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"Konzertierte Aktion"
VW will Elektroautos in Deutschland voranbringen

Probefahrt im BMW i3
Probefahrt im BMW i3 FOTO: Hersteller
Wolfsburg . Volkswagen hat angekündigt, die Elektromobilität voranzutreiben - auch mit Blick auf den Abgas-Skandal. Nun fordert Markenchef Diess eine "konzertierte Aktion" der gesamten Branche. Es geht um eine Schlüsseltechnologie.

Angesichts des Rückstands der deutschen Autoindustrie bei der Fertigung von Batterien für Elektroautos hat Volkswagen ein Umdenken gefordert. "Ich bin der Meinung, wir brauchen eine Batteriefertigung in Deutschland.

Das ist die Kerntechnologie der Elektromobilität", sagte VW-Markenchef Herbert Diess in Wolfsburg der Deutschen Presse-Agentur. "Ein großer Teil der Wertschöpfung wird in Zukunft die Batterie sein. Insofern fände ich eine konzertierte Aktion richtig."

Für ein einzelnes Unternehmen seien Investitionen in eine eigene Zellfertigung schwer darstellbar, sagte Diess. Es gebe dazu Gespräche mit der Politik. "Auch innerhalb der Industrie zusammenzuarbeiten, kann man sich schon vorstellen." Dabei geht es um die neue Generation der Batteriezellen.

Probefahrt im Golf GTE mit Hybrid-Antrieb FOTO: Hersteller

Um mehrere Millionen Zellen herzustellen, sei ein Investitionsvolumen von mindestens einer Milliarde Euro erforderlich, hieß es im Fortschrittsbericht der "Nationalen Plattform Elektromobilität", einem Beratungsgremium der Bundesregierung, vom vergangenen Jahr.

Zellen von Batterien gelten als Schlüssel für den Durchbruch von Elektroautos, weil sie bislang die Reichweite begrenzen und die Fahrzeuge teuer machen. Deutschland droht aber bei der Zellfertigung abhängig vor allem von asiatischen Herstellern zu werden.

Die größten Produzenten von Batteriezellen stammen inzwischen aus Fernost. Firmen wie Samsung, LG oder Panasonic können hier Größenvorteile ausnutzen, weil sie nicht nur für E-Autos, sondern auch für Batterien in Handys, Laptops und Tablets produzieren. Der E-Auto-Pionier Tesla baut in den USA zusammen mit Panasonic die bislang größte Zellfertigung der Welt auf, die 2017 starten soll.

Die wachsende Produktion macht die Zellen der aktuellen Generation billig, einen Neueinstieg aber umso teurer. Daimler, der bislang einzige auf diesem Feld tätige deutsche Hersteller, will deshalb zum Jahresende die Zellenproduktion im sächsischen Kamenz einstellen.

Diese Marken gehören zu Volkswagen FOTO: dpa, woi vfd tmk

Ändern könnte sich die Lage, wenn neue Generationen von Zellen auf den Markt kommen. Dann könnten sich Investitionen in neue Produktionsstandorte wieder lohnen, heißt es in der Branche.

Betriebsräte der Autobauer hatten wiederholt eine eigene Batterie-Zellfertigung gefordert. Am Dienstag trifft sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Daimler-Standort Gaggenau in Baden-Württemberg mit Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht sowie dessen Amtskollegen bei VW und Porsche, Bernd Osterloh und Uwe Hück. Dort geht es auch um das Thema Elektromobilität.

"Eine Aufholjagd ist aufwendig und dauert, aber wir dürfen keine Zeit verlieren", sagte Diess. Volkswagen hatte als Reaktion auf den Abgas-Skandal angekündigt, Zukunftstechnologien vorantreiben zu wollen. Dazu zählt auch die Elektromobilität. Die Verkaufszahlen von Elektroautos in Deutschland sind immer noch sehr gering. Anders als in anderen Ländern gibt es keine Kaufprämien.

"Es klingt hart, aber aus heutiger Sicht besteht die Gefahr, das nicht Deutschland der Leitmarkt für Elektromobilität sein wird, sondern nach Stand der Dinge möglicherweise China", sagte Diess. Dort gebe es hohe Förderungen.

Mercedes B-Klasse Electric Drive - unauffälliger Stromer FOTO: Hersteller

Der Automobilstandort Deutschland dürfe sich nicht abhängen lassen. "Das Know-how und die richtigen Fahrzeuge haben wir in Deutschland, aber ohne eigenen Markt werden wir es nicht schaffen. Ich bin deshalb für Kaufanreize für Elektroautos in Deutschland - wie die konkret aussehen, darüber muss man reden."

Auch VW-Betriebsratschef Osterloh forderte in dem Doppelinterview Kaufanreize: "Wir brauchen natürlich höhere Stückzahlen, damit es sich lohnt."

 

(dpa)
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