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Risiko Motorschaden
Zahnriemen verzeihen kein leichtfertiges Spiel

Hannover/Landsberg (rpo). Weil das Geld nicht mehr so locker sitzt, sparen nicht wenige an den erforderlichen Inspektionen für ihren Pkw. Das kann fatale Folgen haben. Bei Dieseln beispielsweise ist der Wechsel des Zahnriemens eine unerlässliche Sache, wenn man nicht einen kompletten Motorschaden riskieren will.

Manche Wartungsarbeiten schlagen gleich mit einigen Hundert Euro zu Buche. Deswegen sehen es manche Halter nicht ein, ihr Auto in die Werkstatt zu bringen, das noch ohne Probleme fährt. Beim Zahnriemen allerdings sind die Risiken gewaltig.

"Der Zahnriemen ist stark wechselnden Zugbelastungen ausgesetzt", sagt Bert Korporal vom TÜV Nord in Hannover. Der Riemen treibt bei Motoren mit obenliegender Nockenwelle die Ventilsteuerung an. Er überträgt die Drehbewegung der Kurbelwelle auf die Nockenwelle, die wiederum das Öffnen und Schließen der Ventile regelt. Dehnung und Entspannung wechseln, was mit der Zeit das Material ermüden kann.

Lässt die Spannung nach, kann laut Korporal der Riemen auf der Riemenscheibe durchrutschen. Weil die Steuerzeiten der Ventile dann nicht mehr mit der Kolbenstellung übereinstimmen, bleibe der Motor stehen. Beim Riemenriss als Folge von Überalterung oder Verschleiß sind sogar schwere Motorschäden unvermeidlich.

46.000 gerissene Zahnriemen

Nach den Erfahrungen des ADAC in München wissen viele jedoch gar nicht, dass der Zahnriemen nach bestimmter Zeit gewechselt werden muss. Die ADAC-Pannenhelfer hatten allein im Jahr 2004 mit 46.600 gerissenen Zahnriemen zu tun - laut Helmut Schmaler, Experte am ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern), eine "beachtliche Zahl".

Schlampige Wartung ist nach Schmalers Einschätzung jedoch nur eine Ursache für die Pannen. "Ursprünglich war der Zahnriemen ein elegantes Bauteil, das bis Mitte der achtziger Jahre keine Probleme bereitete", erzählt der Technikexperte. Dann kamen neue Motoren mit anderen Steuerzeiten und Zusatzaggregaten auf den Markt, wodurch die Riemenbelastung anstieg. Auch der stärkere Stop-and-Go-Verkehr belaste den Riemen zusätzlich.

Langlebige Riemen?

Theoretisch wäre es Schmaler zufolge ohne weiteres möglich, einen langlebigeren Zahnriemen zu konstruieren. Das zeigen auch neue Zahnriemen, die ContiTech aus Hannover für einige neue Automodelle fertigt. Um neben den Zugkräften auch den Temperaturschwankungen im Motorraum zu widerstehen, sind die Riemen in Schichten aus High-Tech-Kunststoffen konstruiert. Die Materialien sollen alterungs- und wasserbeständiger sein sowie die Reibung - und damit den Verschleiß - zwischen Gewebe und Zahnscheiben verringern helfen.

Um die Zugkräfte auszugleichen und die Riemenspannung konstant zu halten, wurde zudem eine Spannelement- und Antriebstechnik mit ovalen statt runden Zahnrädern entwickelt. Testfahrzeuge haben laut ContiTech schon eine Laufleistung von 300.000 Kilometern ohne Probleme absolviert.

Weil bei älteren Modellen oder gebrauchten Fahrzeugen jedoch nicht von solchen Voraussetzungen auszugehen ist, sollten Autofahrer unbedingt die Vorgaben zum Zahnriemenwechsel in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs beachten, empfiehlt TÜV-Experte Bert Korporal. Denn: "Wenn man sich an die Spielregeln hält, ist der Zahnriemen ein unauffälliges Bauelement."

(gms)
 
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