| 00.00 Uhr

Serie Architektur
"Das ist kein Haus von der Stange"

Serie Architektur: "Das ist kein Haus von der Stange"
Codecentric-Mitbegründer Mirko Novakovic vor dem Neubau. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Das Codecentric-Gebäude im Hansa-Quartier fällt aus der Rolle - innen wie außen. Drei zusätzliche Bauabschnitte sollen folgen. Von Fred Lothar Melchior

Wer kommt, der will bleiben. Das gilt nicht nur für die Angestellten von Codecentric, sondern auch für die Kunden - ganz besonders, seit der Software-Entwickler 2016 seinen Neubau bezogen hat. "Wir sehen es als großes Lob, dass Kunden, wenn sie unseren Hauptsitz besuchen, auch hier arbeiten wollen", sagt Maik Schröder, Teil der Unternehmensleitung von Codecentric. "Das ist kein Haus von der Stange, eigentlich fehlt nur noch ein Außenschwimmbecken."

Stattdessen gibt es unter anderem ein imposantes zweigeschossiges Foyer, ein Auditorium mit großer Leinwand und eine ebenfalls zweigeschossige Cafeteria mit Außenbereich. Zur ersten Etage gehört ein Apartment für Mitarbeiter, die nicht ins Hotel gehen wollen. Die meisten Arbeitsplätze finden sich in den auskragenden beiden Geschossen darüber. Wobei die 188 Mitarbeiter in Ohligs dank W-Lan frei sind zu schaffen, wo sie wollen - etwa zwischen den bunten Kissen des Auditoriums oder in den Sesseln des Foyers, das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Die einzige Kaffeemaschine steht in der Cafeteria: ein Treffpunkt wie der Poolbillard- und der Kickertisch. Maik Schröder: "Der Zweck ist, dass regelmäßiger Austausch untereinander über den Tag stattfindet."

Die Offenheit erinnert an Gebäude im Silicon Valley. "Mitgründer Mirko Novakovic hat viele Eindrücke aus den USA mitgebracht", erläutert Schröder, der unter anderem für Personal, Marketing und Finanzen zuständig ist. "Er hatte ein Bild im Kopf." Umsetzen ließ es sich in der Klingenstadt, der Novakovic als gebürtiger Solinger die Treue hält, nur durch einen Neubau. Ein Umbau des nicht mehr genutzten Ohligser Hallenbades, der auch im Gespräch war, scheiterte beispielsweise an den fehlenden Erweiterungsmöglichkeiten.

Dann fand sich ein rund 7500 Quadratmeter großes Grundstück in Nähe des Hauptbahnhofs. "Ein Glückstreffer", freut sich Maik Schröder. "Für Codecentric passte das wie die Faust aufs Auge", kommentiert Dietmar Brings, der projektleitende Architekt von der Rotterdam Dakowski GmbH aus Leverkusen. Die war der Codecentric-Geschäftsführung bei der Auftragsvergabe schon gut bekannt und sympathisch. Der Entwickler für Individualsoftware hatte zuletzt Räume im ehemaligen Ohligser Amtsgericht gemietet. Das war, wie das benachbarte frühere Rathaus, von Rotterdam Dakowski umgebaut worden, wurde aber zu klein für Codecentric.

Die Neubauten der Leverkusener zeichnen sich durch klare Linien aus. "Das Gebäude wurde von innen heraus entwickelt", erläutert Diplom-Ingenieur Brings. "Daraus ergab sich auch, dass die beiden unteren Geschosse elf Meter kürzer sind als die darüber liegenden Etagen." Außen dominieren großzügige Glasflächen. Der wärmegedämmte Putz ist in Weiß und Grau gehalten. Innen gibt es viel Sichtbeton und akustisch wirksame Wandelemente aus Eichenholz. Kabel sieht man dank der Hohlraumböden nirgendwo. Elemente für Heizung respektive Kühlung (per Wärmepumpen) sind in die Decken integriert worden.

Die flexiblen Bürobereiche in den Obergeschossen haben Mittelzonen mit Lounge-, Besprechungs- und Rückzugsbereichen. Videokonferenzen gehören zum normalen Tagesgeschäft. Codecentric hat deutschlandweit Niederlassungen. Im Auditorium findet mindestens eine Veranstaltung pro Woche statt - auch interne Schulungen. "Wir leben ja von unserem Wissen", erklärt Maik Schröder. Der Foyerbereich, der erweitert werden kann, stand auch schon für eine Sitzung des städtischen Verwaltungsvorstands zur Verfügung, ebenso für die Weihnachtsfeier mit Angehörigen und für Treffen mit den Anliegern. Schröder: "Das Feedback von ihnen ist überwältigend positiv. Alle sind vom Ergebnis fasziniert."

Lob kommt auch aus anderen Quellen: In diesem Jahr wurde Codecentric als "Top 3"-IT-Arbeitgeber ausgezeichnet. Dass die junge Firma, die auch einen "Feelgood Manager" beschäftigt, zu den familienfreundlichsten Unternehmen Deutschlands gehört, freut die Mitarbeiter. "Meine Kinder würden am liebsten jeden Tag mitkommen", sagt Maik Schröder. Jüngere fasziniert die Cafeteria-Wand mit Moospflanzen aus den Anden. Ältere nutzen den Beamer im Auditorium für Computerspiele. Die Nachbarn dürfen sich schon darauf freuen, zur Übertragung von Spielen der Fußball-Nationalmannschaft eingeladen zu werden.

Der Neubau prägt ein Areal, das die Stadtverwaltung in Anlehnung an einen Straßennamen Hansa-Quartier nennt. Die Fläche hinter dem Hauptbahnhof soll zum modernen Dienstleistungs- und Gewerbestandort werden. Vorzeigeobjekte werden neben der Codecentric-Zentrale das "Galileum", ein Planetarium in einem ehemaligen Kugelgasbehälter (im Bau) und ein Hotel (in Planung) sein. "Wir haben mit dem Gebäude eine Marke gesetzt, die andere Menschen dazu bringt, anders zu denken", betont Schröder. "Die Ideen gehen weiter. Das ist auch in unserem Interesse."

Gleichzeitig warnt der IT-Fachmann: "Viele glauben, ein neues Gebäude bringt eine neue Kultur mit sich. Das stimmt nicht. Dass unser Gebäude sehr offen gestaltet ist, das ist Ausdruck unserer Unternehmenskultur. Deshalb fühlen sich alle so wohl bei uns." Dazu trägt auch bei, dass einige Türen doch abschließbar sind: die der Toiletten.

Das wird sich auch beim Erweiterungsbau nicht ändern: Codecentric hat von Anfang an drei zusätzliche Bauabschnitte vorgesehen. Der nächste, ein Anbau an den bestehenden Flügel, soll 2019 bezogen werden und 120 neue Arbeitsplätze schaffen. Nach der ersten Investition von rund zehn Millionen Euro nimmt das Unternehmen weitere fünf Millionen Euro in die Hand.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie Architektur: "Das ist kein Haus von der Stange"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.