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Harz
So lassen sich Autoscheiben reparieren

Klettwitz/Hamburg (rpo). Meistens beginnt alles mit einem unguten Räusch: Ein laut vernehmliches Klacken auf der Windschutzscheibe, verursacht durch einen Stein oder einen anderen kleinen Gegenstand. Und schon ist es passiert: Der Stein hinterlässt Spuren auf der Spuren, meistens in Form von kleinen Kratern oder Rissen. Doch nicht immer muss direkt die ganze Scheibe ausgewechselt werden.

Viele dieser Schäden lassen sich mit einer kleinen Reparatur beseitigen, deren Kosten in der Regel die Versicherungen übernehmen. Wichtig ist nach einem Schaden durch Steinschlag die schnelle Fahrt zu einem Fachmann. Denn niemand kann sagen, was aus dem kleinen Schaden auf der Scheibe mit der Zeit wird. "Ein solcher Steinschlagschaden kann so bleiben wie er ist - er kann aber auch weiter aufreißen", warnt Wolfgang Ludwig von "Ihr Auto Glas Partner" in Hamburg. Und ein größerer Schaden kann die Chance auf eine günstige Reparatur zunichte machen. Schließlich setzt das Gesetz den Ausbesserungsarbeiten Grenzen.

"Die Möglichkeiten der Reparatur sind in der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung geregelt", sagt Volkmar Höfer, Fachspezialist des Dekra Technology Center in Klettwitz (Brandenburg). Demnach dürfen nur Steinschlag-Krater mit Durchmessern bis zu fünf Millimetern und Risse bis zu einer Länge von fünf Zentimetern ausgebessert werden. Risse dürfen außerdem nicht am Scheibenrand in das Gummi hineinlaufen. Und: Der Schaden darf sich nicht im Sichtbereich des Fahrers befinden.

Euro-Münze als Maximum

Tatsächlich bedeuten die gesetzlichen Vorschriften aber nicht, dass sich wirklich jeder Schaden innerhalb der angegebenen Abmessungen ausbessern lässt. "Bei einem Riss im Glas kann die Reparatur schon bei einer Länge von zwei Zentimetern kompliziert werden", erklärt Thomas Klein, Vorsitzender des Bundesverbandes Autoglaser in Mainz. Umgekehrt ließen sich aber prinzipiell Steinschlagkrater bis zur Größe einer 1-Euro-Münze ausbessern.

Dass Autofahrer mit Kratern oder Rissen in der Scheibe möglichst umgehend eine Werkstatt aufsuchen sollten, hängt aber nicht nur mit der möglichen Vergrößerung des Schadens zusammen. Ein weiterer Grund ist der Schmutz, der mit der Zeit in die Schadstelle eindringt. "Die Reparatur wird dadurch zwar nicht unmöglich, aber schwieriger", so Klein. Er rät daher, so schnell wie möglich einen Streifen Tesafilm auf die beschädigte Stelle zu kleben.

Aufbau aus drei Schichten

Das Klebeband kann auch das Eindringen von Feuchtigkeit verhindern. Das gilt besonders bei tiefen Glasschäden. Denn die Frontscheibe eines Auto besteht nicht einfach nur aus Glas, sie ist aus drei Schichten aufgebaut: Zwischen der äußeren und der inneren Glasschicht befindet sich eine dünne Kunststoff-Folie. Die kann laut Thomas Klein durch Feuchtigkeit beschädigt werden. "Sie wird dann weißlich und matt." So eine Trübung ist auch durch die perfekteste Glasreparatur nicht mehr zu kaschieren. Die Fahrt in die Waschanlage ist mit einer beschädigten Scheibe daher nicht ratsam.

Die Reparatur selbst ist eine vergleichsweise schnelle Angelegenheit. "Zuerst wird die Schadstelle gereinigt", beschreibt Wolfgang Ludwig die Vorgehensweise. Dabei werden Schmutz und lose Glassplitter beseitigt. Danach wird unmittelbar über dem Krater oder Riss ein Vakuum erzeugt und schließlich mit einem so genannten Injektor klares Kunstharz in das Loch gefüllt. Zum Schluss folgen das Trocknen beziehungsweise Aushärten des Harzes unter einer UV-Lampe sowie das Polieren. "Insgesamt dauert so eine Reparatur rund 30 Minuten", so Ludwig.

Reparaturen im Sichtbereich verboten

"Im Idealfall ist die reparierte Stelle am Ende nicht mehr zu erkennen", sagt Thomas Klein. Doch weil je nach Schaden oder Reparatur bei bestimmten Lichtverhältnissen noch mininale Spuren zu sehen sein können, sind Reparaturen im Sichtbereich verboten. "Es können beispielsweise leichte Reflexionen sichtbar bleiben." Das Problem eines Punktes im Sichtfeld besteht darin, dass dieser den Blick des Fahrers auf sich und vom Straßenverkehr ablenken kann.

Die Kosten der Reparatur einer Frontscheibe liegen nach Angaben von Wolfgang Ludwig bei 85 Euro. Die muss der Autofahrer meist nicht einmal aus eigener Tasche zahlen: "Es hat sich stark durchgesetzt, dass die Versicherer die Kosten im Rahmen der Teilkasko übernehmen", erklärt Klaus Brandenstein, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Und zwar auch dann, wenn Selbstbeteiligung vereinbart ist. Schließlich fahren die Versicherer mit der Glasreparatur besser als mit einem Austausch der Scheibe.

(gms)
 
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