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Fragen und Antworten
Was Schulabgänger jetzt wissen müssen

Fragen und Antworten: Was Schulabgänger jetzt wissen müssen
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Düsseldorf. Antworten auf viele Fragen zum richtigen Studium und der besten Ausbildung lieferte unsere Telefonaktion "Berufsorientierung für Schüler". Vier Experten standen Rede und Antwort.

Heinrich Tillmann (Arbeitsagentur Düsseldorf), David Winkelmann (Studienberater an der Europäischen Fachhochschule Rhein/Erft), Loert de Riese-Meyer (Ausbildungsleiter bei Henkel) und Denis Buss (Schülerberater bei Einstieg). Und das interessierte unsere Leserinnen und Leser besonders.

Ich suche für dieses Jahr noch einen Ausbildungsplatz, habe mich aber noch nicht beworben. Habe ich noch Chancen?

In Düsseldorf gibt es regelmäßig mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber. In vielen, allerdings nicht allen, Berufen bestehen durchaus noch realistische Möglichkeiten.

Worauf muss ich bei einer Online-Bewerbung im Vergleich zu einer herkömmlichen Bewerbung achten?

Antwort Herkömmliche Bewerbung und Online-Bewerbung unterscheiden sich kaum. Bewerbungen sollten ein gut formuliertes Anschreiben haben, das die eigenen Stärken mit den Anforderungen verknüpft, und einen aussagefähigen Lebenslauf, verbunden mit den notwendigen Anhängen. Daraus sollte auch hervorgehen, dass sich ein Bewerber mit den richtigen Kompetenzen für beworben und mit dem Unternehmen beschäftigt hat. Der Bewerber sollte auf Vollständigkeit und eine vernünftige Benennung der Upload-Dokumente achten sowie alle Vorab-Fragen beantworten.

Ich muss im Betrieb oft Überstunden machen. Welche Rechte habe ich als Auszubildender?

Antwort Azubis haben viele Rechte – aber eben auch Pflichten. Überstunden sind in der Ausbildung eigentlich nicht vorgesehen, da die Azubis im Betrieb sind, um ihren Beruf zu lernen, und dazu reicht die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit. Wenn Überstunden geleistet werden, müssen die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden. Bei weiteren Fragen empfehle ich www.dr-azubi.de.

Wie finde ich mein Partnerunternehmen für das duale Studium?

Antwort Die Europäische Fachhochschule zum Beispiel verfügt mittlerweile über mehr als 600 Partnerunternehmen aus der Wirtschaft. Um das passende Unternehmen zu finden, stehen Ihnen die Mitarbeiter unserer Abteilung Unternehmenskooperationen zur Seite. Dies beinhaltet sowohl ein Bewerbertraining, einen Rechercheworkshop als auch ein persönliches Coaching. Die Betreuung und Unterstützung läuft von der Bewerbung bis zum Beginn des Studiums und darüber hinaus.

Wie kann ich als Mutter mein Kind bei der Berufswahl begleiten?

Antwort Stehen Sie zu Ihren Erwartungen und Wünschen. Natürlich haben Eltern Vorstellungen, was aus ihrem Kind einmal werden könnte oder sollte. Und natürlich wünschen sie sich nur "das Beste" für den Nachwuchs. Besser bewusst und offen damit umgehen als verleugnen – das klappt ohnehin nicht. Die Wünsche und "Träumereien" Ihres Kindes sind wertvoller Input . Lassen Sie auch "abwegige" Ideen zu, anstatt sie direkt zu kritisieren – dahinter verbergen sich oft die wichtigsten Motive für die Berufswahl. Seien Sie "up to date”. Informieren Sie sich über die aktuelle Ausbildungs- und Studienlandschaft und die Zukunftschancen für Ihr Kind. Aktuelle Infos erhalten Sie zum Beispiel auf der Messe "Berufe live" am 29./30. April in Düsseldorf.

Wo bekomme ich Unterstützung bei der Erstellung meiner Bewerbungsunterlagen, der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch und dabei, wie ich dort auftreten soll?

Bei einem Beratungstermin in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und auf www.planet-beruf.de.

Mein Sohn steht kurz vor einem schlechten Hauptschulabschluss ohne jede Anschlussperspektive. Wie kann die Berufsberatung helfen?

Antwort Sofern noch nicht geschehen, sollten Sie einen Termin in der Berufsberatung vereinbaren. Außer über Ausbildungschancen kann hier auch über eine "Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme" nachgedacht werden, die die Ausbildungschancen deutlich erhöht.

Worauf achtet ein Ausbildungsbetrieb stärker – auf fachliche (Notendurchschnitt) oder soziale Kompetenzen (Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Zuverlässigkeit)?

Antwort Beides ist wichtig, auf beides wird geachtet. Betriebe möchten immer den Menschen hinter dem Profil kennenlernen und schauen deshalb die gesamte Persönlichkeit an. Welche Schwerpunkte hat der Bewerber gelegt? Was sind seine Interessen? Hat er auch mal über den Tellerrand hinaus geschaut, etwa durch außerschulisches Engagement? Hier zeigt sich, ob jemand begeisterungsfähig ist und sich engagiert. Das sind die Auszubildenden, die gesucht werden. Neben fachlichen Qualifikationen zählen daher vor allem Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, etwas zu lernen.

Ist es sinnvoll, nach der Mittleren Reife eine Berufsschule mit dem Ziel der Fachhochschulreife zu besuchen?

Antwort Das hängt von der Perspektive ab. Oft ist es sinnvoll, zweigleisig zu fahren. Man sollte sich um eine Ausbildung bemühen und sich als Plan B an einer Schule anmelden.

Mein letztes Praktikum war ein Reinfall. Jetzt, in Klasse 9, soll ich wieder eines machen, aber ich habe keine Lust. Hat das überhaupt Sinn?

Durch Praktika oder Betriebsbesichtigungen lernt man als junger Mensch die berufliche Realität und den Arbeitsalltag kennen. Das ist eine Perspektive, die du im Klassenzimmer nicht einnehmen kannst. Auch wenn dein letztes Praktikum nicht so "gut" war – auch das hilft dir bei der Entscheidung, wenn du einmal beruflich zwischen mehreren Optionen stehst. Zudem pimpt es deinen Lebenslauf und macht dich attraktiver für spätere Arbeitgeber.

Wie funktioniert das duale Bachelorstudium?

Die Europäische Fachhochschule Rhein/Erft bietet das duale Studium in zwei Modellen an: Beim Blockmodell gliedert es sich in dreimonatige Theoriephasen und dreimonatige Praxisphasen im Unternehmen. Die Studierenden können entweder eine kaufmännische Berufsausbildung mit IHK-Abschluss, ein Training-on-the-Job oder verschiedene Einzel-Praktika in den Unternehmen absolvieren. Beim 2-plus-3-Modell verbringen die Studierenden drei Tage pro Woche im Unternehmen und zwei Tage auf dem Campus. Dabei absolvieren sie ein Training-on-the-Job über die gesamte Studienzeit. Nach sechs Semestern Studienzeit erhalten die Studierenden in beiden Modellen den international anerkannten Bachelor of Arts bzw. Bachelor of Science (der Studiengang Wirtschaftsingenieur dauert sieben Semester).

Stephan Lüke fasste die Antworten zusammen.

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