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Jubiläum
Der holprige Start des Meister-BAföG

Von 20 Jahren wurde das Meister-BAföG eingeführt und damit erstmals ein Rechtsanspruch für die berufliche Aufstiegsfortbildung von Handwerkern und Fachkräften festgeschrieben. Der Anfang war allerdings recht holprig. Von José Macias

Das Wortungetüm klingt schon kompliziert: Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG). So richtig merken kann sich kaum jemand diesen Begriff, dabei feiert das Gesetz, das erstmals einen Rechtsanspruch für eine finanzielle Unterstützung der Aufstiegsfortbildung im Handwerk regelte, in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Im Handwerk ist es unter dem viel griffigeren Namen "Meister-BAföG" zu einem Dauerbrenner geworden. Erfunden hat diesen Begriff natürlich ein Meister: Der Düsseldorfer Malermeister Norbert Hüsson, der zum Start des Gesetzes 1996 als Vorsitzender des Verbandes Junioren des Handwerks sprach, hatte den Begriff erstmals ins Spiel gebracht.

Der Grund war seinerzeit eine extreme Verärgerung der Junghandwerker in Deutschland. Denn während die akademische Fortbildung an den Hochschulen über Jahrzehnte mit dem klassischen BAföG gefördert wurde, wurden Handwerker, die kostspielige Meisterschulen besuchten, seinerzeit mit einem zinsverbilligten Darlehensprogramm abgespeist. Als Mitte der 90er Jahre die Mittel dafür durch die Regierung Kohl gestrichen wurden, gingen die Handwerksjunioren auf die Barrikaden. Norbert Hüsson schimpfte damals über ein "Zwei-Klassen-Bildungssystem": "Die akademische Bildung fährt im ICE auf der Schnellbahntrasse ins 21. Jahrhundert, während die berufliche Bildung in der Lokalbahn auf einem Nebengleis zurück ins Mittelalter steuert."

Die Junghandwerker drohten damals sogar mit einer Verfassungsklage, um ihrer Forderung nach einer Gleichstellung von akademischer und beruflicher Fortbildung Nachdruck zu verleihen. Das Meister-BAföG kam schließlich doch. Zum 1. Januar 1996 wurde das AFBG eingeführt, eine Mischung aus Zuschüssen und Darlehen, das von Bund und Ländern finanziert wird.

Der Anfang war allerdings recht holprig. Während der damalige Wirtschaftsminister Günter Rexrodt versprach, für das neue Meister-BAföG "richtig Geld" in die Hand zu nehmen, musste Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers dem Handwerk erst mal beibringen, dass gerade mal 400 Millionen Mark in der Kasse waren.

Die schlechte Finanzausstattung zum Start hat aber nicht verhindert, dass sich die geförderte Aufstiegsfortbildung in den vergangenen 20 Jahren zu einem Renner entwickelte. Vielen angehenden Jungmeistern machte das Meister-BAföG erst den Weg frei, sich die aufwendige Fortbildung in Vollzeit oder Teilzeit überhaupt leisten zu können - um dann nicht zum Beginn ihres Berufslebens oder vor der Gründung eines eigenen Betriebes auch noch mit einem Schuldenberg dazustehen.

2014 etwa zählte das Statistische Bundesamt 172.000 Menschen, die vom Meister-BAföG profitierten. Anspruch darauf haben inzwischen nicht nur Handwerker, sondern nach zwei Gesetzesnovellierungen auch andere Berufe wie Techniker, Fachkaufleute, Altenpflegekräfte und Erzieher. 587 Millionen Euro lassen sich Bund und Länder das jährlich kosten - ein Teil der Gelder fließt zurück. Denn beim Meister-BAföG werden Kosten für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, Lebensunterhalt und Kinder finanziell unterstützt, teilweise als Zuschuss, teilweise als Darlehen. Darlehen gibt es über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die allein 2014 dafür 309 Millionen Euro auszahlte. Übrigens: 30.000 Meisterkursteilnehmern wurde 25 Prozent des Restdarlehens nach erfolgreichem Abschluss erlassen - rund 23 Millionen Euro.

"Ohne das Meister-BAföG wären die Meisterzahlen stark rückläufig. Gerade jetzt, wo viele Handwerksbetriebe einen Nachfolger suchen, ist eine attraktive Aufstiegsfortbildung wichtiger denn je", betont Norbert Hüsson, der heute unter anderem in der Vollversammlung der Handwerkskammer Düsseldorf und im Landesvorstand der CDU-Mittelstandsvereinigung aktiv ist.

Er bedauert, dass es in der Bevölkerung immer noch das Bewusstsein gebe, dass der akademische Bildungsweg der beste sei: "Die Einkommenssituation vieler erfolgreicher Handwerksmeister zeigt, dass die Realität eine andere ist." Trotz des holprigen Starts hat das Meister-BAföG letztendlich Erfolgsgeschichte geschrieben, denn seitdem wurden 1,7 Millionen Menschen gefördert, die meisten starteten eine Karriere als Führungskräfte und Unternehmer.

Quelle: RP
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