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Liebhaber-Stück
Subaru Libero - ein Auto wie ein Schweizer Taschenmesser

Subaru Libero - kaum einer ist so flexibel
Subaru Libero - kaum einer ist so flexibel FOTO: dpa, loe
Düsseldorf. So ein Auto baut man nur einmal in 100 Jahren: Der kleine Alleskönner Libero ist zwar nicht das erfolgreichste, aber ganz sicher das innovativste und ungewöhnlichste Fahrzeug, das Subaru seit der Gründung 1917 auf den Weg gebracht hat.

Subaru ist eine facettenreiche Marke. Begonnen haben die Japaner im Frühjahr 1917 mit einem Konstruktionsbüro für Flugzeuge. Das baute für die japanische Luftwaffe bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fast 26.000 Kampfflieger. Nachdem man in den 1950er Jahren auf den Bau von Autos umsattelte, sind sie vor allem mit Allradfahrzeugen bekannt geworden.

Und die Fans lieben sie dafür, dass sie dem Boxermotor die Treue halten. Doch für all das gibt es Parallelen bei anderen Herstellern: Flugzeuge zum Beispiel baut Honda auch. Wer nach Allradlern sucht, kann auch auf Audi kommen. Und beim Boxer denkt man lange vor dem Legacy wohl an den Porsche 911.

Vielfältig, variabel und pfiffig

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Aber wohl kein anderer Pkw war so vielfältig, variabel und pfiffig wie der Libero - die automobile Entsprechung zum Schweizer Offiziersmesser. Gestaltet wie ein Schuhkarton auf Rädern und nicht viel größer als ein Schmuckkästchen, hat er schon ein halbes Dutzend Fahrzeuggattungen vereint, als man Crossover noch nicht einmal buchstabieren konnte.

Denn der gerade einmal 3,42 Meter lange Libero ist nicht nur ein König der Raumausnutzung, sondern auch ein Meister der Möglichkeiten - mit so viel Sitzplätzen wie ein VW Bus, so viel Stauraum wie ein Kombi, so viel Frischluft wie ein Cabrio, mit Schiebetüren wie ein Transporter und einem Aktionsradius wie ein Geländewagen.

Begonnen hat die Geschichte in Japan als Sambar bereits in den 1960ern mit einem gerade mal 2,99 Meter kurzen Kleinstwagen, sagt Subaru-Pressesprecherin Andrea Wolf. Bis er 1983 in der dritten Generation nach Deutschland kam, war er zwar um 43 Zentimeter gewachsen.

Doch dass man auf weniger als fünfeinhalb Quadratmetern Verkehrsfläche tatsächlich sechs, mit einem großzügigen Tüv-Prüfer sogar sieben Menschen unterbringen konnte, war den Teutonen neu.

Sogar mit Konferenzbestuhlung

Der in einer Befragung von 30.000 Kunden ermittelte Name "Libero" ist Programm: Bei der Einrichtung bietet er alle Freiheiten. Die mittlere Sitzreihe etwa ließ sich zugunsten eines Liegesitzkomforts für die Fahrgäste im Fond zurückklappen. Zwei umgelegte Sitzreihen ergaben ein Doppelbett.

Und dank der drehbaren Frontsitze entstand eine Konferenzbestuhlung. Und wer alle rechten Sitzlehnen umgeklappt hatte, konnte Leitern oder Latten von 2,64 Metern laden. Selbst nach oben ist der Libero offen. Denn wem 1,90 Meter Bauhöhe nicht genügt und wer nicht nur aus den "Alpine Windows" an der Dachkante schauen will, der öffnet ein großes Schiebedach und lädt durch die Decke.

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Kein Sportwagengefühl

So grandios das Karosseriekonzept, so bescheiden ist sein Antrieb, der so ins Heck geschustert ist, dass man zum Service den Stoßfänger herunterklappt. Selbst in der stärksten Ausbaustufe zum Ende seiner Karriere ist vom zuletzt 40 kW/54 PS starken und 1,2 Liter großen Dreizylinder bei einem Sprintwert von 18 Sekunden von 0 auf 100 km/h und fast einer Tonne Fahrzeuggewicht natürlich kein Sportwagengefühl zu erwarten.

Aber dank des kurz übersetzten Getriebes fühlt man sich flott. Selbst wenn am Ende doch nur 128 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht werden. Doch wie es sich für einen Subaru gehört, kann man einen Allradantrieb zuschalten.

Wie genial das Konzept des kleinen Kastens war, sieht man nicht zuletzt an den Zahlen in Deutschland, sagt Heinrich Kühme aus Porta Westfalica. Er betreut das Fanportal Liberalix.

Obwohl das 1993 noch einmal erneuerte und dabei auf 3,52 Meter gestreckte Minimobil mit einem Preis von teilweise über 25.000 D-Mark kein Schnäppchen war, hat es sich bis 1998 immerhin 22.442 Mal verkauft. Dann hat Subaru den Libero ohne Nachfolger vom Markt genommen, weil die Japaner eine Neuentwicklung unter verschärften Crashnormen gescheut haben.

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"Das Konzept mit Frontlenker mit Heckantrieb ist da ja nicht so einfach", sagt Kühme. "Ob das die richtige Entscheidung war, ist angesichts der Subaru-Verkaufszahlen in Deutschland und der ständigen Nischensuche anderer Hersteller allerdings sehr fraglich."

Viel ist von dieser Flotte allerdings nicht mehr geblieben, so Kühme und zitiert die aktuelle KBA-Statistik, die noch einen Bestand von gut 900 Fahrzeugen ausweist. Mit stark sinkender Tendenz.

Familienkutsche, Möbelwagen, Abenteuerauto oder Cabrio

Das liegt nicht nur am Rost, der laut Kühme beim Libero nicht schlimmer ist als bei anderen Autos aus dieser Zeit. Und auch nicht an der teilweise etwas fragilen Technik. Sondern das ist nicht zuletzt dem universellen Talent des Libero geschuldet.

Weil es einfach kein praktischeres Auto gebe, sei ein Libero eigentlich immer im Einsatz, so Kühme. "Egal ob als Familienkutsche, als Lastesel, als Möbelwagen, als Abenteuerauto oder als Cabrio hat er deshalb oft jede Menge Kilometer geschrubbt und viele Blessuren erlitten."

Und daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Denn einen Libero stellt man nicht poliert in die Garage, sondern fährt ihn auch als Youngtimer Tag für Tag, ist der Experte überzeugt. "Und wenn man nicht selbst fährt, dann leiht ihn der Nachbar, weil er gerade zu sechst ist, eine Waschmaschine holen oder einen Umzug erledigen muss."

Wer jetzt noch einen Libero sucht, muss sich deshalb mit hohen Laufleistungen anfreunden. Und damit, dass er ganz sicher nicht alleine ist. Denn wer einmal einen Libero gefahren hat, der will ihn nicht mehr missen. Sobald ein Auto mal das zeitliche segnet, ist man deshalb auf der Suche nach einem neuen, sagt der Sammler.

Ein vergleichsweise seltenes Auto

Kein Wunder also, dass man für die kuriosen Kästen mittlerweile bis zu 6000 Euro zahlen muss. Allerdings bekommt man dafür auch ein vergleichsweise seltenes Auto. Selbst von der 20 Jahre älteren Mercedes Pagode gibt es noch viermal so viele im Land.

In letzter Zeit ist das Interesse am Libero sogar noch einmal gestiegen, hat Kühme beobachtet. Weniger wegen des 100. Geburtstags von Subaru. Sondern mangels Alternativen. "Es gibt einfach kein anderes Auto, das alles das so kann wie ein Libero."

(csr/dpa)
 
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