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Gehaltsunterschiede
Männer verdienen 21 Prozent mehr als Frauen

Diese Fehler machen Frauen in Gehaltsverhandlungen
Diese Fehler machen Frauen in Gehaltsverhandlungen FOTO: ddp
Berlin. Der Unterschied beim Verdienst von Männern und Frauen ist im vergangenen Jahr minimal geschrumpft. Experten der Hans-Böckler-Stiftung bezeichneten den Abstand als weiterhin "sehr groß" - und im Rentenalter sieht es noch deutlich dramatischer aus.

Er verringerte sich aber noch um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Hauptgrund sei vermutlich die Einführung des Mindestlohns. Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen liegt in Deutschland seit Jahren hartnäckig über 20 Prozent. Zuletzt hatte er sich 2009 etwas von 23 auf 22 Prozent verringert.

Im vergangenen Jahr verdienten Frauen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 16,20 Euro pro Stunde und Männer 20,59 Euro. Im alten Bundesgebiet war der Verdienstunterschied den Angaben zufolge mit 23 Prozent immer noch viel größer als in den neuen Bundesländern mit acht Prozent.

Mindestlohn soll Grund für Verringerung sein

Ein Grund dafür, dass die Lohnlücke in Gesamtdeutschland von 22 auf 21 Prozent schrumpfte, könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2015 gewesen sein, mutmaßten die Statistiker. Die Stundenverdienste von Frauen seien im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die für Männer nur um 2,0 Prozent. Besonders ungelernte und angelernte Arbeitnehmerinnen verdienten deutlich mehr als vorher.

Die Gründe für den insgesamt hohen Verdienstunterschied vor allem im Westen Deutschlands sind seit Jahren dieselben: Frauen haben schlechter bezahlte Berufe, haben seltener eine Führungsposition und arbeiten häufiger als Männer in Teilzeit oder sind nur geringfügig beschäftigt.

Auch bei vergleichbaren Tätigkeiten verdienen Frauen schlechter

Damit lassen sich rund zwei Drittel des sogenannten Gender Pay Gap erklären. Es bleibt ein Unterschied von rund sieben Prozent übrig, weil Frauen im Schnitt auch bei vergleichbaren Tätigkeiten und Qualifikationen schlechter verdienen als Männer.

Der Lohnrückstand von Frauen bleibe mit 22 Prozent "sehr groß im europäischen Vergleich", erklärte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der Abstand bei den Renten falle allerdings "noch weitaus gravierender aus". Sowohl bei der gesetzlichen Rente als auch bei der betrieblichen Altersversorgung seien Frauen "klar im Nachteil".

Die Forscher verwiesen auf eine Studie, wonach die Einkünfte von Frauen im Alter im Jahr 2011 um 57 Prozent niedriger ausfielen als die von Männern. Auch hier war demnach der Abstand im Osten deutlich geringer als im Westen.

Grüne: "Beschämend und nicht akzeptabel"

Grünen-Vizefraktionschefin Katja Dörner nannte die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen "beschämend und nicht akzeptabel". Nötig sei eine gesetzliche Regelung für mehr Lohngerechtigkeit.

Ein solches Gesetz hat das Bundesfamilienministerium angekündigt. "Das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern muss kommen", erklärte Familienstaatssekretär Ralf Kleindiek. Die Regelung befinde sich derzeit "in der Frühabstimmung". Grünen-Politikerin Dörner warnte allerdings, das Gesetz drohe "ein zahnloser Tiger zu werden", da es sich nur auf Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern beziehen solle.

(lukra/AFP)
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