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100.000 Bestellungen
Das Stromauto für die Mittelschicht

Tesla Model 3 mit vielen Vorbestellungen: Das Mittelschicht-Stromauto
FOTO: Tesla
Los Angeles. Für den neuen Tesla 3 liegen über 100.000 Bestellungen vor. Die Daten des neuen Autos sind beeindruckend: Die Reichweite liegt bei 350 Kilometern, in sechs Sekunden beschleunigt das Auto auf 100 Stundenkilometer. Aber Tesla droht das gleiche Schicksal wie Apple. Von Reinhard Kowalewsky

Inzwischen sind es schon 276.000 Vorbestellungen vom Tesla Model 3

Eine gute Show ist alles im technikverliebten Amerika. Es gibt Tequila für die Gäste, überwiegend bisherige Kunden sind im Design Studio von Tesla in Los Angeles dabei, dann erscheint Gründer und Vorstandschef Elon Musk schwarzgekleidet auf der Bühne: "Wir haben ein großartiges Produkt, es wird Euch umhauen." Und tatsächlich kommen dann drei Tesla 3 auf die Bühne - das erste Elektroauto für die Mittelschicht mit einem Preis von 35.000 Dollar (umgerechnet 31.000 Euro).

Aktie klettert nach oben

Zumindest die Aktionäre sind zufrieden: Das Papier schoss am Freitag um fast sechs Prozent hoch - jetzt ist das erst 2003 gegründete Unternehmen fast 27 Milliarden Euro wert, mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung des 100 Jahre alten BMW-Konzerns. Viel wichtiger ist aber, dass Tesla mit dem Vorstoß den ganzen Markt in Bewegung bringt. "Hybrid-Wagen waren eine Totgeburt", sagt Ferdinand Dudenhöffer, auf Autobau spezialisierter Betriebswirtschaftsprofessor aus Duisburg, "jetzt kopieren alle die Tesla-Strategie, weil sich reine Elektrowagen langsam doch zum Alltagsprodukt entwickeln können."

Das Interesse für den Newcomer bestätigt den Trend. Rund 115.000 Interessenten hatten den Tesla 3 schon vor der Vorstellung gegen eine Reservierungsgebühr von 1000 Dollar bestellt - darunter auch einige Kunden in Düsseldorf. Mittlerweile zählt das Unternehmen mehr als 130.000 Reservierungen - eine beeindruckende Zahl, weil Tesla mit dem mehr als doppelt so teuren Modell S im Dezember nach mehreren Jahren Verkauf erst die Marke von 100.000 Wagen erreichte. Und dabei hat das neue Modell halbwegs überzeugende Qualitäten: Die Reichweite liegt bei 350 Kilometern, in sechs Sekunden beschleunigt das Auto auf 100 Stundenkilometer, fünf Passagiere können einsteigen, es gibt fünf Sterne in jeder amerikanischen Sicherheitskategorie. Und per Schnellladegerät ist ein kostenfreier Zugriff auf das Netz von Ladestationen möglich, das bis Ende nächsten Jahres auf 7200 Stück erhöht wird.

Die Zeit rennt weg

Dabei rennt Gründer Elon Musk allerdings gleich mehrfach die Zeit weg: In den USA könnte die Steuergutschrift von 7500 Dollar pro Wagen schon in einiger Zeit wegfallen. Der Aufbau der eigenen Produktion läuft zwar schnell, aber gemessen an der Nachfrage ist er viel zu langsam: Die Auslieferung größerer Chargen beginnt erst Ende nächsten Jahres. 2018 könnten dann rund 50.000 Wagen vom Fließband rollen. Aber in vier Jahren wäre immerhin eine Produktion von etwa einer halben Million Stück möglich - auch das wären nur fünf Prozent der Auslieferung von Volkswagen im Jahr. Die fünf Milliarden Dollar teure Batteriefabrik in Nevada mit dem Partner Panasonic wäre dann gut ausgelastet - auch ein Montagewerk im niederländischen Tilburg käme dann zunehmend in Schwung.

Tesla könnte es indes so gehen wie Apple: Der Pionier erfand mit dem iPhone praktisch den Markt der Smartphones, aber mittlerweile liegt der Konkurrent Samsung bei der Stückzahl weit vorn.

2,5 Milliarden Dollar Verluste

Tesla hat rund 2,5 Milliarden Dollar an Verlusten angehäuft, frühestens 2020 erwartet Musk Gewinne - weiteres Wachstum ist also alles andere als leicht finanzierbar. Dabei muss der Autokonzern gerade das Netz der Ladestationen noch mehr ausbauen als geplant: Weil Käufer anders als die jetzige Luxus-Klientel seltener ein Eigenheim und einen Zweitwagen mit Spritantrieb haben, und weil das einfachere Modell 150 Kilometer weniger Reichweite hat, muss gehandelt werden.

Hinzu kommt, dass die Konkurrenz im jungen Markt stärker wird. VW vermarket den E-Golf, der zumindest beim Preis mithält, aber nur knapp 200 Kilometer Reichweite hat. BMW greift mit dem i3 an, der aber nur 230 Kilometer Reichweite erlaubt. Als Massenprodukt will General Motors den Chevrolet Bolt schon dieses Jahr auf den Markt drücken, der zu einem Preis wie der Tesla 3 ähnlich weit fahren soll. Es werde das "erste Elektroauto, das große Reichweite zu einem erschwinglichen Preis liefert", freut sich GM-Chefin Mary Barra. In Deutschland wird der Wagen Opel Ampera E heissen.

Die auf Dauer größten Konkurrenten könnten selbstfahrende Elektroautos von Google oder Apple sein. Musk sieht die Gefahr. Darum hat der Tesla 3 eine Grundaustattung für Fahren per Autopilot - nur die Software fehlt. Vielleicht wird sie ja von Apple oder Google kommen.

Quelle: RP
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