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Buchbinder arbeiten mit Messer und Leim

Was für manchen aus der Zeit gefallen wirkt, ist ein anspruchsvolles Handwerk. Von Johannes Laubmeier

Ihren Traumberuf fand Valerie Abraham zufällig. Auf der Suche nach einer Ausbildung wollte sie nach dem Abitur "etwas mit Medien" machen, erzählt sie. Obwohl man dabei heute zuallererst an neue Medien denkt, arbeitet Abraham heute in einem Beruf, der bis in die Antike zurückreicht. Die 23-Jährige ist im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Buchbinderin in der Buchbinderei und Prägerei Edmund Schaefer in Köln. Von Broschüren bis hin zu Büchern produziert Abraham verschiedene Drucksachen. Ihr Metier ist alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt - und mehr.

Buchbinder arbeiten im Handwerk, in Buchbindereien und Verlagen, aber auch in großen Bibliotheken. Sie stellen neben Büchern auch Kassetten, etwa für Münzen oder Parfüms, her. Auch in der Reparatur und Konservierung sind Buchbinder tätig. Sie erneuern verschlissene Bücher und restaurieren wertvolle Schriften. Viele Buchbinder rahmen außerdem Bilder, Landkarten oder Fotos.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Einen bestimmten Schulabschluss braucht es nicht, allerdings hatte 2013 mehr als jeder zweite Ausbildungsanfänger (52 Prozent) die Hochschulreife. In der Berufsschule beschäftigen sich die Azubis unter anderem mit den verschiedenen Werkstoffen. Außer mit Papier arbeiten Buchbinder unter anderem mit Leder, Leinen, Pergament sowie mit Samt und Seide. "Man muss mit Materialien umgehen können", erzählt Dirk Jachimsky, Inhaber der Buchbinderei Edmund Schaefer und Valerie Abrahams Chef. Wichtig seien für den Beruf neben räumlichem Vorstellungsvermögen auch Grundkenntnisse in Mathe, etwa für die Materialberechnung.

Im Betrieb werden die Lehrlinge langsam an ihre späteren Aufgaben herangeführt. Da Buchbinder meist in kleinen Betrieben individuelle Einzelstücke oder Kleinstauflagen maschinell und in Handarbeit herstellen, sind handwerkliche und gestalterische Fähigkeiten wichtig. Ganz ohne körperliche Anstrengung geht es in der Buchbinderei nicht, ergänzt Hans-Dieter Jung, der als Vorstandsmitglied im Bund Deutscher Buchbinder zuständig für den Bereich Ausbildung ist. Der traditionsreiche Beruf ist heute ein Exot. "Das Handwerk wurde durch die Digitalisierung ziemlich gebeutelt", sagt Dirk Jachimsky. 2013 begannen laut Informationen der Arbeitsagentur nur 51 Lehrlinge ihre Ausbildung. Frank Dowerg befürchtet langfristig eine weitere Verkleinerung der Branche. Während der Ausbildung verdient man laut Arbeitsagentur zwischen 366 und 406 Euro im ersten Lehrjahr und zwischen 446 und 506 Euro im dritten. Das spätere Gehalt variiert je nach Betrieb und Bundesland. Das Einstiegsgehalt, sagt Jachimsky, liege bei rund 1700 Euro. Es kann aber auch deutlich weniger sein. "Ich würde den Beruf keinem empfehlen, der darauf hofft, darin das große Geld zu verdienen. Man muss sehr viel Liebe dafür mitbringen", sagt Frank Dowerg.

Wer sich nach seiner Ausbildung noch weiterbilden will, kann die Prüfung zum Buchbindermeister ablegen oder den Techniker in der Fachrichtung Papiertechnik machen. Auch über ein Studium, etwa in Restaurierung und Konservierung, kann man sich bei entsprechender Eignung weiterqualifizieren.

Quelle: RP
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