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Leverkusen
Haus der Stille in alter Tabakfabrik

Leverkusen: Haus der Stille in alter Tabakfabrik
Das stattliche Gebäude hat ein Jahrhunderte zurückreichende Geschichte, die mit der Hitdorer Tabakindustrie verwoben ist. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Bis zum Jahr 1666 lässt sich die Geschichte des Hauses an der Rheinstraße 54 zurückverfolgen, das nach mehreren Renovierungen und Anbauten heute noch die Atmosphäre der Blütezeit als Tabakfabrik atmet. Von Monika Klein

Heute ist Hitdorf ein Stadtteil mit hohem Freizeitwert. Er ist beliebt bei jungen Familien, die sich in den Neubausiedlungen niedergelassen haben, und Ausflugsziel an Wochenenden. Dann ist der kleine Yachthafen belebt. Viele Radler nutzen bei schönem Wetter die Fähre, um ihre Tour auf der anderen Reinseite fortzusetzen, beispielsweise nach Zons. Oder sie flanieren auf der Rheinpromenade bis zum kleinen Krancafé. So ruhig war es in Hitdorf jedoch nicht immer. Im 18. und 19. Jahrhundert ging es sogar sehr geschäftig zu, denn viele Unternehmer hatten sich in unmittelbarer Rheinnähe angesiedelt. Hier wurde Holz aus dem bergischen Hinterland verladen, Wein und Tabak umgeschlagen, und es gab mehrere Bierbrauereien. Im winzigen Heimatmuseum, im Türmchen am Werth, sind alte Bilder und Modelle verwahrt, die einen Eindruck vom einst florierenden und selbstständigen Ort vermitteln. Schon 1765 wurde die Tabakfabrik Dorff gegründet, 1841 die Streichholzfabrik, die heute eine Kindertagesstätte und das winzige Matchbox-Theater beherbergt, und 1878 die Zigarrenfabrik Cremer.

1796 gründeten die Gebrüder Caspers an der Rheinstraße 54 die zweite Hitdorfer Tabak- und Zigarrenfabrik auf dem Gelände der 1666 erbauten Villa Caspers-Neess. Bis 1918 wurden dort Zigarren hergestellt, dann verkleinerte man den Betrieb, und 1953 wurden die Maschinen verkauft. Der beeindruckende Fabrikanten-Bau, der sich umso mehr von den teils erhaltenen winzigen Fischer- und Arbeiterhäuschen abhebt, wurde mehrfach renoviert. Aber so behutsam, dass die einzigartige Schönheit der Räume und viele hübsche Details erhalten wurden. Alleine die Tür- und Fensterbeschläge sind sehenswert. Die weiß gestrichenen, sogenannten "Kölner Decken", mit Holzbalken, auf denen Stuck angebracht wurde. Oder der alte schwarz-weiß gemusterte Fußboden im größten Erdgeschossraum, der heute als Galerie genutzt wird und Platz für wechselnde Ausstellungen bietet.

Kunst hatte auch früher einen hohen Stellenwert bei den Eigentümern, sagt die Kuratorin der Galerie FlowFineArt, Jennifer Grasshoff. Sie weiß, dass der Flügel im Raum noch von den letzten hier lebenden Mitgliedern der Familie Caspers-Neess angeschafft wurde. Heute kommt er noch regelmäßig bei den Vernissagen und Sonntagsmatineen zum Einsatz. Die dreistöckige Villa wird samt abgeschiedenem Innenhof, der von Nebengebäuden umschlossen ist, als Wohn- Büro- und Seminarhaus genutzt. Außerdem bietet es als "Rhein River Guesthouse" Bed & Breakfast mit einem besonderen Konzept als "Haus der Stille". Sowohl Einzelreisende können hier unterkommen als auch ganze Seminare, für die unterschiedlich große Räume zur Verfügung stehen. Unter diesem Gesichtspunkt "Stille" werden auch die Künstler ausgewählt, deren Werke in Wechselausstellungen mit Malerei, Fotografie und Skulpturen gezeigt werden.

Der malerische Innenhof des Hauses ist gerade im Sommer eine Oase zum Durchatmen. FOTO: Grasshoff

Aus den Zimmern der Frontseite haben Bewohner und Gäste freien Blick auf den Rhein, und nach hinten blickt man in einen idyllischen Innenhof mit Walnussbaum, Brunnen, Rosengarten, Volieren und exotischen Vögeln. Drinnen wie draußen gibt es viele ruhige Ecken zum Entspannen.

Auf dem hinteren Teil des Grundstücks steht noch ein altes Fachwerkgebäude, das einst als Fabrikations- und Lagerhaus diente. Heute ist dort Platz für kreative Arbeiten, ein richtiger Malraum ist im Dachgeschoss eingerichtet.

Caspers-Neess Wappen am Haus. FOTO: UM
Quelle: RP
 
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