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MPU
Das Geschäft mit dem Idiotentest

Hintergrund: 15 Fragen aus dem "Idiotentest"
Hintergrund: 15 Fragen aus dem "Idiotentest" FOTO: shutterstock/ gwolters
Düsseldorf. Wer seinen Führerschein nur durch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung zurückbekommt, kann mit Vorbereitungs-Kursen unnötige Kosten sparen. Doch Vorsicht: Eine Expertin warnt vor unseriösen Angeboten. Von Susanne Hamann und Tim Specks

Das Angebot klingt verlockend. Man lernt eine fiktive Lebensgeschichte auswendig, trägt sie fehlerfrei vor und darf sich wieder hinter das Steuer seines Autos setzen. Immer mehr Anbieter versprechen Kunden, sie mit vorgefertigten Aussagen zu einer bestandenen Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, kurz MPU, zu bringen. "Der Markt für solche Angebote ist riesig", erklärt Verkehrspsychologin Karin Koch. Sie selbst bietet Vorbereitungen auf die Untersuchung an und hat solche Angebote schon in der Hand gehalten.

"Immer wieder kommen Menschen in die Praxis und zeigen mir die Abhandlungen, die sie durch die Prüfung bringen sollen." Natürlich hätten die angeblichen Bestehens-Garantien ihren Preis – bis zu 3000 Euro werden dafür verlangt. Doch die Expertin warnt: eine Garantie für einen bestandenen Idiotentest, wie ihn der Volksmund nennt, gebe es nicht.

Hohe Kosten für die MPU

Die Gründe dafür, dass immer mehr Menschen dennoch zu solchen zweifelhaften Angeboten greifen, liegen auf der Hand: 40 Prozent der Betroffenen fallen durch die MPU, zudem sind die Kosten für die Prüfung hoch – eine Wiederholung soll deshalb ausgeschlossen werden. Die Preise für die Untersuchung sind durch die Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr klar geregelt.

Hat man den Führerschein beispielsweise wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verloren, kostet die MPU derzeit rund 400 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Wer unter Drogeneinfluss erwischt wurde, zahlt inklusive Drogentest bei der untersuchenden Behörde etwa 500 Euro. Noch teurer wird es, wenn die Untersuchung nicht bestanden wird. Bei einer Wiederholung muss der gesamte Betrag erneut gezahlt werden.

Karin Koch rät dennoch davon ab, auf unseriöse Angebote zurückzugreifen. Neben unseriösen Anbietern, die mit einer Erfolgs-Garantie durch vorgefertigte Geschichten werben, gebe es auch Dienstleister, die nicht auf das schnelle Geld aus sind. Viele Psychologen bieten beispielsweise Vorbereitungs-Kurse an. Diese kosten zwar auch Geld – meist etwa 100 Euro pro Stunde bei rund zehn nötigen Stunden –, können aber verhindern, dass eine MPU wiederholt werden muss. Karin Koch spricht von einer Erfolgsquote von rund 90 Prozent. Sie rät, bei der Suche nach einem geeigneten Berater zunächst auf dessen Qualifikationen zu schauen. Auf Vorauszahlungen sollte man möglichst verzichten, da die genaue Zahl der nötigen Sitzungen nicht absehbar sei. "Außerdem sollte man darauf achten, ob der Psychologe wirklich auf konkrete Probleme des Betroffenen eingeht."

Karin Koch: Vorbereitungs-Kurse für MPU wichtig

Genau diese konkreten Probleme sind es, die über eine positive Bewertung in einer MPU entscheiden. "Im Gespräch soll nicht nur festgestellt werden, ob sich das Verhalten des Betroffenen verändert hat. Viel wichtiger ist, ob er Einsicht zeigt und die Ursachen seines Problems verstanden hat", erklärt Karin Koch. Vorbereitungs-Kurse seien wichtig, weil beispielsweise Fahren unter starkem Alkoholeinfluss darauf schließen lasse, dass der Alkohol auch das restliche Leben bestimme. Erst wer die grundlegende Ursache für den Führerschein-Entzug verstanden habe, könne die ursächlichen Probleme lösen.

Ob die Kurse tatsächlich zu einer Einsicht seitens der Betroffenen führen, lässt sich im Voraus nicht sagen. "Erstaunlicherweise sind diejenigen, die unter Alkoholeinfluss gefahren sind, meist unheimlich einsichtig und froh gewesen, dass nichts passiert ist", sagt die Expertin. Unter den Verkehrssündern höre man aber oft Ausreden wie falsch aufgestellte Verkehrs-Schilder.

Nach der Vorbereitung folgt die eigentliche Untersuchung. Sie teilt sich in vier Teile: schriftliche Befragung, medizinische Untersuchung, Leistungstests und eine psychologische Untersuchung. Häufig muss auch ein Abstinenznachweis eingereicht werden. Ein Durchfallen bedeutet nicht, dass man für immer auf den Führerschein verzichten muss: Die MPU kann beliebig oft wiederholt werden.

Quelle: RP
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