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VW-Abgasskandal
Volkswagen-Rückruf für nur 60 Euro pro Auto?

Diese Marken gehören zu Volkswagen
Diese Marken gehören zu Volkswagen FOTO: dpa, woi vfd tmk
Düsseldorf. Die Aufarbeitung der Abgas-Affäre könnte für VW günstiger werden als zunächst gedacht. Wurde anfangs über Reparaturkosten von 1000 Euro pro Fahrzeug spekuliert, geht es nun um einen Bruchteil. Von Florian Rinke

Der Rückruf von 8,2 Millionen Diesel-Fahrzeugen könnte für Volkswagen ein echtes Schnäppchen werden. Zugegeben, das Wort Schnäppchen klingt im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre, die den Autohersteller Milliarden kosten könnte, zunächst etwas unpassend - und ist doch treffend.

Während Experten zu Beginn der Abgas-Affäre noch darüber diskutierten, ob das Nachrüsten nun 200, 300 oder gar 1000 Euro pro Fahrzeug kosten wird, wird nun mit deutlich weniger kalkuliert. Rund 61 Euro dürften pro Fahrzeug im Schnitt anfallen, behauptet der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen: "Nach unseren Berechnungen dürften die Kosten für die Rückrufaktion der 8,2 Millionen Diesel-Fahrzeuge in Europa insgesamt um die 500 Millionen Euro liegen."

Das ergibt pro Kunde jene rund 61 Euro - und dabei hat Dudenhöffer Kosten für Leihwagen oder ähnliches berücksichtigt.

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Bestätigen will man die Berechnungen bei VW noch nicht, als völligen Quatsch will sie ein VW-Sprecher jedoch auch nicht bezeichnen. Er sagt stattdessen: "Wir können es aktuell noch nicht abschätzen." An der Höhe der Rückstellungen, immerhin 6,7 Milliarden Euro, soll sich zunächst nichts ändern.

Das Kraftfahrtbundesamt, also die zuständige Behörde in der VW-Affäre, hatte gestern die Umbaupläne laut Volkswagen abgesegnet. Damit kann das Unternehmen wie geplant im Januar 2016 mit dem Rückruf der rund 8,2 Millionen Wagen mit 1,6- und 2,0-Liter-Motoren beginnen.

Während bei den 2,0-Liter-Motoren eine etwa halbstündige Software-Aktualisierung ausreichen soll, muss bei den kleineren 1,6-Liter-Maschinen auch ein so genannter Strömungstransformator eingebaut werden - eine kleines Rohr mit einem Gitter.

Eine Stunde sei für die Umrüstung nötig, kalkuliert VW. "Ziel war eine kundenfreundliche Lösung", sagt der Sprecher. Schöner Nebeneffekt: Die Lösung ist auch herstellerfreundlich. "Die Reparaturen dauern zwischen 30 und 60 Minuten", sagt Ferdinand Dudenhöffer: "Da nehmen sich die wenigsten Kunden einen Leihwagen für." VW kann so Kosten sparen.

Das freut auch die Anleger. In den vergangenen Tagen hat sich der Kurs der VW-Aktie deutlich erholt. Während das Papier am 12. November noch bei knapp 95 Euro notierte, ist der Kurs inzwischen wieder auf 120 Euro geklettert. Gute Nachrichten also für den neuen Konzernchef Matthias Müller, der zuletzt immer mehr in die Kritik geriet.

Doch die günstige Umrüstung könnte für die Kunden auch unerwünschte Folgen haben, glaubt Auto-Experte Dudenhöffer: "Der schwarze Peter wandert zu den Kunden, weil entweder die Leistung der Fahrzeuge sinkt oder der Verbrauch steigt." VW bestreitet dies zwar: Tests hätten keine Nachteile ergeben, heißt es: "Wir sind zuversichtlich, dass wir dies auch bei allen anderen Modellvarianten hinbekommen."

Quelle: RP
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