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Oldtimer
Jaguar E-Type Reborn - besser als neu

Jaguar E-Type Reborn - Klassiker runderneuert
Jaguar E-Type Reborn - Klassiker runderneuert FOTO: Jaguar
Essen. Die Autohersteller haben längst das Geschäft mit der Tradition entdeckt. Jaguar ist nun sogar in das Geschäft mit Restaurationen eingestiegen. Dabei geht es aber um mehr als den Verkauf von teuren Oldtimern. Von Holger Holzer

Das vielleicht schönste Auto aller Zeiten erstrahlt in neuer Schönheit: Wie frisch vom Band wirkt der silberfarbene Jaguar E-Type Serie 1, als ihm auf der Oldtimermesse Techno Classica in Essen das Premierentuch vom Blech gezogen wird.

Dabei ist der Debütant schon gut 50 Jahre alt und über 125.000 Kilometer gelaufen. Der Sportwagen ist ein sogenanntes "Reborn"-Modell, ein von Jaguar komplett zerlegter und von Grund auf restaurierter Klassiker. Zehn Stück davon wird es zunächst geben. Stückpreis: mindestens 332.832 Euro.

Kein Schnäppchen also, gibt Tim Hannig zu. Der Direktor von Jaguar Land Rover Classic sieht aber einen Gegenwert. "Das Auto ist absolut perfekt. Sogar ein bisschen besser als das Original."

Jaguar XK-Sportwagen - die britische Raubkatze wird 66 FOTO: Hersteller

In sieben Sekunden auf 100 km/h

Den Spurt auf 100 km/h absolviert der Runderneuerte E-Type mit seinem 268 PS starken Sechszylinder auch nach einem halben Jahrhundert noch in rund sieben Sekunden, erst bei 240 km/h ist Schluss mit der Beschleunigung. Und das Beste: Der Wagen springt nun immer an.  

Rund neun Monate Arbeit haben die Spezialisten seines Teams in den E-Type gesteckt, jede Schraube gelöst, jedes Zahnrad demontiert. Alle Teile wurden überprüft, aufpoliert und gegebenenfalls durch neue ersetzt. So sorgfältig, wie es nur der Fahrzeughersteller kann.

"Wir haben auf alte Pläne zurückgriffen, alte Werkzeuge genutzt und teilweise sogar Komponenten bei den alten Zulieferern fertigen lassen", betont David Williams, der mit der Restaurierung des Sportwagens betreut war. Entsprechende Erfahrung haben die Briten bereits bei zwei vorangegangenen Projekten gesammelt: den Restaurationen eines Range Rover und eines Land Rover der ersten Serie. Beide Modelle werden ebenfalls in geringer Stückzahl renoviert und verkauft.

Fotos: Klassiker fahren für ein paar Stunden FOTO: Christian Roth/dpa

Vieles, vor allem Blechteile, mussten aber ganz neu angefertigt werden. Ein Aufwand, der sich lohnen soll. "Unser Ziel ist es, dass das Programm sich über den Verkauf der Autos finanziert", sagt Hannig. Richtig lohnend ist die eingehende Beschäftigung mit der eigenen Tradition aber auch aus einem anderen Grund, gibt er zu.

1,5 Millionen klassische Jaguar und Land Rover

Die nicht mehr verfügbaren Ersatzteile, die während der Restaurierung entwickelt und gebaut wurden, füllen das über die Jahrzehnte lückenhaft gewordene Sortiment von Jaguar Land Rover wieder auf. Die Marken haben in der Vergangenheit viele Wandel erlebt und sind durch zahlreiche Hände gegangen – dabei gingen Knowhow, Pläne und Maschinen verloren.

Wer Ersatzteile brauchte, hatte in den vergangenen Jahren mehr Chancen bei einem der vielen Markenclubs als beim Hersteller selbst. Das soll sich wieder ändern. "Wir wollen Enthusiasten künftig wieder besser unterstützen", betont Hannig. Und natürlich deren Bindung an die britischen Marken stärken. Das gilt auch für deutsche Fans. In Essen soll noch im laufenden Jahr das erste Classic Center der Marke außerhalb britischen Territoriums eröffnen.

Fotos: Faszinierende Oldtimer vor traumhafter Kulisse FOTO: kitzbüheler alpenrallye – ritsch/mecon

Dass Jaguar mit dem Einstieg ins Restaurationsgeschäft kleine und mittelständische Oldtimer-Betriebe vor den Kopf stößt, befürchtet Hannig nicht. Rund 1,5 Millionen klassische Jaguar und Land Rover gebe es, rechnet er vor. Bei rund 650.000 davon lohne sich eine Restauration mindestens aus Liebhaberei.

Gehe man davon aus, dass die Fahrzeuge alle 25 Jahre restauriert würden, entspräche das einem Markt von 26.000 Autos pro Jahr. Mit ein paar Dutzend Hersteller-Restaurationen bringe man den Markt nicht durcheinander, so Hannig. Auch nicht, wenn das Programm an Reborn-Fahrzeugen, wie offensichtlich geplant, ausgebaut wird.

Welche Modelle das sein werden, sagt Hannig noch nicht. Neben der Ikone E-Type dürften sich jedoch genug Klassiker im Programm der Briten finden. 

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(SP-X)
 
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