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Digitalisierung
Keine Angst vor dem Kollegen Roboter

Die Digitalisierung wird das Arbeitsleben in den nächsten Jahren massiv verändern. Arbeitnehmer müssen sich vorbereiten. Von Tobias Hanraths

Vom Einkaufen über das Fernsehen bis zum Urlaub verändert die Digitalisierung alles. Das behaupten zumindest Forscher, Berater, Politiker und andere Experten. Das gilt nicht nur für das Privatleben, sondern vor allem für die Arbeitswelt. "Ich gehe davon aus, dass die meisten Arbeitnehmer ihren Job in 20 Jahren nicht mehr wiedererkennen werden", sagt Kai Wächter, Mitglied der Geschäftsführung der Unternehmensberatung BearingPoint.

"Digitalisierung bedeutet vor allem, dass alles immer mehr von IT durchdrungen und miteinander vernetzt wird. Dadurch verändern sich Prozesse, die Organisation der Arbeit, und es entstehen auch neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel Big Data", erklärt Vanessa Barth. Sie ist Vorstandsmitglied der IG Metall. Erste Auswirkungen davon sind schon zu sehen. So gibt es zum Beispiel kaum einen Bürojob mehr, der ohne E-Mail auskommt. Berufliche Mails auf dem Smartphone zu empfangen, ist für viele selbstverständlich. Im Vergleich zum kommenden Sturm ist das aber nur ein laues Lüftchen.

Ein Grund zur Panik? Nicht unbedingt, sagt Barth. Denn wie so vieles hat die Digitalisierung gute und schlechte Seiten. "Viele Arbeiten lassen sich durch Digitalisierung einfacher und schneller erledigen", sagt die IG-Metall-Expertin. "Andererseits können ganze Arbeitsbereiche wegfallen oder sich grundlegend verändern."

"Im klassischen Büro- oder Akademikerjob gibt es durch die Digitalisierung viel mehr Flexibilität", sagt Wächter. "Um zusammen an einem Projekt zu arbeiten, müssen wir heute nicht mehr im selben Büro sitzen." Viele nervige Geschäftsreisen und Besprechungen fallen dadurch weg, das Arbeiten von zu Hause wird noch leichter. Beruf und Familie lassen sich viel besser vereinbaren.

Gleichzeitig steigen so die Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer, meint Wächter. "Ich muss in der Lage sein, diszipliniert und ergebnisorientiert an etwas zu arbeiten, selbst wenn ich räumlich von den Kollegen isoliert bin." Auch zielgerichtetes Kommunizieren wird wichtiger. Missverständnisse lassen sich im Homeoffice nicht durch einen Besuch am Schreibtisch des Kollegen ausräumen.

In Fabriken macht sich die Digitalisierung etwa durch die immer größere Verbreitung von Robotern bemerkbar. Was das genau bedeutet, untersuchen die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Überflüssig wird der Mensch durch seine mechanischen Kollegen nicht, schreiben sie in der Studie "Produktionsarbeit der Zukunft". Vollautomatische Produktionshallen wird es in absehbarer Zukunft nur in Ausnahmefällen geben.

Die Rolle des Menschen in Fabriken wird aber eine andere sein, so die Forscher: Anstatt Routineaufgaben selbst zu erledigen, überwachen Menschen die Arbeit der Roboter, zum Beispiel mit einem Tablet. Motorische Fähigkeiten werden also weniger wichtig, analytische und intellektuelle Fähigkeiten dagegen umso entscheidender.

Auch für Köche, Friseure oder im Einzelhandel könnte sich mit der Digitalisierung einiges ändern. Grund dafür ist die sogenannte Plattform-Ökonomie. Deren Geschäftsmodelle bestehen vor allem darin, Dienste zu vermitteln und abzurechnen und Daten zu sammeln. Bestes Beispiel ist der Limousinen-Service Uber, der den klassischen Taxifahrern jetzt schon in vielen Städten Konkurrenz macht.

Ähnliche Entwicklungen sind für viele andere Märkte denkbar. "Bei solchen Tätigkeiten wird die Digitalisierung vor allem durch das Vernetzen und Verschmelzen von Branchen und Kanälen geprägt sein", sagt Wächer. Onlineplattformen übernehmen bestimmte Dienstleistungen. Gut möglich, dass künftig andere Dienstleister durch Apps neue Konkurrenz bekommen.

Angst müssen Arbeitnehmer vor solchen Änderungen nicht haben, sagt Barth. Aber vorbereitet sollten sie sein: "Arbeitnehmer sollten mit den Entwicklungen in ihrer Branche Schritt halten und sich konsequent weiterbilden." Das kann zum Beispiel bedeuten, einfach nur die Nachrichten und Entwicklungen rund um den eigenen Job zu verfolgen.

Konkret heißt es aber auch, sich mit neuer Software und neuen Tools eingehend zu beschäftigen. Im Idealfall passiert das direkt im Unternehmen. Es kann aber auch sein, dass Arbeitnehmer zu Autodidakten werden müssen. "Das lebenslange Lernen wird wichtiger", sagt Wächter. "Da sind Arbeitnehmer stärker auf sich selbst angewiesen, weil die Ausbildungsangebote mit der Entwicklung nicht immer Schritt halten."

Quelle: RP
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