer.

Seit gut einer Woche rollen die Busse durch Trikala – nach einer Reihe von Testläufen in anderen europäischen Städten nun zum ersten Mal auf offener Straße. Die voll automatisierten Busse sind Teil eines EU-Projekts, das nicht nur die Strukturen des Personenverkehrs grundlegend verändern könnte. Ziel ist auch, die Städte innerhalb der nächsten 30 Jahre aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien.

Bisher waren die in Frankreich hergestellten CityMobil2-Busse nur unter streng kontrollierten Bedingungen im Einsatz – neben der Produktionsanlage in La Rochelle, auf einem Campus im schweizerischen Lausanne und nahe der finnischen Hauptstadt Helsinki. Da es hierbei zu keinen Unfällen kam, werden die Fahrzeuge nun mit den Herausforderungen der Realität konfrontiert: verwinkelte, hügelige Straßen mit Radfahrern, streunenden Hunden und allen möglichen anderen Verkehrsteilnehmern, die gewiss nicht immer nach klar berechenbaren Mustern agieren.

Ohne Fahrer 13.000 Kilometer Richtung China FOTO: AP

Um den Praxistest in Trikala zu ermöglichen, musste die griechische Regierung extra die Gesetze anpassen. Die Stadt ließ zudem eine separate Busspur einrichten, was entlang der Strecke zum Teil auf Kosten von Parkplätzen ging.

Von außen sehen die batteriebetriebenen Busse nicht unbedingt nach Science Fiction aus. Trotzdem fallen sie auf, wie sie surrend durch die Straßen manövrieren. Ihren Weg finden sie mit Hilfe von GPS und diversen Sensoren, einschließlich Lasern und Kameras. Die Daten werden dabei laufend an ein Kontrollzentrum übermittelt.

"Wir haben eine Gesamtstrecke von 2,4 Kilometern", sagt Odisseas Raptis, der in der städtischen Verwaltung für das Digitalprojekt "e-Trikala" zuständig ist. Unterwegs kämen die fahrerlosen Busse mit gewöhnlichem Verkehr in Kontakt, mit Fußgängern, mit Fahrrädern und mit Autos. "So etwas hat es bisher nicht gegeben", sagt Raptis. Noch fahren die Busse ohne Passagiere. Doch im Laufe des Projekts sollen insgesamt sechs Fahrzeuge in der 80.000-Einwohnerstadt allmählich den regulären Betrieb aufnehmen.

Valet-Parking – Fahrerloses Einparken FOTO: dpa, Sebastian Kahnert

Die Elektronik der Busse läuft vollständig automatisch, von der Navigation bis hin zur Erkennung von Hindernissen. Im Kontrollzentrum werden die System aber überwacht. Im Fall der Fälle sei also immer ein Eingreifen aus der Ferne möglich, sagt Vasilis Karavidas, der von der französischen Herstellerfirma Robosoft ausgebildete technische Leiter des Projekts in Griechenland. Wenn etwas schiefgehe, könne der entsprechende Bus jederzeit vom Kontrollzentrum aus gestoppt werden.

Die Geschwindigkeit der Busse in Trikala beträgt maximal 20 Stundenkilometer. Und mit jeweils nur zehn Sitzplätzen ist auch die Kapazität einigermaßen begrenzt. Trotzdem halten Experten das Experiment für zukunftsweisend. Die EU sieht beim innerstädtischen Verkehr große Potenziale für eine Reduzierung der klimaschädlichen CO2-Emissionen. Aber auch langfristig steigende Ölpreise und eine anhaltende Urbanisierung machen neue Lösungen erforderlich.

Angesichts der zunehmenden Automatisierung der Welt sei es schwer, Trends im Bereich Verkehr vorherzusehen, sagt Philippe Crist vom International Transport Forum, einem OECD-nahen Institut in Paris.
Viel zu oft würden technische Lösungen aber isoliert betrachtet. "Die Realität ist die, dass sich rings um diese Technologien herum auch alles andere verändert", sagt Crist. "Es kann daher gut sein, dass die Gesellschaft das Interesse am Besitz von Privatautos oder an der Nutzung eines starren öffentlichen Transportsystems irgendwann verliert, vor allem dann, wenn neue Technologien bessere Alternativen ermöglichen."

Das Auto, das mit den Augen lenkt FOTO: FU Berlin, Fritz Ulbrich

Berechnungen des International Transport Forum zeigen, dass der städtische Verkehr wesentlich effizienter gestaltet werden könnte.
Crist und seine Kollegen haben etwa ein System simuliert, in dem eine Art Ruftaxi-Service bei gemeinschaftlicher Nutzung und optimaler Routenplanung den gesamten Personenverkehr in einer mittelgroßen europäischen Stadt ersetzt. "Das Ergebnis hat gezeigt, dass mit einem solchen System das gleiche Maß an Mobilität wie heute mit 95 Prozent weniger Fahrzeugen möglich wäre", sagt der Verkehrsexperte.

Die CityMobil2-Busse in Trikala sind natürlich nur ein erster kleiner Schritt auf dem Weg hin zu einem solchen System. Bis Februar läuft der Test in der zentralgriechischen Stadt. Die Reaktionen der Bürger vor Ort sind bislang - abgesehen von gelegentlichem Ärger über verloren gegangene Parkplätze - überwiegend positiv.

Der Rentner Michalis Pantelis ist stolz, dass seine Stadt für den Testlauf ausgewählt wurde. "Ich finde das großartig. Sicher werden viele Menschen nach Trikala kommen, um das zu sehen. Es ist neu und innovativ", sagt Pantelis, kurz nachdem einer der fahrerlosen Busse an ihm vorbeigefahren ist. "Es erinnert mich an die Spielzeugautos, mit denen meine Enkelkinder spielen."

(ap)
 
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