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Expatriot
Was Sie bedenken müssen, wenn Sie beruflich ins Ausland gehen

Die lebenswertesten Städte der Welt 2015
Die lebenswertesten Städte der Welt 2015 FOTO: skyearth / Shutterstock.com/ skyearth
München. Für das Unternehmen ein Projekt im Ausland betreuen - für viele Arbeitnehmer ist das ein Traumjob. Doch bei aller Vorfreude auf das Ausland: Wichtig ist, bereits beim Start die Weichen für die Rückkehr zu stellen.

Mehrere Monate oder gar Jahre für die Firma im Ausland zu arbeiten, erfordert Einsatz. Elisabeth Satzger weiß das aus eigener Erfahrung: Für ihren Arbeitgeber ging sie zwei Jahre nach Asien, tauschte München gegen Singapur. "Wer Interesse an einem Auslandseinsatz zeigt, bekommt oft auch ein Angebot", erzählt die Ingenieurin. Bereits während des Studiums lebte sie einige Zeit in den USA - und bekam Lust auf mehr: "Meinem Unternehmen habe ich schon früh signalisiert, dass ich gerne im Ausland arbeiten würde."

2012 war es dann soweit: Für den Elektronikkonzern Rhode & Schwarz sollte Satzger in Singapur eine Abteilung für Hard- und Softwareentwicklung aufbauen. Mit Sprachkursen und interkulturellen Trainings bereitete ihr Arbeitgeber sie auf den Auslandsaufenthalt vor. Dennoch war die Umstellung anfangs groß: "Die deutsche Sichtweise bringt einen in Asien erst einmal von einem Fettnäpfchen ins nächste", erzählt Satzger. "Wir Deutschen sind sehr direkt - im asiatischen Raum wird das schnell als demütigend empfunden."

Keine Sprachschule der Welt vermittele vergleichbare Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz wie ein Auslandsaufenthalt, sagt Ina Kayser vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf. Doch nicht immer wird dieses Wissen in der Heimat geschätzt: "Ob ein Auslandseinsatz gut für die Karriere ist, hängt stark von der Branche ab." In der exportorientierten Industrie sind Auslandserfahrungen enorm wichtig - etwa im Maschinen- und Fahrzeugbau oder in der Elektrotechnik. Für Bau- oder Vermessungsingenieure spielen sie dagegen kaum eine Rolle.

Wer für die Firma ins Ausland geht, sollte sich fragen: "Was bringt mir das dort erworbene Know-how - und nutzt es auch meiner Firma etwas?", rät Cornelia Banisch. Sie ist Auslandsberaterin beim Raphaelswerk in Hamburg. Der Fachverband der Caritas berät Auswanderer und Menschen, die Deutschland vorübergehend verlassen, aber auch Rückkehrer.

Vor dem Auslandsaufenthalt sollte geklärt werden, ob das Gastland ein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland geschlossen hat. "Im EU-Ausland ist das in der Regel der Fall", sagt Banisch. In der EU und einigen weiteren europäischen Ländern kommt die deutsche Krankenversicherung für Krankheitskosten auf, für alle anderen Länder ist eine Auslandskrankenversicherung Pflicht. Privat Krankenversicherte sollten sich dazu mit einer Anwartschaftsversicherung das Recht auf Wiederaufnahme in ihren alten Tarif sichern. "Die Rückkehr in die Krankenversicherung ist fast immer möglich, aber oft nicht ganz einfach."

Es gibt vier Möglichkeiten, für die Firma ins Ausland zu gehen, erläutert Kayser: "Die Geschäftsreise, eine Kurzzeitentsendung, eine Langzeitentsendung oder die sogenannte Lokalisierung." Welche Variante in Frage kommt, hängt unter anderem von der Dauer des Aufenthalts ab. Wer bereits für die Tochterfirma im Ausland arbeitet, also zum Beispiel die Produktion vor Ort koordiniert, befindet sich nicht mehr auf Dienstreise, sondern auf einer Kurzzeitentsendung. Dauert der Aufenthalt länger als ein halbes Jahr, handelt es sich um eine Langzeitentsendung. Ein Teil des Einkommens ist dann im Gastland zu versteuern.

Die direkte Entsendung durch den Arbeitgeber ist allerdings rückläufig, erzählt Banisch. Der Grund: "Der Arbeitnehmer profitiert bei diesem Modell davon, dass weiterhin Sozialabgaben bezahlt werden. Für den Arbeitgeber ist das aber relativ teuer." Immer häufiger schließt der Mitarbeiter deshalb direkt mit der Firma im Einsatzland einen Vertrag. Bei so einer Lokalisierung ist es umso wichtiger, dass auch die Rückkehr ins Unternehmen in Deutschland vertraglich vereinbart wird.

"Die Vertragssituation sollte man noch im Vorfeld klären, das ist nichts, was man vor Ort tun kann", bestätigt Satzger. Viele Arbeitnehmer würden mit einem Entsendevertrag im Ausland arbeiten.
"Ich selbst hatte einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen in Singapur." Gleichzeitig schloss die Angestellte mit Rhode & Schwarz in Deutschland einen Ruhevertrag, der ihr die Rückkehr auf eine vergleichbare Stelle im Raum München zusicherte. "Zu so einem Vertrag würde ich jedem raten, der für die Firma ins Ausland geht."

Doch nicht nur der Auslandsaufenthalt selbst ist eine Herausforderung für viele Expats, wie die Auslandsarbeiter auch genannt werden. Auch der Neuanfang in Deutschland gestaltet sich oft schwierig. "Der Schwerpunkt der Beratung liegt derzeit bei den Rückkehrern", sagt Banisch. Dabei geht es häufig um sozialrechtliche Fragen: Was ist für die Sozialversicherung nötig? Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld?

"Man sollte schon vor der Abreise immer auch an die Rückkehr denken", warnt die  Auslandsberaterin daher. Wer im Ausland arbeitet, sollte sich auch über die Ereignisse daheim und in der Firma informieren und den Kontakt zu ehemaligen Kollegen pflegen.

Oft wird auch die kulturelle Rückanpassung unterschätzt: "Man verändert sich durch den Auslandsaufenthalt, dann kommt man zurück, und alles ist vermeintlich gleich geblieben", erzählt Ingenieurin Satzger. Im Ausland sei die ganze Zeit klar, dass man sich anpassen muss. Doch auch Rückkehrer müssen sich wieder einfügen. "Ich kenne auch Expats, die nach dem  Auslandsaufenthalt nicht wieder Fuß gefasst haben." Ihr eigener Wiedereinstieg lief dagegen ohne Probleme: Die 36-Jährige arbeitet heute bei ihrem alten Arbeitgeber in München - als Abteilungsleiterin.

(dpa)
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