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Erdgas und Flüssiggas
Autos mit CNG- und LPG-Antrieb - das sind die Vorteile

Erdgas und Flüssiggas: Autos mit CNG- und LPG-Antrieb - das sind die Vorteile
Mit Erdgas (CNG) oder Flüssiggas (LPG) lässt sich Geld sparen. FOTO: dpa, loe
Düsseldorf. Autos mit Erdgas- oder Autogasantrieb sind selten auf deutschen Straßen. Einen Durchbruch haben sie bislang noch nicht feiern können. Warum eigentlich? Es sprechen schlagkräftige Argumente für sie.

Der Diesel ist seit dem VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte in Verruf. Auch bei Benzinern mogelten die Wolfsburger.

Andere Hersteller stehen ebenso unter Verdacht, bei der Ermittlung des Normverbrauchs äußerst trickreich vorzugehen. Da dürfte sich mancher Autofahrer Gedanken über eine andere Antriebsart machen - vielleicht über ein Gasauto.

Pkw, die mit dem Autogas genannten Flüssiggas (LPG - Liquefied Petroleum Gas) fahren, sind schon Jahrzehnte auf dem Markt. Erdgasfahrzeuge (CNG - Compressed Natural Gas) sind dagegen vergleichsweise jung. Beide jedoch konnten sich als Alternative zu Benziner oder Diesel noch nicht etablieren.

Insgesamt fahren auf deutschen Straßen laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) um die 500.000 LPG-Autos, mit CNG werden unter den Bestandsfahrzeugen etwa 100.000 befeuert. Der Pkw-Gesamtbestand liegt bei 44,4 Millionen.

Skoda Octavia 1,4 G-Tec - sauber mit Erdgasantrieb FOTO: Hersteller

Gleichwohl ist vor allem das Angebot an CNG-Fahrzeugen in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Die Initiative Erdgas Mobil listet auf ihrer Webseite 22 Pkw-Modelle. Nutzfahrzeuge vom Lieferwagen bis zum Linienbus sind ebenfalls mit CNG unterwegs.

Höhere Anschaffungskosten 

Das Angebot an Autogasmodellen ab Werk liegt bei derzeit 67, sagt Rainer Scharr, der Vorsitzende des Deutschen Verbands Flüssiggas (DVFG). Auch Nachrüstlösungen gibt es. Dabei ist es weit komplizierter und teurer, auf Erdgas statt auf Autogas umzusatteln. Auf LPG umzurüsten, koste im Schnitt zwischen 1800 und 2800 Euro, so der DFVG.

Vor allem in den geringeren, steuerbegünstigten Kraftstoffkosten liegt das Sparpotenzial von Gasautos. Nur muss man sie lange genug fahren, um höhere Anschaffungskosten wieder reinzufahren. Als Neuwagen sind sie in der Regel um mehrere Hundert bis einige Tausend Euro teurer als vergleichbare Benziner. Gegenüber Diesel gibt es oft nur einen geringen Preisunterschied. Mehr- oder Umrüstungskosten von ca. 2500 Euro seien zum Beispiel laut dem Flüssiggas-Verband bei einem Kleinwagen nach 68.000 Kilometern, in der Kompaktklasse nach 56.500 Kilometern oder bei einem Fahrzeug der Mittelklasse nach 48.000 Kilometern kompensiert.

"Der Energiegehalt von einem Kilo Erdgas entspricht 1,5 Liter Benzin beziehungsweise 1,3 Liter Diesel", sagt Timm Kehler, Vorstand bei der Initiative Zukunft Erdgas. "Im Vergleich zu Benzin sparen Erdgasfahrer nahezu die Hälfte, gegenüber Diesel knapp ein Drittel der Spritkosten", so Kehler.

10 Gasautos im Kostenvergleich FOTO: Hersteller

Auch unter den Gassorten macht als günstigster Treibstoff CNG das Rennen, denn der Verbrauch von LPG liegt vergleichsweise hoch. Laut ADAC kann die Differenz gegenüber einem Benziner je nach Motor, Autogasanlage oder Gaszusammensetzung bei bis zu 30 Prozent liegen. Wie effizient gerade Erdgas als Treibstoff gegenüber den anderen Kraftstoffarten also ist, muss man sich erst einmal vor Augen halten. Offensichtlich ist das nicht.
"Wenn ein Kilogramm Erdgas 1,00 Euro kostet, so entspricht dies einem Superbenzin-Preis von ca. 0,70 Euro pro Liter", veranschaulicht der ADAC.

Wenig Tankstellen für Erdgas

Höher können allerdings die Wartungskosten ausfallen. Gasautos müssen teils öfter zur Inspektion. Die sogenannten Gasanlagenprüfung (GAP) wird in der Regel im Zuge der Hauptuntersuchung (HU) durchgeführt.
Die Lebensdauer von Erdgasdruckbehältern ist generell auf 20 Jahre beschränkt.

Ein Argument gegen Gasfahrzeuge ist das dürftige Tankstellennetz. LPG-Autos trifft das weniger: "Mit bundesweit über 6900 Tankstellen kann fast an jeder zweiten Tankstelle Autogas getankt werden",sagt Scharr. Dagegen kann der Fahrer eines CNG-Autos bundesweit nur an über 900 Tankstellen nachfüllen. Autos mit Autogas sind fast immer bivalent ausgelegt: Sie haben einen weiteren Tank für Benzin an Bord.

Im Falle von Nachrüstungen ist das sogar immer der Fall. Unter den Erdgasautos gibt es häufiger aber auch sogenannte quasimonovalente Modelle, die nur über einen kleinen Nottank für Benzin verfügen. Mit Blick auf Urlaubsfahrten im eigenen Pkw sollte bedacht werden: Mit Ausnahme von Italien, der Schweiz, Österreich und Polen ist Erdgas kaum verfügbar. Autogas ist auch im Ausland gewöhnlicher.

Negativ ins Gewicht fällt bei CNG-Autos folglich umso mehr, dass ihre Gesamtreichweite oft nicht höher als 400 bis 600 Kilometer im Gasbetrieb beträgt. Wer dagegen mit einem zweiten vollen Tank für den Benzinbetrieb unterwegs ist, kommt insgesamt meist über 1000 Kilometer weit - egal, ob der Antrieb wahlweise auch mit CNG oder LPG funktioniert.

Beide Gassorten sind besser umweltverträglich als Diesel und Benzin. Im Vergleich zum Benzin-Direkteinspritzer könne durch die Verwendung von Autogas die Partikelmasse um 74 Prozent reduziert werden, so der DVFG. Der Stickoxid-Ausstoß werde um etwa 12 Prozent verringert.

Deutlich weniger Dreck aus dem Auspuff

Autogas verbrenne außerdem mit verminderten CO2-Werten: In der Gesamtbetrachtung - von der Bereitstellung bis zur Verbrennung - emittiere Autogas 21 Prozent weniger CO2 als Benzin. "Erdgasfahrzeuge setzen kaum Rußpartikel und keine Feinstaubemissionen frei", sagt Timm Kehler von Zukunft Erdgas. Der Kraftstoff emittiere rund 20 Prozent weniger CO2 als Benziner und 50 bis 95 Prozent weniger Stickoxide als Dieselautos.

Wie steht es aber mit der Angst, ein Gasauto könne in die Luft fliegen? Solche Vorfälle gibt es. Vor allem Rostbefall kann die robust gefertigten Gasbehälter instabil werden lassen. In einem Fall vom Sommer 2014 waren es Ablagerungen in einem Ventil, die zur Explosion eines LPG-Tanks führten. "Das sind absolute Einzelfälle", sagt DVFG-Sprecherin Ursula Megies. Bei Unfalltests sei mehrfach belegt worden, dass die Gastanks crashsicher seien.

An der Zapfsäule freuen sich vor allem Erdgasfahrer. Zum einen stellen sie fest, dass je nach Modell oft vier Euro genügen, um 100 Kilometer weit zu kommen. Und ihre weiße Umweltweste ist umso weniger befleckt, je höher der Anteil an Biomethan ist. Denn kommt zu 100 Prozent synthetisch hergestelltes Gas in den Tank, sind Autofahrer sogar C02-neutral unterwegs. Das schafft beim derzeitigen Strommix noch nicht einmal ein Elektroauto.

(dpa)
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