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Mönchengladbach
Vom maroden Denkmal zum modernen Büro

Mönchengladbach: Vom maroden Denkmal zum modernen Büro
FOTO: Markus Sillmanns
Mönchengladbach. Die Lohmühle steht schon seit fast 200 Jahren. Korn und Loh werden dort jedoch schon lange nicht mehr gemahlen. Nach einem aufwendigen Umbau arbeitet seit 2002 die Kanzlei Kniebaum, Bocks und Partner in Turm und Mühlenburg. Von Marlen Kess

Udo Bocks geht jeden Morgen gerne ins Büro. Das liegt auch an seinem Arbeitsort. Bocks ist Steuerberater in der Kanzlei Kniebaum, Bocks und Partner. Und die hat ihren Sitz in der historischen Lohmühle an der Bettrather Straße. Sein Büro liegt im Erdgeschoss des Anbaus, der Blick geht in den Garten. "Für einen gebürtigen Mönchengladbacher wie mich ist es wirklich einmalig, in einem solchen Denkmal arbeiten zu können", sagt der 60-Jährige. Dazu kommt die Lage: zentral und trotzdem grün.

Diese Lage war es auch, die vor fast 200 Jahren zum Bau der Mühle führte. Vor den Toren Windbergs, wo der Wind besonders günstig stand, wurde sie 1828 errichtet. Der Gerber und Ledermacher Friedrich Wilhelm Deußen baute sie nach dem Vorbild niederländischer Turmwindmühlen, um dort die für die Lederherstellung wichtige Eichenlohe mahlen zu können. Aufzeichnungen des Stadtarchivs zeigen aber, dass auch Korn gemahlen werden konnte. Zentral lag die Mühle damals aber noch nicht, sondern vielmehr "sechs Minuten fern von der Stadt, nächst dem nach Bettrath führenden Broich". Der Grund: Gebäude, in denen laute Arbeiten durchgeführt wurden, mussten 300 Meter Abstand zur Straße einhalten - um die Pferde nicht scheu zu machen.

Rund 70 Jahre später war es mit dem Mühlbetrieb allerdings schon wieder vorbei, ab 1907 nutzte ein Schreiner den Turm als Lager und Werkstatt. 1932 dann erwarb die katholische Hauptpfarre St. Mariä Himmelfahrt den Stadtbüchern zufolge die Mühle. Die wiederum überließ sie der Jugendorganisation Neudeutschland. Nachdem die Nationalsozialisten die Organisation 1939 verbaten, nutzten diese sie als Reifenlager für die Hitlerjugend. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Mühle nach einem Bombenangriff völlig aus, was blieb, war eine Ruine.

Erst 1959 interessierte sich wieder jemand für das alte Gemäuer. Der Verein Turmgemeinde Mönchengladbach sammelte Spenden und Zuschüsse und baute die Mühle wieder auf, im Oktober 1960 wurde Eröffnung gefeiert. Lange hielt die Freude aber nicht. Das verwendete Material war so schlecht, dass im Inneren der Mauern Schimmel und Pilze blühten, außen wuchsen armdicke Birken. Die Mühle verfiel - bis die Gladbacher Architekten Sillmanns und Offermann sie für den symbolischen Kaufpreis von einer Mark erwarben.

Das war 1999, Markus Sillmanns kann sich noch gut daran erinnern. "Wir waren auf der Suche nach einem neuen Bürostandort", sagt er. Nur eine Mark habe man allerdings nicht ausgegeben: "Schließlich mussten wir das Grundstück ebenfalls kaufen." Anschließend bauten Sillmanns und sein damaliger Partner Andreas Offermann die Mühle um. Sie begannen mit der ehemaligen Mühlenburg. "Dabei hatten wir schon die Nutzung als Büro im Kopf", sagt Sillmanns. Deshalb entstanden am Fuß des Turms ein eingeschossiger und ein zweigeschossiger Bau, hell und modern, mit viel Naturholz und Glas. Die Büros der fünf Partner der Kanzlei und der übrigen 30 Mitarbeiter liegen dort nebeneinander in einer Art Rundlauf - "eine Chefetage gibt es nicht", sagt Steuerberater Bocks.

Beim Turm war indes lange nicht klar, ob er überhaupt restauriert werden kann. Letztendlich entschieden sich die Architekten dann aber in enger Absprache mit dem städtischen Denkmalamt doch dafür. Verschiedene Ideen wurden eingebracht und wieder verworfen - etwa die marode Mühlenfassade mit Glas zu verkleiden und so zu versiegeln und gleichzeitig sichtbar zu erhalten. Die Lösung war schließlich ein weißer Schlemmputz, mit dem das Mauerwerk sozusagen atmungsaktiv verputzt wird. "Die Feuchtigkeit kann zwar raus, aber nicht mehr rein", erklärt Markus Sillmanns. Doch auch hierbei blieb ein Rückschlag nicht aus: Schlemmputz hält nur auf völlig trockenen Gemäuern. "Wir mussten das Mauerwerk mechanisch trocknen lassen, mit Entfeuchtern hätte das Jahre gedauert", sagt Sillmanns.

Aber es gelang: Heute erstrahlt der Turm in Weiß, die alte Backsteinfassade ist unter dem Putz noch deutlich zu erkennen. In seinem Erdgeschoss ist der großzügige Empfang der Kanzlei untergebracht, in den oberen drei Geschossen befinden sich ein Besprechungsraum, zwei weitere Büros und die Mitarbeiterküche. Aus allen Fenstern der Kanzlei schaut man ins Grüne. Mittlerweile haben Sillmanns und Offermann die Mühle zwar verkauft, stolz auf ihr Werk sind sie aber immer noch. "Dieses Kleinod fernab der Straße findet nicht jeder", sagt Markus Sillmanns, "aber die, die die Mühle kennen, sind beeindruckt."

Quelle: RP
 
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