Beide Varianten im Vergleich Lieber einen jungen Gebrauchtwagen oder einen Neuwagen?

Düsseldorf · Kaum eine Frage wird beim Autokauf häufiger gestellt: Soll es ein junger Gebrauchter oder doch besser ein Neuwagen sein? Beide Varianten bieten Vorteile und Nachteile. Es ist nicht nur eine Rechenfrage.

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Foto: Hersteller

Frisch vom Werk, alle gewünschten Extras an Bord und die volle Hersteller-Garantie: Ein Neuwagen ist der Traum vieler Autofahrer. Doch dieser Traum ist nicht selten recht teuer. Außerdem verliert das gekaufte Fahrzeug schnell viel von seinem Wert.

Als junger Gebrauchter ist das Fahrzeug oft erheblich günstiger. Dafür ist man nicht der Erstbesitzer, hat mitunter verkürzte Garantiezeiten und Extras im Wagen, die man nicht braucht - stattdessen vermisst man eventuell andere Ausstattungsdetails.

"Es ist schon ein bisschen so: Man muss das nehmen, was man bekommt", sagt Helmut Klein vom ADAC zu jungen Gebrauchtwagen. Während Neuwagen individuell konfiguriert werden und manchmal auch schon in der besseren Abgasklasse fahren, verlangt der Kauf eines jungen Gebrauchten Flexibilität bei den Ansprüchen. Bis zu ein Jahr alte Fahrzeuge seien sonst aber in vielen Fällen fast mit Neuwagen vergleichbar, sagt Klein.

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Foto: Hersteller

Und sie kosten - das ist hier größter Vorzug - weniger. Um einen Eindruck davon zu bekommen, reicht eine kurze Recherche im Internet.

In den Gebrauchtwagen-Portalen verschiedener Hersteller finden sich weniger als ein Jahr alte Modelle mit einer geringen Laufleistung und Garantieverlängerungen des Herstellers 20 bis 25 Prozent günstiger als ein vergleichbarer Neuwagen.

Das kann auch interessant sein, wenn das Budget nicht für einen Neuwagen in der gewünschten Fahrzeugklasse reicht. "Die Ersparnis eines jungen Gebrauchten kann man eventuell zu einem Klassenwechsel nutzen", sagt Klein.

"Der Markt an jungen Gebrauchten ist voll", sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer, der das Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen leitet. Das sind unter anderem Tageszulassungen, Vorführ- und Dienstwagen, die nur wenige Monate als Leasingwagen im Einsatz waren.

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Foto: dpa, cw

Bei Tageszulassungen wird ein Auto für ein paar Tage zugelassen und danach abgemeldet. So wird aus einem Neuwagen ein Gebrauchter. Händler machen dies etwa, um ihre Zulassungsziele zu erreichen und Prämien vom Autohersteller einzustreichen.

Die Autokäufer können dann von hohen Rabatten profitieren. Diese bewegen sich meist um 25 Prozent vom Neupreis herum, erklärt Dudenhöffer. Viel weniger sollten es nicht sein: "Für weniger als 20 Prozent Nachlass kauft man kein Fahrzeug mit Tageszulassung."

"Tageszulassungen sind quasi-neu", sagt Ansgar Klein vom Bundesverband freier Kfz-Händler. Zwar steht der Käufer nicht als Erstbesitzer im Fahrzeugbrief. Klein schätzt aber, dass sich das in diesem Fall nicht negativ auf den späteren Wiederverkaufswert des Autos auswirkt.

Als möglichen Nachteil nennt er dagegen, dass von der Lackfarbe bis hin zu den Assistenzsystemen das Fahrzeug schon ausgestattet ist. "Manchmal ist deshalb trotz des großen Preisnachlasses ein entsprechend konfigurierter Neuwagen die passendere oder sogar günstigere Wahl." Autokäufer sollten auch prüfen, ob ihre Kaskoversicherung für Tageszulassungen eine Neuwertentschädigung zahlt.

Gerade bei Kleinwagen und Kompakten sind Tageszulassungen verbreitet, sagt Dudenhöffer. Dagegen gehen Hersteller und Händler bei Mittel- und Oberklasse eher in den Firmenwagenbereich, um den Absatz zu steigern. Bei Importmarken, etwa aus Frankreich oder Asien, gibt es laut Dudenhöffer viele gute Tageszulassungsangebote, während es bei deutschen Herstellern wie Audi oder BMW überschaubar sei.

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Foto: Hersteller

Vorführwagen, Leasing-Rückläufer oder Mitarbeiter-Fahrzeuge aus dem Pool von Händlern und Herstellern seien in der Regel koscher, sagt ADAC-Fachmann Klein. Dennoch rät er von blindem Vertrauen ab. "Ein lückenloser Nachweis aller Inspektion ist wichtig. Steht ein Service erst bevor, kann man das in die Preisverhandlung einbeziehen."

Speziell bei Autos aus Mietwagenflotten sollten Käufer genau hinschauen. Da wisse man nicht, wie viele unterschiedliche Fahrer das Fahrzeug benutzt haben, sagt Klein. Es kann auch schon deutliche Gebrauchsspuren haben, selbst wenn es noch nicht alt ist.

Bei Neuwagen locken manche Hersteller mit Sonderaktionen und Kaufprämien in Höhe von mehreren tausend Euro. Solche Aktionen können echte Schnäppchen sein. Dennoch sollten Käufer genau hinschauen, betont Ansgar Klein. "Manche sind Lockvogelangebote, die versteckte Kosten bereithalten." Posten wie die Überführung dürfen etwa nicht extra kosten, erklärt der Fachmann.

Die Neuwagenrabatte sind immer noch auf einem hohen Niveau. Doch sie nehmen gerade etwas ab, sagt Dudenhöffer. Dennoch sei die Zeit für Autokäufer gut. Eine Recherche bei Autohäusern, in Tageszeitungen und im Internet zeigt, welche Rabatte für ein Modell maximal möglich sind. Die Unterschiede können mehrere Prozent betragen.

Auch Klein empfiehlt den Blick ins Netz und den Besuch der Händler vor Ort. "Dabei kann man ruhig auf bestimmte Angebote aus dem Netz verweisen, um einen besseren Preis zu verhandeln." Er rät auch, das Wort "jung" bei den jungen Gebrauchten nicht zu eng zu begreifen.

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Foto: sondem / Shutterstock.com

Gerade in der Mittel- bis Oberklasse können drei- bis fünfjährige Modelle mit unter 100 000 Kilometer Laufleistung eine gute Wahl sein, sagt er. "Diese kommen häufig gut gepflegt aus Geschäftsflotten und kosten bisweilen sogar weniger als 50 Prozent vom Neupreis."

(dpa)
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