| 10.43 Uhr

Ratgeber
Handy am Steuer – was ist erlaubt, was verboten?

Handy am Steuer - was ist erlaubt, was verboten?
Eine Frau sitzt im Auto am Steuer und liest Nachrichten auf ihrem Smartphone. FOTO: dpa
Düsseldorf. Etwa 400 Autobahnpolizisten kontrollieren am Dienstag die Autobahnen in NRW – im Fokus stehen Smartphone-Nutzer am Steuer, ein großer Gefahrenfaktor im Straßenverkehr. Bei dem Thema gibt es auch viel Unsicherheit, was ist nun eigentlich verboten, was erlaubt. Von Christoph Schroeter

Angesichts von immer mehr Unfällen durch Smartphones am Steuer, führt die Polizei in NRW mit über 400 Beamten am Dienstag Schwerpunktkontrollen speziell auf Autobahnen durch. Dass das notwendig ist, zeigen die nackten Zahlen: Laut NRW-Innenministeriums wurden allein in den ersten sechs Monaten im Jahr 2016 fast 82.000 solcher Verstöße geahndet.

"Multitasking ist ein Mythos", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), Christian Kellner. Die meisten seien sich "des großen Risikos überhaupt nicht bewusst, dass sie durch die Nutzung der Geräte eingehen." Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden lang eine Nachricht liest, ist 30 Meter im Blindflug unterwegs.

Flensburg - wofür es wie viele Punkte gibt FOTO: dpa

Was nach aktueller Rechtslage erlaubt und verboten ist, zeigt der folgende Überblick:

  • Grundsätzlich gilt: Wer Funktionen des Handys während der Autofahrt am Steuer nutzen will, darf es dafür nicht in die Hand nehmen.
  • Wird man erwischt, drohen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg, erklärt Rechtsanwalt Christian Janeczek von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein.
  • Unter "Nutzung" versteht der Gesetzgeber sämtliche Funktionen des Handys oder Smartphones: Dazu gehören natürlich das Telefonieren oder Tippen von Nachrichten, aber auch das Ablesen der Uhr oder Fotografieren.
  • In einem Urteil des Amtsgerichts Lüdinghausen heißt es: "Ein Verstoß [...] liegt auch vor, wenn der Betroffene ein auf der Ablage vor seiner Windschutzscheibe liegendes Handy, welches aufblendet und hierdurch anzeigt, dass der Akku aufgeladen werden muss, wegen der Blendung beim Fahren in die Hand nimmt, darauf schaut und es dann zur Seite legt, um eine weitere Blendung zu vermeiden." In diesem Fall gab es ein Bußgeld und einen Punkt.
  • Wenn das Smartphone in einer Halterung steckt, darf es der Fahrer bedienen oder auch per Freisprecheinrichtung telefonieren. Aber auch hier gilt: Der Fahrer darf dadurch nicht zu sehr abgelenkt werden.
  • Damit der Fahrer das Handy normal nutzen darf, muss sein Fahrzeug vollständig zum Stillstand gekommen sein und der Motor muss aus sein. Das führt aktuell noch zu der Grauzone, dass Fahrer eines Autos mit Start-Stopp-Automatik an der Ampel mit ihrem Handy spielen dürfen, während es der Fahrer daneben mit laufendem Motor nicht darf.
  • Eine weitere Grauzone, die wohl bald beseitigt werden wird: Weil im Paragraphen der Straßenverkehrsordnung von "Mobil- oder Autotelefonen" die Rede ist, sind Handys und Smartphones am Steuer verboten, Tablets aber nicht. 
  • Passiert wegen der Handynutzung hinter dem Steuer ein Unfall, kann eine Haftpflichtversicherung den Fahrer mit bis zu 5000 Euro in Regress nehmen. Die Mehrzahl der Verträge schließt diese Leistungskürzung wegen grober Fahrlässigkeit jedoch aus.
  • Bei Mietwagenverträgen sieht es in der Regel anders aus. Die Kaskoversicherung kann hier die Leistung im Einzelfall sogar um 100 Prozent kürzen, erklärt Rechtsanwalt Janeczek.
Was Autofahrer wissen wollen FOTO: ap, MA

Während zum Beispiel Verkehrsminister Alexander Dobrindt künftig die Strafen drastisch erhöhen möchte - von 60 Euro auf 100 oder gar 200 Euro -, plädieren Experten von Automobilclubs und dem Verkehrssicherheitsrat zusätzlich für mehr Kontrollen. "Denn was nutzen höhere Bußgeldsätze, wenn nicht auch mehr Kontrollen stattfinden?", fragt Andreas Hölzel vom ADAC. 

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) findet Dobrindts Vorhaben richtig, räumt aber ebenfalls ein: "Trotz der Verschärfung wird die Polizei nicht in der Lage sein, das Handyverbot durchzusetzen." Für flächendeckende Kontrollen habe die Polizei einfach nicht genug Personal, erklärte ein GdP-Sprecher.

Zur genauen Zahl der durch Smartphone-Ablenkung verursachten Unfälle in Deutschland gibt es nach Angaben des Verkehrssicherheitsrates zwar keine verlässlichen Angaben. Die Experten sind sich aber einig, dass die Zahl immer weiter steigt. "Smartphones haben sich zu einem echten Killer im Straßenverkehr entwickelt", erläuterte der Experte für Verkehrssicherheit beim Auto Club Europa ACE, Gert K. Schleichert.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Handy am Steuer - was ist erlaubt, was verboten?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.