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Fahrbericht
Sparsam und lautlos unterwegs
Für die dritte Generation des Prius hat Toyota den Hybrid-Antrieb in Leistung und Verbrauch optimiert. Von Joachim Mies

Wäre der Begriff noch geläufig, so könnte man das Design des Toyota Prius vielleicht steil nennen – und damit augenzwinkernd entweder Anerkennung ausdrücken oder Spott für einen pfiffigen, mutigen, unangepassten, jedenfalls nicht alltäglichen Auftritt. Doch ob gelungen oder gewagt oder charakteristisch, wie der japanische Autobauer selber die neue Ansicht seines Hybrid-Pioniers bezeichnet – praktisch ist, dass die Schrägheck-Limousine immerhin optisch auffällt im städtischen Straßenbild, weil sie akustisch von Fall zu Fall eher nicht wahrgenommen wird: Im reinen Elektro-Betrieb schnurrt der Prius nahezu lautlos dahin, was für die Insassen ein ungleich faszinierenderes Erlebnis ist als für vom unverhofften Auftauchen des Wagens erschreckte Passanten.

Sehr weit kommt man mit dieser Betriebsart des komplett überarbeiteten Hybridsystems allerdings nicht. Wer zwei Kilometer schafft, bis die Batterieladung zur Neige geht, kann stolz sein auf seinen sensiblen Umgang mit dem Gaspedal. Denn schneller als 45 km/h darf die Fahrt nicht werden. Wobei Toyota die erzieherische Maßnahme schon eingebaut hat: Der sogenannte Eco Drive Monitor im zentralen Info-Display zeigt detailgenau an, wie der Last- und Ladezustand des Systems gerade ist, was durchaus den Ehrgeiz weckt, mit seinem Fahrstil im sprichwörtlichen "grünen Bereich" zu bleiben – wobei die stolzen 3,9 Liter Normverbrauch bei normaler Nutzung auch bei bewusst zurückhaltender Fahrweise wohl kaum erreichbar sind.

Ganz auf den Fahrspaß verzichten muss man gleichwohl nicht, zumal Toyota für die dritte Generation des Prius seit 1997 die Gesamtleistung des Systems aus Benzinmotor / Elektromotor / Batterie von 113 auf 136 PS gesteigert hat. Das macht aus dem Fronttriebler zwar noch kein Rennpferd, bringt einen aber in der Stadt wie über Land ordentlich voran. Und wenn's ein wenig sportlicher sein soll, steht neben dem Elektro- und dem Eco- per Knopfdruck auch noch der Power-Modus zur Verfügung, bei dem das Zusammenspiel der Motoren auf spontanere Leistungsentfaltung getrimmt ist.

Bei alledem erweist sich der Prius im Alltag als grundsolides und kommod abgestimmtes Gefährt. Der Innenraum ist angenehm gestaltet, mit einem aufgeräumten Cockpit, dessen Bedienung sich weitgehend ohne langes Blättern in der Betriebsanleitung erschließt. Mit ordentlichen Platzverhältnissen für Fahrer und weitere vier Passagiere. Und mit einer Ausstattung, die schon in der Basisversion wenig Wünsche offenlässt.

Umso erstaunlicher sind kleinere Ausreißer, die das Vergnügen je für sich mehr oder weniger trüben. Der Flaschenhalter etwa in der Mittelkonsole ist zwar schick, sitzt aber genau da, wo eigentlich der Arm Stützung erwartet. Der schmale Spoiler mittig über der Heckscheibe ist bei diesem Auto eher Zierde als Unterstützung, schränkt aber die Sicht nach hinten erheblich ein. Und auf die Idee, den Kofferraum mit hellbeiger Auslegeware auszukleiden, muss man auch erst mal kommen.

Quelle: RP
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