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Headhunter suchen nicht nur Topmanager

Mehr als 6500 Personalberater gibt es in Deutschland. Im Gegensatz zu früher werben sie mittlerweile auch gefragte Fachkräfte wie Köche, Industriemechaniker oder Altenpfleger an. Doch Vorsicht: Nicht jeder Berater ist seriös. Von Rainer Steppan

Wolfram Tröger hält sich genau ans Gesetz. Wenn der Headhunter aus Frankfurt jemanden am Arbeitsplatz anruft, fasst er sich kurz. "Das erste Telefonat dient nur der Kontaktaufnahme", betont der Personalberater. Es sei absolut in Ordnung, wenn ein Kandidat sage, dass er das Gespräch lieber am Feierabend oder Wochenende fortsetzen will.

Trögers Vorsicht kommt nicht von ungefähr, denn bis vor wenigen Jahren waren die "Kopfjäger" allzu oft selbst die Gejagten. Manche Unternehmen ließen die Berater abmahnen. Sie mussten sich schriftlich verpflichten, weitere Anrufe zu unterlassen und im Wiederholungsfall eine saftige Strafe zahlen. Erst der Bundesgerichtshof machte 2004 Schluss mit dieser Praxis. Die Karlsruher Richter urteilten, dass das Abwerben von Mitarbeitern grundsätzlich erlaubt sei. Ein Headhunter dürfe jedoch einen Kandidaten an dessen Arbeitsplatz nicht in ein längeres Gespräch verwickeln. Er müsse in wenigen Sätzen die freie Stelle beschreiben und - falls der Angerufene Interesse zeige - die weiteren Details außerhalb der Arbeit besprechen (BGH, I ZR 221/01).

Es war nicht die erste juristische Hürde, die Personalberater überwinden mussten. Früher hatte die Bundesagentur für Arbeit das Monopol für die Vermittlung von Arbeitskräften. Die Berater durften lediglich nach Topmanagern fahnden. Die Suche nach Fachkräften und Managern im mittleren Unternehmenssegment war verboten. Erst 1994 fiel das Monopol.

Laut einer aktuellen Statistik des Bonner Branchenverbands BDU gibt es heute knapp 6650 Personalberater in Deutschland. Sie erzielten im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz - und damit weitaus mehr als das, was sie vor 1994 verdienten. Kein Wunder: Längst nehmen die Headhunter nicht nur hoch qualifizierte Kräfte ins Visier. Sie suchen Personal jedweder Branche und Qualifikation. Stark gefragt sind zurzeit beispielsweise Köche, Industriemechaniker oder Altenpfleger. Allerdings schalten die Berater für solche Jobs meist Anzeigen.

Regina Ruppert bevorzugt eine andere Methode. Die Chefin der Berliner Consultingfirma Selaestus hat zwei Worte auf ihre Visitenkarte drucken lassen: Executive Search steht da in Großbuchstaben. Der Begriff steht für die systematische Suche und telefonische Direktansprache von Führungskräften.

Die Idee, Spitzenpersonal ohne Zuhilfenahme von Anzeigen zu suchen, stammt aus den USA. Und deswegen ist es auch nicht erstaunlich, dass vier US-Unternehmen heute die Spitze dieses Gewerbes bilden: Branchenprimus ist die US-Firma Korn/Ferry, gefolgt von Spencer Stuart, Russell Reynolds und Heidrick & Struggles. Zwischen die Amerikaner hat sich seit einigen Jahren ein Schweizer Unternehmen geschoben: Die Firma Egon Zehnder rangiert auf Platz drei eines Umsatzrankings, das das US-Marktforschungsunternehmen Hunt Scanlon alljährlich erstellt.

Gemeinsam ist den fünf Marktführern des Search Business, dass es sich um weltweit tätige Unternehmen mit Tausenden von Mitarbeitern handelt. Passenderweise sind die Kunden der Big Five meist internationale Großunternehmen, bei denen es nicht sonderlich ins Gewicht fällt, wenn sie den Headhuntern Mindesthonorare von 50.000 Euro und mehr pro Suche zahlen.

Berater wie Tröger und Ruppert arbeiten dagegen häufig für mittelständische Unternehmen. Im Regelfall kassieren sie pro Auftrag ein Drittel von dem, was die gesuchte Fach- oder Führungskraft pro Jahr an Gehalt einschließlich Nebenleistungen erhalten soll. Das Honorar behalten die Headhunter auch dann, wenn sie erfolglos auf die Pirsch gegangen sind. Die meisten verpflichten sich lediglich, so lange weiter zu suchen, bis die offene Stelle besetzt ist. Doch das kann dauern.

Gerade Mittelständler geben deswegen gerne den sogenannten Recruitern eine Chance. Im Gegensatz zu den Headhuntern arbeiten diese auf Erfolgsbasis. Ihre Tätigkeit erschöpft sich meist darin, Aufträge zu akquirieren, Jobs zu posten und die Bewerbungsunterlagen qualifizierter Kandidaten an ihre Auftraggeber zu schicken. Dennoch nennen sich die meisten Recruiter Berater. Das klingt nicht nur seriös, es ist auch legal, weil die Begriffe Personalberater, Headhunter oder Executive Search nicht geschützt sind. Ein Büro mit Internetanschluss reicht, wenn man sich in dieser Branche selbstständig machen will. Nicht einmal eine einschlägige Ausbildung ist nötig.

Nicht jeder Berater ist seriös. Man tut also gut daran, nicht nur brav zu antworten, wenn das Telefon klingelt und jemand am anderen Ende der Leitung sagt, er sei Personalberater. Man sollte sich den Namen des Anrufers und der Beratungsfirma notieren, rät Tröger. Im Internet könne man anschließend nachsehen, mit wem man es zu tun habe.

Quelle: RP
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