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ADAC-Experte erklärt
So fahren Sie richtig bei Schnee und Glätte

Fotos: Schnee sorgt in NRW für zahlreiche Unfälle
Fotos: Schnee sorgt in NRW für zahlreiche Unfälle FOTO: dpa, dy wst
Düsseldorf. Wegen heftiger Schneefälle haben am Sonntag viele Autofahrer Probleme gehabt, ihr Fahrzeug unter Kontrolle zu halten. Aber wie handelt man richtig, wenn das Auto auf Schnee und Eis ausbricht oder die Reifen durchdrehen? Ein Fahrsicherheitstrainer gibt Antworten.  Von Susanne Hamann

Herr Eilers, am Sonntag lagen über zehn Zentimeter Schnee, viele Autofahrer taten sich schwer mit den glatten Straßen. Wie verhindert man zum Beispiel, dass an der Ampel die Reifen durchdrehen?

Thomas Eilers Der Reifen dreht immer dann durch, wenn zu viele Kräfte auf ihn wirken - wenn der Fahrer also zu viel Gas gibt. Moderne Autos haben deshalb eine Antriebsschlupfregulierung, auch ASR oder EFP genannt. Sie reguliert das Gas so herunter, dass der Reifen auch auf Schnee greifen kann. Wenn es extrem glatt ist, klappt aber auch das manchmal nicht. Dann sollte man die Regulierung abschalten und versuchen, die Situation unter dem Reifen durch wiederholtes Anfahren zu ändern. Dann fällt vielleicht Schnee beiseite, er wird platt gefahren oder man kommt von der glatten Fläche herunter.

Kann man mit eingeschalteter ASR etwas falsch machen?

Eilers Ja, immer wieder aufs Gas und wieder runter gehen. Dann kann die ASR die Regulation nicht richtig errechnen. Wichtig ist, konstant auf dem Gas zu bleiben. 

Thomas Eilers ist Cheftrainer für Fahrsicherheitstrainings am ADAC-Fahrsicherheitszentrum Grevenbroich. FOTO: Christian Philippy

Und wenn man ein Auto ohne Schlupfregulierung hat?

Eilers Ein Trick ist, im zweiten Gang anzufahren. Das funktioniert, weil im zweiten Gang nicht so viele Kräfte auf den Reifen wirken wie im ersten. Die Wahrscheinlichkeit, dass er durchdreht, sinkt also. 

Viele Fahrer sind beim Anfahren oder in Kurven ins Schliddern geraten. Wie reagiert man richtig, wenn das Fahrzeug ausbricht?

Eilers Wichtig ist zuerst einmal, den Antrieb zurückzunehmen: Runter vom Gas, bei einem Auto mit Schaltgetriebe die Kupplung treten. Dann sollte man sehr vorsichtig lenken und die Kurve nicht erzwingen. Je nachdem, wie viel Platz man hat, kann man versuchen, die Kurve größer zu fahren oder ein Stück geradeaus hineinzufahren. 

Bremsen sollte man nicht?

Eilers So lange kein Hindernis vor einem ist, es also nur darum geht, die Spur zu halten, sollte man nicht bremsen. Fahrphysikalisch bringt man damit nämlich genauso Kraft auf das Rad, als gäbe man Gas. Das ist bei Glätte wirklich ein Problem. 

Und was ist, wenn ein Hindernis im Weg ist?

Eilers Ich erlebe es in den Fahrsicherheitstrainings immer wieder, dass sich die Teilnehmer vor starkem Bremsen bei Schnee und Glätte fürchten. Das ist aber ein Fehler. Wenn die Situation brenzlig ist, weil zum Beispiel ein Auto quer auf der Fahrbahn steht, dann muss man mit aller Härte bremsen. Es ist völlig egal, welches Wetter herrscht und wie die Fahrbedingungen sind. In einer solchen Situation braucht man die Bremsleistung von allen vier Rädern, und das funktioniert nur, wenn man das Bremspedal bis unten durchdrückt, am besten auch die Kupplung tritt und auf der Bremse bleibt, bis das Auto zum Stehen kommt. Heute haben ja fast alle Autos ABS. Das heißt: Die Reifen rollen beim Bremsen weiter, und so hat man auch in einer Vollbremsung mehr Kontrolle über das Auto als früher. 

Benzin oder Diesel, macht das bei Glätte einen Unterschied?

Eilers Der Diesel bringt im ersten und zweiten Gang mehr Kraft auf die Räder, das macht das Anfahren bei Glätte etwas schwerer. Ansonsten ist alles gleich. 

Ist man als Fahrer eines Autos mit Heckantrieb auf Schnee und Eis besonders arm dran? 

Eilers Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer glatten Fläche an. Wenn der Wagen Frontantrieb hat, drehen die Räder einfach durch und es bewegt sich nicht viel. Hat der Wagen Heckantrieb, kann es sein, dass der hintere Teil des Wagens ins Schlingern gerät. Das kann bei wenig Platz auf der Fahrbahn unangenehm werden. Es gibt übrigens immer noch den Mythos, man müsste einen Wagen mit Heckantrieb hinten beschweren, das ist Unsinn. 

Wieso?

Eilers Viele meinen, mit zusätzlichen Gewichten im Kofferraum lasse sich ein Auto mit Heckantrieb besser fahren. Das stimmt aber nicht, im Gegenteil. Es führt dazu, dass die Fronträder an Bodenhaftung verlieren, das ist schlecht für die Lenkung und macht die Situation bei Schnee und Glätte noch schwieriger. 

Haben Fahrer mit Alljahresreifen bei Schneefall einen besonderen Nachteil?

Eilers Die Schneefälle am Sonntag waren so stark, dass sogar Winterreifen an ihre Grenzen kamen. Es war Wetter für Schneeketten. Ich wohne im Bergischen und konnte nachmittags keinen Berg mehr nach oben fahren. Es war einfach zu glatt. Ich würde deshalb in einer solchen Situation jedem empfehlen, zuhause zu bleiben, wenn es irgendwie geht. Aber Fahrern mit Alljahresreifen würde ich das bei so viel Schnee und Glätte doppelt anraten, denn diese Reifen haben unter diesen Umständen wirklich keine Chance mehr zu greifen. 

Und wenn man bei so einem Wetter unbedingt fahren muss?

Eilers Wenn es nicht anders geht, würde ich empfehlen, eine Notfallausrüstung einzupacken. Dazu gehört eine warme Decke, etwas zu essen, eine Thermoskanne mit etwas zu trinken. Der Benzinstand sollte vor Abfahrt noch einmal kontrolliert werden. Am Sonntag mussten die Menschen teils stundenlang im kalten Auto ausharren, bis die Straßen geräumt und Unfallstellen wieder frei gegeben wurden. Das ist sehr anstrengend, wenn man keine Verpflegung dabei hat. 

 
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