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Tesla Elektroautos
Der Schrecken der Auto-Industrie

Tesla Model S
Tesla Model S FOTO: Tesla Motors
San Francisco. Tesla hat die Automobilbranche revolutioniert. Technisch ist das Elektroauto-Start-up der Konkurrenz enteilt. Wie konnte das passieren? Von Florian Rinke

Im Grunde sagt der Name schon alles: "Renaissance Center" hat General Motors seinen neuen Firmensitz genannt - Wiedergeburt. 2009 hatte der ehemals weltgrößte Autohersteller Insolvenz anmelden müssen. Inzwischen ist er zwar zurück in der Spur, doch der Glanz wollte nicht in die alte Auto-Hauptstadt Detroit zurückkehren. Denn während GM an alte Traditionen anknüpft, wird die Zukunft längst andernorts geschrieben.

Je näher man dem rund 3500 Kilometer von Detroit entfernten Silicon Valley kommt, desto mehr ändert sich das Bild auf den Straßen. Die für die USA typischen Pick-ups werden seltener, dafür überholen regelmäßig glänzende Sportwagen, deren Heck ein "T" ziert - T für Tesla.

Das 2003 gegründete Start-up hat mit seinem Elektroauto Model S die Autobranche revolutioniert. Selbst deutsche Premiumhersteller haben die Kalifornier abgehängt. In den USA sei im ersten Halbjahr kein Oberklasse-Fahrzeug außer der Mercedes S Klasse häufiger verkauft worden als der Tesla, haben die Autoexperten des CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen errechnet. Allein von April bis Juni lieferte Tesla 11 532 Wagen aus - so viele wie nie zuvor. Während Tesla von einem Absatzrekord zum nächsten eilt, sucht die Branche nach einer Antwort auf das, was ihnen Elon Musk, der mit dem Online-Bezahldienst Paypal reich wurde, mit Tesla präsentiert hat.

Das, was der gebürtige Südafrikaner und seine Ingenieure in den Werkstätten ausgetüftelt haben, hat nichts mit einem Anknüpfen an alte Traditionen zu tun. Der Tesla ist die kompromisslose Antwort auf das Mega-Thema der Zukunft: E-Mobilität. In der Branche wurde Musk belächelt, als er mit Tesla 2003 antrat, um das beste Elektroauto der Welt zu bauen. Doch genau das ist ihm gelungen - obwohl er eigentlich keine Ahnung von Autos hatte.

Im Grunde war das ein Vorteil: Während andere Hersteller ihre Modelle oft noch mit einem Verbrennungsmotor ausstatteten, damit sie auch längere Distanzen fahren können, hat Tesla so lange an seiner Technologie getüftelt, bis ein reines Elektroauto marktreif war. Die Modelle - neben dem Sportwagen gibt es inzwischen auch einen SUV - wurden komplett neu gedacht. Dabei ist im Grunde ein Tablet auf vier Rädern entstanden - die bislang beste Symbiose von Software und Auto. Weil es ohne Verbrennungsmotor weniger Verschleiß gibt, muss das Fahrzeug seltener in die Werkstatt, Software-Updates werden drahtlos über Nacht aufgespielt. Betankt wird das Fahrzeug entweder aus der eigenen Steckdose - oder in rund 30 Minuten an den Schnelllade-Tanksäulen, die Musk aktuell weltweit aufstellen lässt. Dort können Tesla-Besitzer ihr Fahrzeug kostenlos aufladen.

Das Konzept beeindruckt die Experten. "Erst Tesla hat die Elektromobilität in die Automobilbranche gebracht", sagt Stefan Bratzel, Automobil-Experte von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Das Infrastruktur-Dilemma der fehlenden Auflademöglichkeit, mit dem E-Auto-Hersteller wie VW, BMW oder Audi zu kämpfen hätten, habe Tesla umgangen.

Noch ist das Unternehmen mit seinem rund 80.000 Euro teuren Model S nur ein Nischenanbieter, der aktuell schon wieder einen Verlust von 184 Millionen Euro für das vergangene Quartal vermelden musste. Auch die Absätze sind kaum vergleichbar mit den Stückzahlen, die VW und Co. umsetzen. Hinzu kommt: Die Absatzprognose von 55.000 Fahrzeugen musste Musk nun um 5000 nach unten korrigieren. Das ist typisch für den Südafrikaner, der dazu neigt, zu viel zu versprechen und Zeitpläne nicht einzuhalten. Dennoch lässt Musk keinen Zweifel daran, dass er Tesla langfristig zu einem Massenhersteller ausbauen will.

Auto-Experte Bratzel ist überzeugt, dass sich in den nächsten drei Jahren zeigen wird, ob Tesla mehr sein kann als die Vision eines Milliardärs. Leicht wird es nicht. "Die Komplexität steigt ungemein, wenn man statt 50.000 plötzlich 500.000 Fahrzeuge produzieren will", sagt Bratzel.

Quelle: RP
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