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Lastwagen-Konzern
VW-Tochter MAN steuert auf Jahresverlust zu

Spezialgruppe kontrolliert an A1-Rheinbrücke
Spezialgruppe kontrolliert an A1-Rheinbrücke FOTO: irz
München. Bei Daimler, Volvo und Scania kommt der Lkw-Verkauf allmählich wieder in Schwung - MAN dagegen wird von der Rezession in Brasilien nach unten gezogen. Die Probleme in Lateinamerika und der Konzernumbau in Europa lassen die VW-Tochter 2015 wohl in die Verlustzone rutschen.

Der Einbruch des Südamerika-Geschäfts und der Konzernumbau drücken die VW-Lastwagentochter MAN in diesem Jahr wahrscheinlich in die roten Zahlen. MAN-Finanzchef Peter Park sagte am Dienstag in München: "Das Nettoergebnis wird um die Nulllinie liegen - ich schätze, leicht negativ."

Die Verkäufe in Lateinamerika hätten sich im ersten Halbjahr halbiert, Brasilien stecke tief in der Rezession, "und Besserung ist nicht in Sicht", erklärte Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen. In Europa ist das Lkw-Geschäft zwar im wieder Aufwind - aber hier belasten der Stellenabbau und die Neuausrichtung der Werke im Schulterschluss mit Scania das Ergebnis.

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Im zweiten Quartal machte deshalb das Nutzfahrzeuggeschäft in Lateinamerika wie in Europa Verlust. Die besser laufende MAN-Maschinenbausparte konnte das nicht mehr ganz auffangen.

Die Konkurrenz ist erfolgreicher unterwegs. Während die USA für MAN "ein weißer Fleck auf der Landkarte" sind, wie Pachta-Reyhofen sagte, verdiente Daimler dort und in Europa gutes Geld. Auch Scania und Volvo konnten Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr steigern.

MAN baut derzeit in München und an anderen Standorten 1800 Arbeitsplätze ab - das kostet das Unternehmen gut 170 Millionen Euro. Die Truck-Holding unter dem Dach von VW nehme allmählich Fahrt auf, sagte Pachta-Reyhofen. Im Werk München werde in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Euro investiert für den Bau von Antriebsachsen und schweren Lastwagen. Das Werk Salzgitter werde Teile, Steyr in Österreich leichte und mittelschwere Lastwagen bauen. Stadtbusse würden in Polen, Reisebusse in der Türkei produziert.

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Mit Scania werde MAN beim Einkauf sowie bei der Entwicklung und Fertigung teurer Teile wie Motoren, Getrieben und Achsen zusammenarbeiten - Vertrieb und Servicenetz dagegen sollten getrennt bleiben, sagte MAN-Truck-Chef Joachim Drees.

Eine Nachfrage von jährlich 400.000 Lastwagen in Europa werde kaum mehr wiederkommen - MAN stelle sich auf einen Markt knapp unter 300.000 Lkw ein und strebe nach dem Konzernumbau ab 2018 auf dieser Basis eine Rendite von knapp 6 Prozent an. Im ersten Halbjahr steigerte MAN Truck & Bus seine Verkäufe um 12 Prozent auf über 43.000 Fahrzeuge.

Der lange florierende Markt Südamerika dagegen brach weiter ein. 2011 hatte MAN dort noch 72.000 Lastwagen verkauft - dieses Jahr rechnet der Konzern noch mit 24.000 bis 29.000. Im ersten Halbjahr machte MAN Latin America 21 Millionen Euro Verlust. Inzwischen sei die Mitarbeiterzahl gegenüber dem Jahr 2011 auf 3200 Beschäftigte halbiert worden, die zudem in einer Art Kurzarbeit seien.

Wegen Brasilien müsse MAN seine Prognose senken, erklärte Finanzchef Park. Beim Umsatz rechnet die VW-Tochter jetzt mit einem Wert leicht unter dem Vorjahresniveau von 14,3 Milliarden Euro. Die operative Rendite dürfte sich mehr als halbieren. Die Konzernmutter VW, die gut 75 Prozent an MAN hält und einen Gewinnabführungsvertrag geschlossen hat, muss sich 2015 auf einen Verlustausgleich in Richtung München einstellen - unter dem Strich erwartet MAN ein Minus, und den freien MAN-Aktionären garantiert der Konzern zudem eine Dividende.

(dpa)
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