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Wie werde ich...?
Steuerfachangestellte – Helfer im Dickicht
Ausbildung zum Steuerfachaangestellten
Steuerfachangestellte sorgen dafür, dass bei der Steuererklärung nichts übersehen wird. FOTO: dpa, Franziska Koark
Düsseldorf. Langweilig, trocken, eintönig - der Beruf Steuerfachangestellter hat ein schlechtes Image. Dabei kann das Steuersystem spannend sein, wenn man es erst einmal durchschaut hat. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind gut. Und wer sich fortbildet, kann eine steile Karriere machen. Von Matthias Wenten

Wenn Doreen Namysl auf einer Berufsmesse ihren Stand aufbaut, hält selten jemand an. "Die Leute lesen das Wort Steuer, denken langweilig und gehen weiter", sagt die Ausbildungsbeauftragte der Steuerberaterkammer Berlin. Ja, der Beruf des Steuerfachangestellten habe ein Imageproblem, gesteht sie. "Dabei ist es ein spannender Beruf, der gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet."

Steuerfachangestellte sind die rechte Hand des Steuerberaters. Früher hießen sie Steuerfachgehilfen. "Aber dieser Name wurde den vielfältigen Aufgaben nicht gerecht", erklärt die Ausbildungsbeauftragte.

In Unternehmen sehr gefragt

In ihrem Arbeitsalltag helfen Steuerfachangestellte bei der Beratung von Mandanten, bearbeiten Steuererklärungen und prüfen Steuerbescheide. Sie erstellen die Buchführung für Unternehmen und halten Kontakt zu Finanzämtern oder Kranken- und Sozialversicherungsträgern.

Arbeit finden Steuerfachangestellte in Büros von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Buchprüfungsgesellschaften. Aber auch in den Fachabteilungen von Unternehmen sind sie gefragt.

"Steuerfachangestellte sind die kaufmännische Königsklasse. Wer die Ausbildung geschafft hat, kann in jedem kaufmännischen Beruf arbeiten", sagt Namysl. Theoretisch gibt es keinen vorgeschriebenen Schulabschluss für die Ausbildung. Bundesweit haben jedoch weit mehr als die Hälfte der Auszubildenden Abitur.

Warum es einen solchen Abiturientenüberschuss gibt? "Abiturienten sind älter und in der Regel auch verantwortungsbewusster", begründet Khalid Saidi die Zahlen. Saidi ist Mitinhaber des Berliner Steuerbüros Saidi & Schmidt. Was ein Steuerfachangestellter sonst noch mitbringen sollte? "Ein sicheres Auftreten, Kommunikationsfähigkeit, Genauigkeit, Pünktlichkeit, gute Deutsch- und Mathematikkenntnisse", beschreibt Saidi das Anforderungsprofil.

Jeder will einen Ratschlag

Wer dazu noch ehrgeizig ist und sich nach der Lehre fortbildet, hat alle Chancen, auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. "Etwa die Hälfte der Steuerfachangestellten arbeitet weiter in dem Beruf, die andere Hälfte bildet sich beruflich fort oder studiert - zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre", sagt Namysl.

Matthias Sawitzki ist ein Beispiel dafür, dass die Ausbildung als Sprungbrett dienen kann. Der 28-jährige Berliner wollte nach dem Abitur nicht studieren. Seine Mutter arbeitete beim Finanzamt, in der Schule interessierte ihn vor allem Mathematik. So kam es, dass sich Sawitzki entschied, Steuerfachangestellter zu werden.

Das sei aber ein trockener Beruf, hätten damals viele seiner Freunde gesagt. "Auf der anderen Seite bist du auf Partys immer ein gefragter Gesprächspartner, weil jeder mal einen Ratschlag in Steuerfragen braucht."

Nach der Ausbildung und drei Jahren Berufserfahrung begann Sawitzki 2007 eine Fortbildung zum Bilanzbuchhalter, die er 2009 erfolgreich abschloss. Danach bildete er sich zum Steuerfachwirt fort. Derzeit wartet er auf die Prüfungsergebnisse. Sawitzkis nächstes Ziel: "Ich möchte Steuerberater werden."

Herausforderung und Aufstiegschance

Diese Aufstiegschancen und die ständig neuen Herausforderungen: Das sei es, was seinen Beruf so spannend mache, findet Sawitzki. Das Steuersystem ändere sich andauernd, da müsse man immer auf der Höhe der Zeit bleiben. "Es dauert zwar etwas, bis man die Systematik verinnerlicht hat, aber irgendwann ergibt das Ganze ein Bild, weil es in sich sehr logisch und dann auch spannend ist."

Geld habe bei seiner Berufswahl keine Rolle gespielt, sagt Sawitzki. "Das Ausbildungsgehalt ist nicht hoch, aber man kommt über die Runden." Die Bundessteuerberaterkammer hat derzeit eine Ausbildungsvergütung in Höhe von 512 Euro im ersten, 579 Euro im zweiten und 673 Euro im dritten Ausbildungsjahr festgelegt. Wer wieviel zahlt, ist regional sehr unterschiedlich. "Im Vergleich zu anderen kaufmännischen Berufen ist es auf jeden Fall nicht gerade viel", sagt die Ausbildungsbeauftragte Namysl.

Die Einstiegsgehälter für Berufsanfänger liegen nach Auskunft der Bundessteuerberaterkammer zwischen 1500 und 2000 Euro brutto. Einen Tarifvertrag gibt es nicht: Steuerfachangestellter ist ein freier Beruf, in dem die Arbeitnehmer selber ihr Gehalt aushandeln. Fortbildungen sind da natürlich ein gutes Verhandlungsargument.

Obwohl das Bild vom reinen Frauenberuf inzwischen nicht mehr stimmt, seien noch immer etwa 70 Prozent der Steuerfachangestellten weiblich, sagt Namysl. Die Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt schätzt sie als "sehr gut" ein. "In der Branche wird immer gesucht. Und solange wir Steuern zahlen, wird es auch Steuerfachangestellte geben."

Quelle: tmn
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