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Monterey Car Week in Pebble Beach
Die größte PS-Party der Welt

Fotos: Hier treffen sich die verrücktesten Autofans
Fotos: Hier treffen sich die verrücktesten Autofans FOTO: SP-X/Benjamin Bessinger
Pebble Beach/Kalifornien. Normalerweise bestimmen hier die Golfkarts das Straßenbild. Doch für eine Woche im Jahr wird die Monterey Peninsula zum Dorado der Autofans. Denn rund um den Concours d'Elegance in Pebble Beach feiern die Petrolheads die größte PS-Party der Welt. Von Benjamin Bessinger

James ist genervt. Eigentlich wollte der Mittsiebziger eine ruhige Runde Golf spielen. Doch jetzt sitzt er auf seinem Caddy und kommt einfach nicht über die Straße zum nächsten Loch. Denn der Verkehr auf dem sonst so beschaulichen 17-Miles-Drive will partout nicht abreißen.

Daran hätte er denken sollen, als er seinen Wochenendtrip auf die Halbinsel von Bebble Beach gebucht hat. Schließlich ist Monterey Car Week und einmal im Jahr geben hier nicht die Pensionisten den Ton an, sondern die Petrolheads und feiern rund um den Concours d'Elegance die größte PS-Party der Welt.

In den Auffahrten der Luxushotels stauen sich deshalb die Supersportwagen. Man sieht mehr Bentley als BMW. Auf jeder Lodge findet irgendein Clubtreffen statt, wo sich mal hunderte von BMW ein Stelldichein geben, mal die Porsche-Eigentümer versammeln oder eine Handvoll Vorkriegsautos über die Wiesen schnaufen.

Vision Mercedes-Maybach 6 - diesen Traumwagen gibt es nie zu kaufen FOTO: Daimler

Und überall zwischendrin ist eine rollende Motorshow unterwegs, in die sich jeder einreiht, der ein auch nur halbwegs besonderes Auto hat. Hotrods, Muscle Cars, Importmodelle – jeder zeigt, was er hat. Selbst der neue Rolls-Royce Dawn erscheint einem plötzlich als gewöhnliches Auto, wenn man das teuerste Cabrio der Welt an jeder Ecke sieht.

Und während Golf-Urlauber James fluchend auf eine Lücke im dichten Verkehr wartet, stehen hunderte andere Autonarren am Straßenrand und lassen sich von den exklusivsten Oldtimern oder den rasenden Raritäten der Neuzeit begeistern.

Die meisten PS-Fans werden womöglich nie in ihrem Leben einen Koenigsegg live und in Farbe auf der Straße sehen. Doch hier und heute fliegt das Millionending aus Schweden sogar im Trio über die Privatstraße am Pazifikstrand.

Während sie in den Zelten rund um die elitäre Lodge von Pebble Beach letzte Hand an ihre PS-Pretiosen legen und sie mit Pinzette, Wattestäbchen und Zahnbürste gar vollends in den Concours-Zustand bringen, hört man aus den anderen Zelten im lichten Kiefern- und Cypressenwald der Insel den immer gleichen Singsang.

Es ist "Auktion Time" in Pebble Beach und der Hammer fällt in Akkord: Mehr als ein Dutzend Auktionshäuser versteigern im Minutentakt Heavy Metall aus Detroit, Supersportwagen, Youngtimer, Klassiker und solche, die es noch werden wollen. Vom Dodge Charger für ein paar tausend Dollar bis zum Ferrari, Porsche oder Shelby für einen zweistelligen Millionenbetrag.

Pebble Beach, Wörthersee, Goodwood & Co - die neuen Bühnen für PS-Premieren FOTO: dpa, loe

Rekorde und Überraschungen gehören da zur Tagesordnung, sagt Alain Squindo, der das operative Geschäft bei RM Sotheby's leitet und sich über einen weiteren Bestwert freuen kann: Der 1955 als LeMans-Sieger gefeierte Jaguar D-Type ist mit einem Transaktionspreis von 21,7 Millionen Dollar jetzt ganz amtlich das teuerste englische Auto aller Zeiten – selbst wenn Squindo eigentlich sogar noch mit ein bisschen mehr gerechnet hätte.

Der D-Type für 21 Millionen, ein Shelby für 12,5 Millionen, ein Porsche 959 für 1,2 Millionen – da kommt einiges zusammen: Wenn am Montag in Moterey alle Zelte abgebaut sind, dann haben mehr als tausend Autos die Besitzer gewechselt und es sind bald eine halbe Milliarde Dollar über den Tisch gegangen.

Über solche Preise kann Al Galbraith nur lachen. Er ist Initiator des Concours de LeMons und versammelt einen Tag vor dem glorreichen Defilee auf dem Green von Pebble Beach traditionell die schlimmsten Rostlauben, die skurrilsten Fehlkonstruktionen und die schrägsten Typen. "Wir wollen die besten Exemplare der schlechtesten Autos und die schlechtesten der Besten", umreißt er die Bandbreite der rund 100 Autos, die auf einer Wiese im Stadtpark aufgereiht sind.

Die außergewöhnlichsten Kühlerfiguren von Pebble Beach FOTO: Bugatti

Und weil sich deren oft sogar kostümierten Besitzer alle nicht ganz so ernst nehmen wir die stocksteifen Connaisseure und angespannten Collectors auf den Golf-Greens ist die Stimmung bei ihm besser und der Andrang größer als bei vielen anderen Events. "Dabei sind wir doch nur der schmierige Ölfleck auf der weißen Weste des Concours", sagt Galbraith mit jener Ironie, die auch seine Preisverleihung zu einem der Highlights der Monterey Car Week macht.

So voll es auf den Straßen der Peninsula die Woche über auch sein mag, wenn die PS-Parade zwischen "The Quail", dem Mazda Raceway von Laguna Seca pendelt, über den 17-Miles-Drive flaniert oder auf dem Weg zum "Big Sur" auf dem Pacific Coast Highway die Zuverlässigkeit der Oldtimer auf die Probe stellt - am Sonntag herrscht auf den anderen Straßen wieder gähnende Leere und alles drängt auf die Lodge.

Denn jetzt kumuliert die PS-Party und zum großen Finale trifft sich alle Welt auf den Green vor der Lodge. Mit Picknick-Korb und Klapphocker flanieren Tausende einen Sonntag lang zwischen den teuersten und edelsten Oldtimern der Welt, bevor am Nachmittag endlich der Sieger übers Podium fährt.
 
Golf-Urlauber James kann den Moment kaum erwarten. Nicht weil er sich für plötzlich doch für Autos interessieren würde. Sondern weil keine Stunde später die Gärtner kommen und das Green richten. Und ab morgen hat er endlich wieder Vorfahrt! 

(SP-X)
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