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Studie
Nur ein gutes Gehalt macht nicht glücklich

IW-Studie: Viel Geld allein macht nicht glücklich
Ein gutes Gehalt hängt auch von der Persönlichkeitsentwicklung ab. FOTO: shutterstock/ gualtiero boffi
Exklusiv | Berlin. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat festgestellt, dass stabile Persönlichkeiten besonders zufrieden im Job sind. Vom Gehalt hängt die Zufriedenheit weniger ab.

Nach einer verbreiteten Annahme gelten vor allem die Höhe des Gehalts und die Tätigkeiten als entscheidend dafür, wie zufrieden Arbeitnehmer mit ihren Jobs sind. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt in einer unveröffentlichten Studie, dass diese Annahme falsch ist: Wie zufrieden ein Arbeitnehmer ist, hängt demnach nicht in erster Linie vom Lohn oder der Tätigkeit ab, sondern davon, wie emotional stabil, belastbar und selbstsicher er ist.

Für ihre Studie hat IW-Forscherin Mara Ewers die Zusammenhänge zwischen persönlichen Angaben zur subjektiven Lebens- und Arbeitszufriedenheit, dem Bruttostundenlohn, der Anzahl der Bildungsjahre und dem subjektiven Gesundheitszustand untersucht. Als Datengrundlage nutzte sie das Sozio-oekonomische Panel beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, eine repräsentative Langzeitstudie, an der jährlich bis zu 20.000 Menschen teilnehmen.

Einkommensunterschiede können von der Persönlichkeitsentwicklung abhängen

Ewers fand anhand dieser Daten heraus, dass 53 Prozent der Bundesbürger, die sich emotional als besonders stabil bezeichnen, auch im Job sehr zufrieden sind. Dagegen seien aber nur 45 Prozent der Menschen bei der Arbeit sehr zufrieden, die sich selbst als eher labil einstufen. Die Fähigkeit, anderen Menschen zu vertrauen, steigere die Lebens- und Arbeitszufriedenheit ganz besonders. Frappierend sei auch der Zusammenhang zwischen der Vertrauensfähigkeit und dem Gehalt: "Gutbezahlte Arbeitnehmer haben ein signifikant höheres Vertrauen in andere als gering entlohnte Arbeitnehmer", heißt es in der Studie. Angestellte mit einem Bruttostundenlohn von über 50 Euro stimmten am häufigsten der Aussage voll zu, dass sie anderen Menschen im Allgemeinen vertrauen. Dagegen lehnten jene mit einem Stundenlohn von unter 15 Euro diese Aussage am häufigsten "voll ab". Knapp 72 Prozent der Menschen, die anderen Menschen in der Regel vertrauen, waren auch mit ihrem Leben insgesamt hochzufrieden. Dagegen galt dies nur für 31 Prozent derer, die anderen nicht vertrauen.

Die Untersuchung lege die These nahe, dass Einkommensunterschiede auch eine Folge der Persönlichkeitsentwicklung sein können, so Ewers. Wer misstrauisch sei, verwende mehr Zeit und Kraft für Kontrollen "und ist daher weniger produktiv", sagt Ewers. Und wer weniger produktiv sei, verdiene auf Dauer auch weniger.

(mar)
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