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Studie
Großes Einkommensgefälle bei Pflegekräften

Studie: Großes Einkommensgefälle bei Pflegekräften
Pflegekräfte verdienen in Deutschland regional sehr unterschiedlich. FOTO: Angelika Warmuth
Berlin. Bei der Entlohnung von Pflegekräften gibt es bundesweit große regionale Unterschiede. Altenpfleger verdienen zudem meist deutlich schlechter als Krankenpfleger.

Das geht aus der einer Studie zum Gehalt in Pflegeberufen hervor, die der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), am Dienstag in Berlin vorstellte. Bis zu 1000 Euro pro Monat betragen in manchen Bereichen die Einkommensunterschiede zwischen den Bundesländern.

So liegt das mittlere Einkommen (Median-Bruttoentgelt) laut der Studie bei Altenpflege-Fachkräften in Baden-Württemberg bei 2725 Euro. Ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt kommen hingegen nur auf 1743 Euro. Der deutschlandweite Mittelwert beträgt 2441 Euro. Fachkräfte in der Krankenpflege verdienen im deutschlandweiten Mittel knapp 600 Euro mehr, sie kommen auf 3042 Euro brutto. Am meisten verdienen gelernte Krankenpfleger im Saarland (3293 Euro), am wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern (2636 Euro).

In den Pflegeberufen liegen danach die Teilzeitanteile mit knapp 50 Prozent bei Fachkräften und teilweise über 70 Prozent bei Helfern deutlich über dem Anteil für alle Beschäftigten. In den östlichen Ländern sei dies vor allem darin begründet, dass nicht genügend Vollzeitstellen angeboten werden. Im Westen seien überwiegend persönliche und familiäre Gründe ausschlaggebend, etwa das Fehlen von Kinderbetreuungsplätzen.

Die Studie erstellte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) unter Rückgriff auf die Arbeitgebermeldungen an die Sozialversicherungsträger. Zudem wurden 10.000 Menschen in Pflegeberufen befragt.

Laumann kritisiert schlechte Bezahlung

Karl-Josef Laumann selbst hat die schlechte Bezahlung in der Altenpflege kritisiert. Um junge Menschen für die Altenpflege zu gewinnen, seien endlich flächendeckend faire Löhne notwendig, erklärte Laumann am Dienstag in Berlin. Er fügte hinzu: "Wenn in allen Bundesländern die Fachkräfte der Altenpflege gegenüber vergleichbaren anderen Fachkräften bis zu 19 Prozent weniger verdienen, läuft etwas falsch."

Laumann machte deutlich, dass er nicht grundsätzlich gegen unterschiedliche Tarifabschlüsse in den einzelnen Regionen sei und sich als Regierungsvertreter auch aus Tarifverhandlungen heraushalten werde. Allerdings seien einige Unterschiede nicht nachvollziehbar.

Mit Blick auf die Altenpflege geht der Sozialverband SoVD davon aus, dass sich der dortige Personalmangel künftig erheblich verschärfen wird. Mangelhafte Ausbildung, schlechte Arbeitsbedingungen und demografischer Wandel seien die Ursachen für den Pflegekräftenotstand in Deutschland, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer.

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg, forderte höhere Löhne: "Gerade in der Altenpflege brauchen wir einen Bewusstseinswandel hin zu mehr Anerkennung der geleisteten Arbeit." Sie regte an, Tarifverträge für allgemein verbindlich zu erklären.

Unterdessen verwies der Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege (AGVP), Thomas Greiner, darauf, dass durch höhere Löhne Kostensteigerungen für Beitragszahler, Pflegebedürftige und Kommunen entstünden. Die Pflege müsse aber finanzierbar bleiben.

Gröhe kündigt Gesetzentwurf an

 

Der Präsident des Sozialverbands SoVD Adolf Bauer machte mangelhafte Ausbildung, schlechte Arbeitsbedingungen und demografischen Wandel "für den Pflegekräftenotstand in Deutschland" verantwortlich. "Der Personalmangel in der Altenpflege wird sich künftig erheblich verschärfen", prophezeite Bauer.

 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bekräftigte in der "Lausitzer Rundschau" seine Forderung nach besserer Bezahlung der Pflegekräfte. In der "Saarbrücker Zeitung" kündigte er an, noch im Sommer einen Gesetzentwurf zur Neuordnung der Pflegebedürftigkeit vorlegen zu wollen. Die Rehabilitation auch im Rentenalter solle stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Reform soll 2016 in Kraft treten.

Nach Ansicht von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens haben Prävention und altersbezogene Rehabilitation ein riesiges Potenzial, die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren. "Dazu sind allerdings neue Angebote der Reha notwendig", meinte die Grünen-Politikerin.

(KNA)
 
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